Kauftipp BMW 5er (F10/F11)
10 Gründe für den „alten“ 5er

Der BMW 5er F10/F11 kombiniert gekonnt alte BMW-Tugenden mit moderner Technik. Dabei besitzt er kaum Schwächen und macht selten Probleme. Kauftipp.

BMW 5er F10 Gebrauchtwagencheck
Foto: Sven Krieger

Wer sich leidenschaftlich als Autofreund bezeichnet, muss hin und wieder aufpassen, nicht ständig als ewig gestrig dazustehen, wenn ein neues Modell auf den Markt kommt, das nicht alles besser kann als seine Vorgänger. Wagt der Hersteller dazu noch allzu ambitionierte Design-Reformen, fällt es manchmal schwer, mit dem Fortschritt zu gehen, ohne Glanz vergangener Generationen zu preisen. Hä? Ehe wir allzu philosophisch werden, denken Sie doch mal an den BMW 5er der sechsten Generation. Hier sind 10 gute Gründe für den zeitlosen Oberklasse-Bayern.

Das große Gebrauchtwagen-Spezial

1. Zeitlosigkeit

Wer mit nostalgischen Anflügen zum Thema Autokultur nichts anfangen kann, darf diesen Punkt überspringen. Alle anderen sind herzlich eingeladen, sich kurz gedanklich bei etwas Kaffee und Gebäck an Zeiten zu erinnern, in denen die Autowelt noch so angenehm engstirnig war. BMWs – das galt ohne Ausnahme – waren in erster Linie sehnig-schlank gezeichnete Fahrzeuge, von denen keines die Brusthöhe eines Durchschnittsmenschen überragte. Ihre Motoren hießen Triebwerke und klangen auch so. Das Können dieser Wagen bestand vordergründig aus einer blitzsauberen Fahrabstimmung, die bei allem Komfort und Qualität vor allem einen lustvoll-sportiven Charakter bildete, der sich im fahrerorientierten Cockpit meist schon nach wenigen Kilometern einstellte. Mit dieser einstigen BMW-Magie gelang es, dass seinerzeit schon ein karger Vierzylinder-3er mit unlackierten Stoßfängern außerordentlich verführerisch wirkte. Schon früh transponierte BMW dieses Gefühl mit seidigen Sechszylinder-Dieseln auch auf die Langstrecken-Kundschaft. Eine schöne Welt, die sich evolutionär bis zum heutigen Tag weiterentwickelte. Zu sagen, ob von den oben genannten BMW-Reizen heute noch viel übrig ist, mag man sich als Gebraucht-Redakteur nicht anmaßen. Brief und Siegel gibt es jedoch auf die Aussage, dass die 5er-Baureihe F10 von 2010 bis 2017 all die genannten alten Werte widerspiegelt, ohne dabei nennenswert gealtert zu sein.

BMW 550d xDrive, Seitenansicht
Rossen Gargolov

Selbst im sportlichen M-Aufzug verströmt der F10 eine stilsichere Seriosität. Trotz des starken Kontrasts zur aktuellen Generation wirkt er außerdem erstaunlich zeitlos.

2. Das Gesamtpaket

Steigen wir also einmal ein in den 5er. Was bietet er? Was kann er? Nun, vordergründig bietet er zuverlässige Langstreckentransporte, die er mit hohem Komfort, gutem Platzangebot und niedrigen Verbräuchen absolviert. Als reiner Nutzgegenstand punktet er schon mal. Dazu bietet er oben genannte BMW-Tugenden, die für wirklich echte Freude am Fahren sorgen. Freilich will auch eine gebrauchte Oberklasse-Limousine sachgemäß unterhalten und gewartet werden. Das mag nicht immer günstiger erscheinen als bei neueren Vernunftautos. Doch sein hohes technisches Niveau (dazu gleich noch mehr) und die Feinheit im Detail sorgen dafür, dass der 5er wertvoll bleibt, selbst wenn er allmählich immer billiger wird. Kurz gesagt: Der 5er ist ein echtes Hochwert-Auto, welches dazu viel fürs Herz bietet und mit fairen Gebrauchtpreisen glänzt.

BMW 530d
Achim Hartmann

Viel Platz, feine Materialien, exquisite Geräuschdämmung: Ihre Mitfahrer haben es im F10 nicht schlechter als in brandneuen Reiselimousinen.

3. Die Karosserie

Der F10 (als Touring heißt er F11) punktet mit seiner Außenhülle. Zum einen ist diese nämlich erstklassig verarbeitet und noch dazu vorbildlich gegen Korrosion geschützt. Die Vorgänger E39 und E60/61 kämpfen oft gegen Rost bzw. Verarbeitungsprobleme, die z.B. für Wassereinbrüche und dergleichen sorgen. Beides ist beim F10 ein Fremdwort, der mit seinen voluminösen Maßen die Vorgänger außerdem deutlich knapper geschnitten wirken lässt – gerade im Fond. Nicht neu, aber noch immer hochaktuell: Die Mischbauweise der Karosserie aus Stahl und Alu ist leicht, steif und sorgt für besten Abrollkomfort, das gänzlich aus Alu bestehende Fahrwerk reduziert wirksam ungefederte Massen und fährt noch immer auf Augenhöhe mit der aktuellen Oberklasse. Beides gab's übrigens bereits im Vorgänger. Schmale Spaltmaße und präzises Türenschließen wirken dabei selbstverständlich, unterscheiden den "alten" 5er jedoch noch immer von mach günstigerem Neuwagen. Anders als die aktuelle Version verfügt der Kombi noch ganz BMW-typisch über eine separat zu öffnende Heckscheibe.

4. Der Innenraum

Ergonomie, Raumangebot, Verarbeitung, Bedienbarkeit: das kennen Sie alles schon aus sämtlichen BMW-Artikeln der vergangenen Jahrzehnte. Bemerkenswert werden diese Punkte (an Bord eines bis zu 14 Jahre alten Autos) jedoch heute aufs Neue. Etwa, wenn aktuelle Mitstreiter zum Beispiel weniger intuitiv zu bedienen sind, manch nützliches Funktionselement weggespart wurde, oder zurückhaltende optische Stilsicherheit durch den haufenweisen Einsatz möglichst extravaganter Linien, Zacken und Oberflächen konterkariert wird.

BMW 5er F10 Gebrauchtwagencheck
Sven Krieger

Das Foto aus unserer großen Gebraucht-Kaufberatung zeigt, dass der 5er auch nach Jahren noch frisch wirkt - gilt übrigens auch für die gut bedienbare Infotainment-Landschaft. Und: es ginge noch viel mehr. Leder und Sportlenkrad z.B. besitzen überraschend viele 5er.

Das Cockpit des F10 ist erstklassig zu bedienen, fein verarbeitet, bietet handschmeichelnde Materialien und wirkt überdies kaum angestaubt. Im Gegenteil: Durch den serienmäßigen Bordmonitor-Einbauplatz lässt sich auch bei einem frühen Exemplar mit kleinem Display modernste Infotainmenttechnik nachrüsten, sofern dies gewünscht ist. Zur ganz normalen Nutzung von Radio, Navi und Co. ist das dank idiotensicherem iDrive freilich nicht zwingend notwendig. Spätere Exemplare bieten einen großen Breitbildschirm, einen Controller mit Handschrifterkennung. Die heute für viele lebenswichtige Smartphone-Spiegelung in Form von Apple Carplay und Android Auto muss jedoch leider stets nachgerüstet werden.

5. Die Antriebe

Poliert die Fanfaren, singet im Chor und preiset den Sechszylinder. Auch ohne Übertreibung: Gerade die Sechszylinder-Varianten des F10 sind noch nach heutigem Maßstab derart talentiert, dass sie andere Antriebe beinahe deklassieren. Die Art und Weise, auf die die Sechszylinder unabhängig von ihrer leistungsmäßigen Ausbaustufe mit rauchigem Klang ihre Kraft sehnig und elastisch in die Kurbelwelle pressen, ist einmalig. Untermalt wird das Ganze mit rauchigem Sound, der schon im Leerlauf ungeheuer wertig klingt. Auch die bärenstarken Achtzylinder-Benziner laufen famos, doch sind sie nicht gerade für ihre problemlose Haltbarkeit berühmt. Vierzylinder (das gilt sowohl für Benziner als auch für die Diesel) sind vor Mitte 2013 aufgrund heftiger Steuerkettenprobleme berüchtigt (wobei sich die Problemhäufigkeit der Diesel schon ab 07/2011 drastisch reduziert). Spätere Exemplare funktionieren dagegen einwandfrei, sowohl in der Kraftabgabe, wie auch in der Haltbarkeit.

BMW 535d, motor
Karl-Heinz Augustin

Länge läuft. Über sechs in Reihe angeordnete Zylinder legt sich wie hier im 530d ein wohliges Klangbild wie eine warme Decke.

6. Der Spritverbrauch

Im Prinzip geht die Antriebs-Ode gleich weiter. Die Vierzylinder-Diesel lassen sich mit etwas Langmut mit weniger als fünf Liter 100 Kilometer bewegen. Wer grundsätzlich sparsam fährt, zahlt im Schnitt nur rund einen Liter Mehrverbrauch als Tribut, wenn er sich für einen Sechszylinder (also 530d aufwärts) entscheidet. Das sind erstaunlich gute Werte, die letztlich auch für erträgliche Steuersätze sorgen, wenn wie in manchen Versionen nur die Abgasnorm Euro 5 erreicht wird. Euro 6 war schon früh gegen Aufpreis für den 530d erhältlich. In ähnlich gutem Vergleichsumfeld arbeiten auch die Benziner.

7. Das Automatikgetriebe

Maßgeblichen Anteil am genannt günstigen Verbrauch hat die fast immer verbaute Achtstufenautomatik von ZF. Obwohl der 5er mit bis zu 306 PS (Benziner) bzw. 245 PS (Diesel) noch als energisch zu fahrender Handschalter zu haben war, besitzen die meisten den Wandlerautomaten, selbst wenn im Bug nur ein bescheidenerer Vierzylinder sitzt. Bis heute in Verwendung glänzt das sogenannte 8HP-Getriebe in unterschiedlichsten Autos mit einwandfreiem Fahrkomfort, blitzschnellem Schaltverhalten und treffsicherer Software. Außerdem ist das Aggregat mittlerweile erwiesenermaßen äußerst haltbar. Dazu sollte jedoch spätestens im 100.000-Kilometer-Turnus Wert auf einen Getriebeölwechsel mit Spülung gelegt werden.

BMW 530d
Achim Hartmann

Fast alle 5er-Mittelkonsolen ziert der elektronische Wählhebel der vorzüglichen Achtstufenautomatik.

8. Die moderne Technik

Wer sich für A6, 5er, E-Klasse und Co. entscheidet und außerdem unsere Hochwert-Lobhudelei bis hierhin gelesen hat, versteht, dass zum Oberklassewagen auch ein gewisses technisches Niveau gehört – nicht nur eine üppig bemessene Karosserie. Je moderner die Kriterien sind, die dem Käufer am Herzen liegen, desto umfangreicher muss das Technikangebot sein, das ein Auto mitbringt. Hier enttäuscht der 5er nicht. Je nach Großzügigkeit des Erstbesitzers sind Head-up-Display, Verkehrszeichenerkennung, Nachtsicht, Rundumkameras, Xenon- bzw. adaptives LED-Licht an Bord, dazu aktive Fahrassistenz, ein Adaptivfahrwerk und sogar eine Hinterachslenkung an Bord. Was man da noch mehr will, sollte wahrlich wohlüberlegt sein.

9. Die Haltbarkeit

Nobody is perfect. Das gilt auch für den 5er, und deswegen gibt's wie immer am Ende auch noch ein kleines Mängelkapitel. Aber: wenn die wenigen kritischen Antriebe (siehe Punkt 5) ausgeklammert werden, kennt der F10 keine ernsthafte Achillesferse. Keine unterdimensionierte Steuerkette mehr, die irgendwann den Geist aufgibt, keine Ölundichtigkeiten im untersten Motorraum-Nirvana, kein übermäßig kompaktes Packaging, das Wartungsarbeiten erschwert, kein anfälliges Doppelkupplungsgetriebe. Wenn die entsprechende Wartung beibehalten wird, steht einem Leben als Kilometer-Methusalem nichts Grundlegendes im Wege. Nicht umsonst ziert ein F11 das Aufmacherfoto von unserem Artikel über potenzielle Kilometerkönige.

10. Die Preise

Im Netz findet sich eine große Menge an F10/F11 5ern. Rund 3.000 Stück im gut kaufbaren Rahmen bis 200.000 Kilometer finden sich in Deutschland. Die günstigsten seriösen Exemplare beginnen zwischen 9.500 und 10.000 Euro, während unter 15.000 Euro bereits richtige Sahneschnitten aus gutem Vorbesitz erhältlich sind. Preziosen mit sehr geringer Laufleistung und toller Ausstattung müssen die 25.000-Euro-Marke nicht überschreiten (tun dies auch selten). Wie eigentlich immer zählen seriöser Vorbesitz und ein vernünftiges Inserat am meisten. Wie bei vielen Hochwert-Autos mit langer Lebensdauer finden sich beim 5er sehr viele Angebote, die schon auf Anhieb einen zwielichtigen Eindruck machen. Für angemessene Preise findet sich übrigens auch der nicht minder empfehlenswerte Nachfolger G30, der einen Blick wert ist.

Mängel: Und was ist schlecht?

Mit der aufwendigen Machart des 5ers gehen kleinere Nickeligkeiten einher, die ihn im Unterhalt hier und da teurer machen als die Konkurrenz oder gar konstruktiv simplere Alternativen. Das feingliedrige Fahrwerk besitzt eine ganze Reihe von Gummibuchsen, die naturgemäß verschleißen und früher oder später mal ersetzt werden müssen. Nichts davon führt zum finanziellen Eklat, doch sollten die Maßnahmen nach Möglichkeit von fachkundiger Hand ausgeführt werden, um die Fahreigenschaften nicht negativ zu beeinflussen. Wie sein Nachfolger G30 reagiert der F10 mitunter empfindlich auf Fahrwerksverschleiß und tut seinen Unmut durch spürbare Vibrationen zum Teil bis ins Lenkrad weiter. Nicht ohne Grund verwenden BMW-Werkstätten besonders feine Reifenwuchtmaschinen, um Problemen in diesem Zusammenhang entgegenzuwirken. Die im Touring serienmäßige Luftfederung an der Hinterachse bleibt selten bis ins hohe Alter komplett dicht, ohne dass Leitungen oder Federbälge getauscht werden müssen. Auch das kostet Geld, ist allerdings dank immer besserer Zuliefererteile für den Austausch oft günstiger, als man denkt. Und sonst? Nun, wenn die Laufleistung großzügig im sechsstelligen Bereich angekommen ist, findet sich nicht selten ein durchgewetzter Startknopf oder ein glattpoliertes Lederlenkrad – Kleinkram, der sich günstig ersetzen bzw. aufbereiten lässt.

Und sonst? Auch mit hohen Laufleistungen bereitet der 5er kaum chronische Probleme. Fairerweise muss allerdings der seit 2018 akute Rückruf zum AGR-Kühler erwähnt werden, der bei Nichteinhalten mit akuter Brandgefahr einhergeht. Hier dürften jedoch mittlerweile alle Exemplare nachgebessert worden sein.

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Fazit

Fahren Sie 5er. Das macht Freude. Seine gute Qualität sorgt für die nötige Sorglosigkeit auf lange Sicht, seine vielen modernen Fähigkeiten geben ein wohliges Gefühl, während sie über neuzeitliche Versionen nachdenken. Sollte Ihnen Generation sechs doch zu alt sein, werfen Sie einen Blick auf den Nachfolger G30. Auch der bietet viele der guten alten Tugenden.