Acht Generationen des BMW 5er
Von E12 bis G60 - 50 Jahre schnelles Business

Mit der Vorstellung der achten Generation des neuen 5ers besinnt sich BMW auf eine lange Oberklasse-Tradition. Doch beginnt der Erfolg der bayerischen Businness-Limousinen wirklich erst mit der Einführung der Baureihe E12 im Jahr 1972? Ein Blick zurück.

BMW 5er mit 5er Generationen
Foto: BMW / Schönfeld

E12, E28, E34, E39, E60, F10, G30 und jetzt: G60. Wenn Ihr Puls bei dieser Aufzählung kurz nach oben geht, sind Sie hier genau richtig. Wenn nicht – müssen Sie erst recht weiterlesen. Denn das sind die internen Baureihencodes aller BMW 5er und mithin eine extrem erfolgreiche Ahnenreihe, die man unbedingt kennen sollte. Schließlich führte sie zu einer der besten Oberklasse-Limousinen unserer Zeit.

BMW 5er (G60): Die achte Generation (2023)

Ab 21. Oktober steht die neueste Auflage des 5ers bei den BMW-Händlern. Die Baureihe G60 vereint dann erstmals alle Antriebe in einem Karosserie-Kleid. Gleich zum Start gibt es Diesel, Benziner und zwei reine Elektro-Varianten (i5). Die Plug-in-Hybriden folgen im Frühjahr 2024. Mit einer Außenlänge von 5,06 Metern hat der 5er längst das Format älterer 7er erreicht.

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BMW i5 eDrive40 / M60 xDrive 2023
BMW
Erstmals läuft der Fünfer in der neuen Baureihe G60 als Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid oder vollelektrisches Modell i5 im gleichen Karosseriekleid vom gleichen Band.

Der G60 ist ab Werk voll vernetzt, serienmäßig mit großem Curved-Display ausgestattet und nutzt als erster BMW die neueste Version 8.5 des Betriebssystem. Ebenfalls neu sind der auf Wunsch komplett vegane Innenraum. Die Preise des neuen 5er-BMW beginnen bei 57.550 Euro und damit deutlich höher als noch bei der Markteinführung des Vorgängers.

BMW 5er (G30): Die siebte Generation (2017)

Die Baureihe G30 hatte es bei der Markteinführung nicht gerade leicht. Schließlich musste sie eine der bis dahin erfolgreichsten Modellreihen von BMW überhaupt ablösen. Doch das neue Modell enttäuschte nicht – bot mehr Komfort, Platz und modernste Ausstattungsfeatures.

SPERRFRIST 27.05.20 01:00 Uhr
BMW
Das Auslaufmodell des BMW 5ers (Baureihe G30) ist 4,96 Meter lang und wurde deutlich mehr als zwei Millionen mal verkauft.

Während die breite Motoren-Palette (von 150 PS bis 635 PS) im Laufe der Bauzeit immer mehr elektrische Unterstützung bekam, kletterte der Sicherheitsstandard mit teilautonomen Fahrassistenten auf ein neues Niveau. Die Neuwagen-Preise lagen aber deutlich unter denen von heute. Im März 2017 war ein BMW 520d schon ab 45.200 Euro zu haben.

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BMW 5er (F10): Die sechste Generation (2010)

BMW stellte im November 2009 die sechste Generation des 5ers vor. Mit knapp 4,90 Metern Außenlänge entsprach sie dem zu dieser Zeit üblichen Gardemaß der Businessklasse. Vor allem beim Fahrkomfort und der Verarbeitungsqualität versprachen die Bayern einen deutlichen Fortschritt zum Vorgänger E60. Statt McPherson-Vorderachse protzte der F10 mit Doppel-Querlenkern aus Aluminium.

BMW 5er F10
BMW
Der F10 setzte durch sein optionales Luftfahrwerk einst Maßstäbe beim Federungskomfort. Das Leistungsspektrum reichte von 143 PS bis 600 PS.

Bei den Standard-Motoren war von Elektrifizierung noch keine Spur. Stattdessen zogen auch auf der Benziner-Seite immer mehr Turbo-Aggregate unter die Fronthaube. Mit dem ActiveHybrid 5 experimentierte BMW ab 2011 mit Hybrid-Technologie. Günstigstes Modell bei der Markteinführung war ein 520d. Der kostete im März 2010 gerade mal 39.950 Euro.

BMW 5er (E60): Die fünfte Generation (2003)

Gerade beim Design gab es wohl kaum eine andere 5er-Generation, die so polarisierte. Wurden alle anderen 5er eher gefällig gezeichnet, suchte Davide Arcangeli unter Leitung des damaligen BMW-Chefdesigners Chris Bangle ungewöhnliche Lösungen für die veränderten Proportionen des E60. Zudem wanderte zwischen die Vordersitze der berüchtigte iDrive-Drehdrücksteller. Den gibt es sogar in der neu vorgestellten Version G60 noch immer.

BMW 5er E60 (2003-2010)
BMW
Die von Davide Arcangeli gezeichnete Baureihe E60 brachte viele Neuerungen, die bis heute Bestand haben – darunter Head-up-Display, iDrive-Controller oder Spurhalte-Assistenten.

Unter dem Blechkleid gab es auch beim fünften 5er ab 2007 sehr unterschiedliche Motoren mit einer Leistungsspreizung von 163 PS bis 507 PS. Mehr als 500 PS in einer 4,84 Meter langen Limousine waren zu dieser Zeit ein absolutes Novum. Erreicht wurde die Leistung vom legendären Fünfliter-Hochdrehzahl-V10 (interne Kennung: S85) bei 7.750 Umdrehungen. Das potente High-Tech-Paket war im Jahr 2007 noch für 92.500 Euro zu haben. Ein BMW 520i kostete 2003 mindestens 35.100 Euro.

BMW 5er (E39): Die vierte Generation (1995)

Einen großen Schritt hin zu modernen Fahrleistungen und neuen Sicherheitsstandards machte 1995 die Baureihe E39. Diese vierte Generation des 5er wurde knapp 1,5 Millionen mal verkauft und ist noch heute häufiger als der Nachfolger auf unseren Straßen zu sehen. Die Limousine ist dabei gerade 4,77 Meter lang und wurde hauptsächlich von Sechszylinder-Motoren angetrieben. Einziger Vierzylinder war der 520d mit 136 PS, den es erst ab dem Jahr 2000 gab.

BMW E39 5er Limousine (1995)
BMW
Noch heute sind viele 5er der vierten Generation E39 im Alltagseinsatz. Das spricht für die solide Qualität – vor allem die Sechszylinder-Motoren sind standhaft.

Am anderen Ende der Antriebspalette warteten die drehfreudigen V8-Benziner auf (ab 535i). Sportliche Speerspitze war der M5, dessen Fünfliter-V8 (S62) ganze 400 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment mobilisierte. Das Design entsprang der Feder des Japaners Joji Nagashima. Die Form ist deutlich windschnittiger als die der Vorgänger und galt mit einem cW-Wert von 0,27 als prima Wert in der Klasse. Im Jahr 1995 kostete ein neuer BMW 520i übrigens mindestens 54.500 D-Mark.

BMW 5er (E34): Die dritte Generation (1988)

Selbst die Baureihe E34 ist im heutigen Alltagsverkehr noch häufiger anzutreffen, obwohl die meisten Modelle längst reif fürs Oldtimer-Kennzeichen sind. Die pragmatische Form, der robuste Innenraum und die gute Übersicht adeln die dritte 5er-Generation zum unkomplizierten Allrounder. Auch der E34 kann auf eine bis dahin unbekannt hohe Stückzahl von insgesamt 1,33 Millionen gebauten Autos zurückblicken.

BMW M5 (E34)
Uli Jooss
Einen M5 gab es auch schon in der dritten Generation E34. Dessen 3,5-Liter-Reihensechser leistete zunächst 315 PS. Ab 1992 wuchs der Hubraum auf 3,8 Liter und die Leistung auf 340 PS.

Ende der 1980er-Jahre galten die BMW gerade im Vergleich zum E-Klasse-Vorgänger W124 von Mercedes als sehr sportliche Limousinen. Den Hauptgrund dafür lieferten die drehfreudigen und kräftigen Vier-, Sechs- und Achtzylinder-Benziner. Mit dem 524td war aber auch ab Marktstart schon ein 115 PS starker Turbodiesel im Programm. Ab März 1988 kostete der mindestens 41.000 D-Mark. Günstigstes Modell war zu dieser Zeit der BMW 520i für 38.500 D-Mark.

BMW 5er (E28): Die zweite Generation (1981)

Längst als Oldtimer und Sammlerobjekt in staubfreien Garagen weggestellt, laufen einem 5er aus der zweiten Generation im Alltagsverkehr nur noch äußerst selten über den Weg. Dabei würde einem der E28 mit seinem kantigen Äußeren, der vorgezogenen Nase und den runden Doppelscheinwerfern sofort ins Auge stechen. Chefdesigner Claus Luthe zeichnete diese klassische Form – auf Basis von Vorgänger Paul Bracq.

BMW 524td 5er E28 (1983-1987)
BMW
Dieser 524td mit 115 PS war dem Diesel-Boom weit voraus und schon damals ein flotter Wagen. Die Abmessungen des E28 liegen mit 4,62 Metern nach heutigem Maßstab eher im kompakten Mittelklasse-Segment.

Schon damals stand bei der Entwicklung der Fahrkomfort im Fokus. Er verbesserte sich maßgeblich zum Vorgänger E12. Dazu waren Schaltgetriebe (fünf Gänge) und Motoren (ausschließlich Vier- und Sechszylinder) jetzt handfester und sportlicher. Mit dem 524d gab es einen Saugdiesel mit 86 PS im Programm. Ein BMW 518 mit 90 PS war im Jahr 1981 für 20.550 D-Mark zu haben. Der 528i kostete zur gleichen Zeit 10.000 D-Mark mehr – leistete aber auch 184 PS.

BMW 5er (E12): Die erste Generation (1972)

Der erste 5er war der offizielle Nachfolger der "Neuen Klasse". Die Typenbezeichnung 520 schlug dabei sogar eine Brücke zurück zum legendären "Barockengel" aus den 1950er Jahren, die die Namen 501 und 502 trugen. Das Markenzeichen der neuen 5er waren die runden Doppelscheinwerfer. Und schon damals fächerte BMW das Motoren-Portfolio für den 5er weit auf.

BMW 518 5er E12
H.-D. Seufert
Schon die erste Generation des BMW 5ers (Baureihe: E12) war ein voller Erfolg. In neun Jahren wurden rund 700.000 Modelle gebaut und verkauft.

Einstiegsmotor war ein 1,8-Liter-Vierzylinder (518) mit 90 PS. Die ersten Sechszylinder folgten schon kurz nach der Markteinführung im Jahr 1972. Legendär für BMW wurde sowohl die Motorenbaureihe M30 als auch der M 535i. Eine solche, 222 km/h schnelle Sportlimousine mit 218 PS hatte die Welt bis dahin noch nicht gesehen. Alpina verpasste dem Aggregat bei einigen der letzten Modelle noch einen Turbolader. Der B7S Turbo brachte es auf damals irrwitzige 330 PS. Vor allem hatte er ein Handrand unterm Armaturenbrett, an dem sich der Ladedruck verstellen ließ – selten hat ein so kleines Teil so viel Aufmerksamkeit erregt. Im Jahr 1973 kostete ein BMW 520 genau 14.985 D-Mark.

Die Neue Klasse: ab 1962

Offiziell nie als 5er Baureihe bezeichnet, bildet den Start der sportlichen Oberklasse-Limousine doch eigentlich die "Neue Klasse". Die führten die Bayern schon 1962 als mittlere Modellreihe zwischen dem kleinen 700er und den großen "Barockengeln" ein. Mit 4,50 Metern war die von Wilhelm Hofmeister gezeichnete Limousine eine stattliche Erscheinung. Allerdings zogen unter die Fronthaube lediglich Vierzylinder-Motoren.

BMW 1500 neue Klasse, 1961
Archiv
Die "Neue Klasse" von BMW war bei ihrer Vorstellung 1962 der eigentliche Startpunkt sportlicher Business-Limousinen. Erkennbar an der C-Säule ist der erste Hofmeister-Knick vom damaligen Chefdesigner Wilhelm Hofmeister.

Die Sechszylinder-Motoren blieben den CS-Coupés vorenthalten, die dafür eine etwas verlängerte Frontpartie erhielten. Auch für die "Neue Klasse" konnten wir Preise recherchieren. 1962 kostete ein BMW 1500 mit 75 PS 8.500 D-Mark. 2025 will BMW übrigens wieder eine "Neue Klasse" auf den Markt bringen. Die, und da schließt sich der Kreis, treiben dann ausschließlich Elektromotoren an.

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BMW 525i E34 Limousine 1988
E34 - Design von Ercole Spada und Claus Luthe
BWM 5er Limousine E39 (1995-1996)
E39 - der Aerodynamik-5er.
BMW 5er E60 (2003-2010)
E60 - aus der Zeit von Chris Bangle.

Fazit

Mit acht Generationen allein ist die Geschichte des BMW 5er und seiner eindrucksvollen Ahnenreihe nicht ganz erzählt. Eigentlich beginnt sie bei der "Neuen Klasse" aus dem Jahr 1962. Seither sind bayerische Business-Limousinen geschmackvoll zu den besten Angeboten des Segments gereift. Der neue 5er G60 tritt also in große Fußstapfen – setzt aber dank neuer Allzweck-Plattform erneut technische Akzente.