Mercedes-Benz 600 (W 100) der Beatles
Der Mercedes von John Lennon und George Harrison

Inhalt von

Baby, you can drive my car: John Lennon fuhr einen Mercedes 600, den er später an George Harrison verkaufte. Jetzt ist der Pullman wieder zu haben.

John Lennon
Foto: Mirrorpix via Getty Images

Der Mercedes 600 war bei seiner Premiere während der IAA im September 1963 ein Hightech-Auto mit dem Luxus eines Rolls-Royce und den Fahrleistungen eines Sportwagens. Ein eigens entwickelter V8-Motor mit 6,3 Liter Hubraum und 250 PS treibt den Dreitonner auf 205 km/h. Eine komplexe Hydraulik bewegt Sitze, Fenster und Schiebedach mit einem Druck von 150 bar schnell und lautlos. Auf Knopfdruck schnappt der Kofferraumdeckel auf.

Gewaltige 5,54 Meter misst die Karosserie der Kurzversion. Der Pullman sprengt mit 3,9 Meter Radstand und 6,24 Meter Länge die Maße gewöhnlicher Parkplätze. Nur 2.723 W100 hat Mercedes bis 1981 gebaut – vorwiegend in Handarbeit. Die meisten gingen an Staatsoberhäupter wie Kaiser Hirohito von Japan, Unternehmer wie Max Grundig oder Stars wie George Harrison und John Lennon.

Unsere Highlights

John Lennons 600er Pullman

Wie die meisten Mercedes 600 Pullman war auch Lennons Auto mit einigen besonderen Extras ausgestattet. Der Sänger, Gitarrist und Komponist der Beatles hatte ein Blaupunkt-Radio, einen Pioneer-Kasettenrekorder und einen Philips-Mignon-Plattenspieler einbauen lassen. Lackiert ist Lennons 600 in DB 050 Weiß, die Sitze sind mit schwarzem Velours bezogen.

Lennon hatte den Wagen mit der Chassisnummer 001580 neu bestellt, aber nicht lange behalten; Nachdem er 1971 mit Yoko Ono nach New York gezogen war, verkaufte er den Pullman an seinen ehemaligen Bandkollegen George Harrison. Später besaß Mary Wilson von den Supremes den Wagen und nutzt ihn während Tourneen in Großbritannien sowie den USA. Sie behielt ihn fast 15 Jahre lang. In den 1990er-Jahren war Lennons ehemaliger Pullman bei Mercedes-Benz in der Restaurierung. Anschließend war das Auto sechs Monate im Mercedes-Benz-Museum in Stuttgart ausgestellt. Aktuell steht der 600 in Großbritannien beim Spezialisten Tom Hartley Jr. zum Verkauf. Zum Preis macht der Händler keine Angaben. Allerdings kosten 600er auch in der Pullman-Version trotz ihrer Seltenheit selten mehr als eine halbe Million Euro. George Harrisons Auto wurde 2021 für erstaunlich wenig Geld verkauft.

George Harrisons Mercedes 600

28.07.2021 - Der Beatles-Gitarrist George Harrison hatte einen weißen 600 von 1967 mit kurzem Radstand besessen. Mercedes-Benz Großbritannien hatte das Auto zuvor als Vorführwagen genutzt. Dass Harrison den Wagen fuhr, belegen zeitgenössische Aufnahmen, auf denen Harrison und das Auto mit dem Kennzeichen "OLA 600E" zu sehen sind. Den weißen Pullman seines Bandkollegen John Lennon kaufte Harrison Anfang der 70er-Jahre, als dieser in die USA ging.

Wartung für 52.000 Euro

Der spätere Besitzer des kurzen Harrison-600, Sukhpal Singh Ahluwalia, ein britischer Unternehmer und Gründer sowie ehemaliger Chef des Autoteilehändlers Euro Car Parts, hat zuletzt viel Geld in das Auto gesteckt: Der Spezialist John Hynes in West Sussex überholte die Hydraulik, erneuerte Dichtungen, überholte einen Bremssattel und montierte neue Reifen. Insgesamt stehen 45.000 Pfund, umgerechnet 52.000 Euro, auf der Rechnung.

Schon vor längerer Zeit wurde die Karosserie neu lackiert. Die Chromteile sind frisch überholt, das Interieur nach Angaben des Auktionshauses noch original. Seit der letzten technischen Untersuchung der britischen MOT im Juli 2019, hat der große Mercedes etwa 500 Meilen zurückgelegt. Aktuell steht der Zähler bei 99.822 Meilen, also knapp 160.000 Kilometern. Sukhpal Singh Ahluwalia möchte sich von dem 600 trennen, weil er nach Indien übersiedelt. Die Auktion endete mit einem Höchstgebot von 145.000 britischen Pfund, umgerechnet 170.000 Euro.

Umfrage
Würden Sie einen höheren Preis bezahlen, weil es einen prominenten Vorbesitzer gab?
87679 Mal abgestimmt
Na klar. Die Historie eines Autos ist besonders wichtig und alles Andere nebensächlich.Niemals. Allein der technische und optische Zustand sowie die Ausstattung zählen.

Fazit

Prominente Besitzer sind bei diesen Autos eher die Regel als die Ausnahme und verglichen mit der technischen Komplexität sowie den Rechnungen, die bei korrekter Wartung entstehen können, ist der Marktwert dieses Modells verblüffend niedrig: Auf rund 150.000 Euro taxiert Classic-Analytics den Wert eines kurzen 600 von 1967.

Der Wert eines Pullman liegt zwischen rund 270.000 und 370.000 Euro. Prominenter Vorbesitz ist hier eher die Regel als die Ausnahme. Dennoch könnte der Lennon-600 mit gleich zwei weiteren prominenten Nutzern einen höheren Preis erzielen.

Die aktuelle Ausgabe
Motor Klassik 05 / 2024
Motor Klassik 05 / 2024

Erscheinungsdatum 11.04.2024

148 Seiten