Maserati A6 GCS/53 Fiandri Spyder (1954)
Rennwagen für 3,4 Millionen Euro versteigert

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Dieser Maserati überlebte mehrere Jahrzehnte und Rennen weitgehend ohne Unfall, stand zwischendurch sogar ein paar Jahre in einer Kokosnuss-Plantage. Der jetzige Verkäufer besaß das Auto zweimal.

Maserati A6 GCS/53 Fiandri Spyder (1954)
Foto: Artcurial

Den größten Erfolg hatte der Maserati A6 GCS/53 Fiandri Spyder im Jahr der Auslieferung: Bei der Tour de France Automobile 1954 fuhr der Privatrennfahrer Jean Estager damit als Sechster der Gesamtwertung durchs Ziel und wurde Klassensieger. Dabei war das Auto im Mai desselben Jahres, als Estager seinen Mechaniker mit einem Lastwagen und einem Scheck über drei Millionen französische Francs nach Modena geschickt hatte, noch nicht einmal komplett montiert – obwohl das Werk gemeint hatte, das Auto sei fertig.

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Estager reagierte pragmatisch und bat seinen Mechaniker, bei den ausstehenden Arbeiten zu helfen und sich dabei mit dem Auto vertraut zu machen. Schlussendlich bekam Estager seinen Maserati mit der Chassisnummer 2071 und setzte das blau lackierte Auto bei diversen Rennen ein. Mal saß er selbst am Steuer, mal Maurice Michy. Den größten Erfolg mit seinem A6 GCS hatte Estager bei der am 12. September 1954 gestarteten Tour de France Automobile, die er mit seinem Mechaniker Jean Proto fuhr. Während des 5.000 Kilometer langen Rennens traten diverse mechanische Probleme auf, die Proto alle lösen konnte. Am Ende kam das Trio mit dem Dreizack auf den sechsten Platz und gewann die Klasse.

Erfolgreich Rennen gefahren

Im darauffolgenden Jahr kam #2071 zurück ins Werk, wurde überholt, bekam Kopfstützen, eine längere Front und eine neue Lackierung. Maserati verkaufte das Auto anschließend an Amelio Garavaglia aus Mailand. Der stand kräftig auf dem Gas, setzte das Auto fünf Tage nach der Zulassung beim Bergrennen Mendola ein und wurde dort Fünfter von 107 Startern. Garavaglia behielt das Auto ebenfalls nicht viel länger als eine Saison und gab es 1956 an einen anderen Mailänder Fahrer weiter. Ambrogio Arosio meldete den Maserati für die Mille Miglia 1956, musste jedoch recht früh aufgeben. Später sollte zumindest das Auto noch einmal zu dem 1.000-Meilen-Rennen nach Norditalien zurückkehren.

Während eines Intermezzos in Venezuela bekam der Spider Scheinwerferabdeckungen und die weiße Lackierung mit roten Streifen, die er auch heute wieder trägt. Sportlich war der Aufenthalt in Südamerika wenig bemerkenswert.

Ein paar Jahre in einer Kokosnuss-Plantage gestanden

Im Jahr 1961 erwarb ein Kalifornier das Auto und stellte es in eine Kokosnuss-Plantage bei La Jolla. Von dort kam es 1977 auf einem Trailer in unrestauriertem Zustand nach Laguna Seca und zum nächsten Besitzer, dem Maserati-Experten und Buchautor Richard Crump. Der ließ das Auto in England restaurieren und verkaufte es an einen deutschen Sammler, der mit Stirling Moss und dem Maserati 1986 die Mille Miglia fuhr – 30 Jahre nach dem ersten Einsatz des Autos bei der Originalausgabe jenes Rennens, für das Stirling Moss bis heute die Bestzeit hält. Der Brite fuhr 1955 mit einem 300 SLR die 1.600 Kilometer in 10:07:48 Stunden und gewann damit vor Juan-Manuel Fangio, der ebenfalls in einem 300 SLR fuhr und für die Strecke keine 32 Minuten länger brauchte.

Die Zeit des Maserati bei der historischen Ausgabe von 1986 ist nicht überliefert. Die weitere Geschichte führte den Maserati 1992 zu einem Sammler nach Boston, der mit #2071 zwischen 1993 und 2014 mehrmals die Mille Miglia fuhr. Anschließend verkaufte er das Auto wieder – zurück an den deutschen Sammler, der das Auto schon einmal besessen hatte. Nun hat sich dieser Sammler zum zweiten Mal von seinem Maserati getrennt. Das französische Auktionshaus Artcurial erlöste inklusive Aufgeld 3,4 Millionen Euro.

Das ist der A6 GCS/53

Die Maserati-Brüder Ernesto, Ettore und Bindo entwickelten zusammen mit dem Ingenieur Alberto Massimino 1947 einen 1,5-Liter-Reihensechszylinder mit obenliegender Nockenwelle. Dieser Tipo A6 (A für Alfieri, 6 für die Zylinder) diente in den Folgejahren als Basis für weitere Motoren. Das G steht für den Gusseisenblock, das CS für Corsa Sport. Im Spyder hat der Motor zwei Liter Hubraum, drei Doppelvergaser und Doppelzündung. Er leistet bei 7.300 U/min 170 PS. Mit der A6 GCS/53 Barchetta war Maserati sowohl bei Bergrennen als auch bei Langstreckenrennen wie der Mille Miglia und der Targa Florio erfolgreich. Vier Fahrgestelle wurden 1954 mit einer Berlinetta-Karosserie von Pinin Farina versehen.

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Fazit

Artcurial hat Anfang Juli einen Maserati A6 GCS/53 versteigert, der trotz bemerkenswerter Rennhistorie die Zeitläufte ohne ernsthaften Unfall überstanden hat. Der Spyder mit 170 PS starkem Zweiliter-Sechszylindermotor brachte inklusive Aufgeld 3,4 Millionen Euro ein.