NSU Uruguay
Kennen Sie diesen Audi-Kombi?

In der Sammlung von Audi Tradition versteckt sich ein geheimnisvoller Kombi, den es nur ein mal in Deutschland gibt. Das verbirgt sich hinter dem hässlichen Entlein, das die Ingolstädter intern nur "Uruguay" nennen.

NSU Uruguay
Foto: Audi

Im Vergleich zu BMW, Mercedes oder Porsche bleiben NSU-Modelle aus den 1960er Jahren echte Exoten in der Oldtimer-Szene. Man kennt die kleinen Prinz-Limousinen mit Heckmotor oder die Wankelmotor-Legende Ro 80 (siehe Bildergalerie). Einen P6 oder P10 dürfte hierzulande aber kaum jemand auf dem Schirm haben. Kein Wunder, dieses Auto wurde nämlich gar nicht in der Neckarsulmer Fabrik gebaut.

Stattdessen entwickelte die Firma Quintanar aus Montevideo 1968 einen Kombi auf Basis des NSU Prinz 4. Quintanar ist bis dahin vor allem für den Import und Vertrieb von NSU-Modellen in Uruguay zuständig. Doch der selbstgebaute Kombi mit der einfachen, kantigen Form verkauft sich ebenso gut. Innerhalb eines Jahres setzen die Quintanar-Schrauber 140 Stück davon zusammen – allesamt mit dem 0,6-Liter-Zweizylinder-Motor aus dem NSU Prinz. So pragmatisch wie die Karosserie wählen die Uruguayer auch den Modellnamen aus: P6.

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P10 mit luftgekühltem Vierzylinder

Doch bald wollen Importeur und Kunden mehr – vor allem einen größeren Motor für ihren Kombi, denn der 30-PS-Benziner ist zu schwach. Um zu klären, ob auch der NSU-Vierzylinder unter die Motorhaube passt, trifft man sich im Mai 1969 im Werk Neckarsulm. Für diese Besprechung wird zuvor eine Musterkarosserie per Luftfracht nach Neckarsulm geschickt, mit der die NSU-Entwickler einen Prototyp aufbauen.

Schnell wird klar, dass der Einliter-Vierzylinder aus dem NSU Prinz 1000 nicht ohne größere Umbauten unter die vordere Haube passt – ins Heck allerdings schon. Dass dabei der Nutzwert des Kombis leidet, ist den Verantwortlichen bei Quintanar egal. Die NSU-Abteilung für Technische Entwicklung bewertet den Kombi, abgesehen von einigen "leicht zu behebenden Beanstandungen", insgesamt positiv und gibt grünes Licht.

500 Kombis laufen vom Band in Südamerika

In den folgenden zwei Jahren laufen 500 Exemplare des NSU-Kombis als Modellvarianten P6 oder P10 vom Band in Südamerika. 1971 zieht sich NSU unter Audi-Regie aus dem Markt Uruguay zurück, damit ist auch das Ende des kleinen Kombis aus Montevideo besiegelt.

Heute versteckt sich jener Prototyp des NSU P10 als mysteriöser Kombi in der historischen Fahrzeugsammlung der AUDI AG. Er ist der erste und wohl auch einzige seiner Art, der je auf Deutschlands Straßen gefahren ist.

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Fazit

Der Prototyp des NSU P10 "Uruguay" ist eines der außergewöhnlichsten, kantigsten und markantesten Exemplare der historischen Fahrzeugsammlung der AUDI AG. Seine Geschichte beginnt 1968 als einfacher Kombi-Umbau eines NSU Prinz in Montevideo/Uruguay. Sie endet 1971 nach 500 Exemplaren mit dem NSU-Rückzug aus Südamerika.