BMW 750iL V16 Goldfisch
Plante BMW einen 9er mit 16-Zylinder?

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Der BMW 750iL V16 Goldfisch stand lange in einer Garage unter einem BMW-Gebäude. Zur Techno Classica durfte der geheime Prototyp raus – es ist der erste öffentliche Auftritt für den XXL-7er.

Ende der 1980er-Jahre dachte BMW über ein Auto oberhalb des 7er nach. Der 1987 vorgestellte E32 war ein Erfolg und mit dem 12-Zylinder im 750i hatte BMW Mercedes unter Zugzwang gesetzt. Die Motorenentwickler unter Leitung von Karlheinz Lange hatten mit dem vom M20-Sechszylinder abgeleiteten M70-Zwölfzylinder gezeigt, was mit der neuen Motorenbaureihe möglich war. Intern und unter großer Geheimhaltung steckten die Entwickler mit einem Dreizylinder und einem 16-Zylinder die obere und untere Grenze des Baukastens ab.

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Projekt Goldfisch: 16-Zylinder im 7er

Dabei beschränkten sich die Entwickler nicht nur auf die Theorie: Motorenentwickler Adolf Fischer bekam den Auftrag, einen 16-Zylindermotor zu bauen. Ende 1987 war der erste Motor fertig, Anfang 1988 lief der "Goldfisch" auf dem Prüfstand. Nachdem der Motor in einen 7er der Baureihe E32 eingebaut worden war, fanden im Mai 1988 erste Testfahrten statt. In das Auto passte der um vier Zylinder verlängerte Motor nur, weil die Kühler ins Heck verlegt worden waren. Kiemen in den Seitenteilen leiteten Frischluft an die Wasserkühler, die zusätzlich mit elektrischen Lüftern versehen waren.

Den Prototyp mit dem Namen "Goldfisch" hatte BMW 2017 auf der Techno Classica gezeigt. Dass ein zweiter Goldfisch existiert, war in der Öffentlichkeit lange unbekannt. Ein Prototyp mit diesem Namen stand lange in einer Garage unterhalb eines Bürogebäudes von BMW. Der Autohersteller hatte 1990 bei einem italienischen Karosseriebauer, der inzwischen nicht mehr existiert, eine Aluminium-Karosserie für eine Art XXL-7er in Auftrag gegeben: 5,45 Meter lang und 1,90 Meter breit sowie 1,50 Meter hoch überragt die Limousine selbst die Langversion des 1994 präsentierten E38 in jeder Richtung um einige Zentimeter. Gestaltet hat die Karosserie Boyke Boyer. Dass einige Elemente an den E38 erinnern, ist kein Zufall, denn von Boyer stammt das Design des E32-Nachfolgers.

6,6 Liter Hubraum und 348 PS

Die wuchtige Wurzelholz-Armaturentafel erinnert eher an Modelle von Jaguar oder Rolls-Royce als an zeitgenössische BMW-Modelle. Lenkrad und Schalter stammen hingegen eindeutig aus dem E32. Der Motor hat, genau wie der M70-12-Zylinder, 84 mm Bohrung und 77 mm Hub. Das ergibt 6,6 Liter Hubraum. Anders als beim ersten Goldfisch, dessen Motor 408 PS leistet und der mit einem Schaltgetriebe kombiniert ist, verwaltet hier eine Fünfstufen-Automatik 348 PS. Die Tachoskala reicht bis 280 km/h, bei 250 km/h ist die abgeregelte Höchstgeschwindigkeit erreicht.

Der Vorstand hat den Prototyp ein Mal in Nardo erprobt. Nach 105 Kilometern verschwand das Einzelexemplar in der Garage. In Serie ging der XXL-7er nie.

Fazit

Nach der Diskussion, die Mercedes mit der in alle Richtungen gewachsenen S-Klasse W 140 vor allem in Deutschland ausgelöst hatte, war es eine gute Idee von BMW, den XXL-7er nicht in Serie zu bringen.

Spätestens nach der Übernahme von Rolls-Royce zehn Jahre später dürfte sich die Diskussion um einen BMW 9er ohnehin erledigt haben. Mehr Leistung brachte später Turboaufladung – ohne den Platzbedarf und das Mehrgewicht eines 16-Zylinders. Denn der wiegt 50 kg mehr als der 12-Zylinder, von dem er abstammt. Faszinierend ist das Projekt trotzdem – und es zeigt, dass die Überlegungen damals konkret genug waren, einen Prototyp zu bauen, der seriennah wirkt.