Tucker ’48 Cabrio zu verkaufen
Ist dieses Auto 2,4 Millionen Dollar wert?

Dieses Tucker '48 Cabrio ist ein Einzelstück mit hochinteressanter Geschichte und wurde innerhalb von vier Jahren mehrmals angeboten – zu jeweils absurd anmutenden Preisen. Es gibt jedoch Ungereimtheiten.

Tucker ’48 Cabrio
Foto: Accelerate Auto Group

Diese Geschichte beginnt mit einem Zeitsprung ins Frühjahr 2020. Damals tauchte dieses Tucker '48 Cabrio erstmals auf der Auktions-Website Ebay auf. Der Anbieter namens Accelerate Auto Group versah den amerikanischen Oldtimer mit einer absurd anmutenden Kaufsumme: 2.175.000 Dollar (aktuell umgerechnet gut 2,0 Millionen Euro) wollte der Autohändler aus dem texanischen Rowlett damals für den Tucker haben. Das war ein extrem hoher Tarif für ein auf Ebay angebotenes Auto. Fahrzeuge von einem solch hohen Wert werden normalerweise auf anderen Plattformen, bei Versteigerungen seriöser Auktionshäuser oder diskret per Direktverkauf gehandelt.

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Im April 2020 hieß es, das Tucker '48 Cabrio sei für den aufgerufenen Preis verkauft worden. Doch 18 Monate später tauchte es erneut bei Ebay auf, wieder angeboten von der Accelerate Auto Group. Nun wollten die Texaner sogar rund 2,4 Millionen Dollar (ungefähr 2,2 Millionen Euro) dafür sehen. Abermals fand sich offenbar kein Käufer für den blauen Klassiker mit beigem Cabriodach. Der Händler lässt sich allerdings nicht entmutigen: Die Accelerate Auto Group listet das Tucker '48 Cabrio erneut als Angebot auf seiner Website; bei Ebay war es bis vor Kurzem ebenfalls wieder erhältlich. Beim Preis zeigen sich die Amerikaner weiterhin hartleibig: Exakt 2,375 Millionen Dollar rufen sie aktuell für den Tucker auf.

Mehrere Wertsteigerungs-Faktoren

Den hohen Wert sieht der Händler offenbar durch mehrere Faktoren gerechtfertigt. Der aus seiner Sicht wichtigste: Es handelt sich hier um das weltweit einzige Tucker '48 Cabrio. Obendrein werden die wenigen Autos der legendären, aber schnell verglühten US-Marke längst für siebenstellige Summen gehandelt. Für eine Tucker '48 Limousine zahlten Fans in den letzten Jahren circa zwei Millionen Dollar (aktuell umgerechnet circa 1,88 Millionen Euro). Der Verkäufer geht zudem davon aus, dass dies das letzte Auto sein könnte, das noch zu einem großen Teil aus Tucker-Originalteilen entstand. Außerdem weisen die Texaner darauf hin, dass jeweils das erste und das letzte gebaute Auto aus einer Produktion bei Sammlern besonders begehrt ist.

Hinzu kommt die hochinteressante Geschichte des Einzelstücks und der Firma, die es baute. Der von 1947 bis 1948 von der Tucker Corporation produzierte Tucker '48 gehörte zu den fortschrittlichsten Autos seiner Zeit. Er hatte eine Windschutzscheibe, die bei einem Unfall nach außen fiel, diagonal verlaufende Zweipunkt-Sicherheitsgurte, einen Aufprallschutz auf Lenkrad und Armaturenbrett, einen mittigen mitlenkenden Frontscheinwerfer und Scheibenbremsen für die Vorderachse. Im Heck saß ein Sechszylinder-Boxermotor mit 5,5 Litern Hubraum, der 167 PS leistete. Dies reichte für eine Beschleunigung von null auf 96,6 km/h (60 Meilen pro Stunde) in sieben Sekunden. Damit die Kunden bei einer Reparatur nicht tagelang auf ihr Auto warten mussten, ließ sich der Antriebsstrang innerhalb von 15 Minuten austauschen.

Erst 2010 fertiggestellt

Tucker baute in seiner Fabrik 58 Rahmen und Karosserien für den Tucker '48. Bis zur Schließung des Werks wegen Insolvenz entstanden 36 Limousinen und ein nicht fertiggestelltes Cabrio als Prototyp. Nach der Werkschließung bauten Facharbeiter aus den vorhandenen Teilen 15 weitere Tucker '48; noch heute sind 47 in einem ausgezeichneten Zustand erhalten. Das Cabrio stellten Spezialisten erst 2010 fertig, was die geringe Laufleistung von zehn Meilen (umgerechnet 16 Kilometer), den Neuwagen-Look und die Tatsache erklärt, dass es nur einen Vorbesitzer gab, bevor die Accelerate Auto Group das Tucker '48 Cabrio in ihr Portfolio aufnahm.

Das Cabrio ist der Tucker '48 mit der Nummer 57, sein Chassis trägt die Nummer 1057. Einige Experten vermuten, dass Firmengründer Preston Tucker und die ihn seinerzeit unterstützenden Ingenieure von Lenki Engineering versuchten, auf diesem Chassis ein Cabrio aufzubauen. Erst entstand eine klassische Limousine, der die Ingenieure das Dach absägten. Als dann das Chassis durchhing, nahmen sie das Auto komplett auseinander und verstärkten den Rahmen mit ovalen Stahlträgern. Dann verlängerten sie die Türen – schließlich hat das Cabrio nur zwei Türen und die Basis-Limousine ist viertürig. Daraufhin kürzten sie den Frontscheibenrahmen und passten das von GM zugelieferte Cabrioverdeck an. Doch bevor das Auto fertiggestellt werden konnte, musste Tucker sein Werk schließen.

Rettung des Prototyps

Als die Nachricht vom Aus der Tucker Corporation kam, brachten die Ingenieure den Cabrio-Prototyp in die Zentrale von Lenki Engineering. Dort lagerte das unfertige Auto jahrelang unbeachtet unter einer Decke. Ein Lenki-Angestellter durfte den Prototyp kurz vor seiner Pensionierung kaufen – er wollte ihn fertigstellen. Dies gelang aber weder ihm noch demjenigen, an den er den Tucker verkaufte. Schließlich kaufte Benchmark Classics aus Madison im US-Bundesstaat Wisconsin das Cabrio und vollendete im Jahr 2010 das Projekt.

Angesichts der mehrfachen Verkaufsversuche bleibt jedoch der Eindruck, dass Tucker-Sammler mit dem Auto fremdeln. Möglicherweise weist ihnen die Historie des Cabrios zu viele Ungereimtheiten auf, als dass sie bereit wären, derart viel Geld für das Einzelstück zu bezahlen.

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Fazit

Die Marke Tucker hat beinahe einen magischen Klang, schließlich baute Preston Tucker aus dem Stand Autos, mit denen die Fahrzeuge der Konkurrenten GM, Ford und Chrysler bei Weitem nicht mithalten konnten. Viele Amerikaner gehen davon aus, dass die großen Drei, wie die dominierenden amerikanischen Autohersteller umgangssprachlich heißen, Tucker nach Kräften in seinem Wirken behinderten und so zum Untergang der Marke maßgeblich beitrugen. Diese Version stützt auch ein vielfach prämierter Hollywood-Film aus dem Jahr 1988, in dem Superstar Jeff Bridges den ambitionierten Autokonstrukteur verkörperte.

Das nun erneut angebotene Cabrio ist wegen seiner Einzigartigkeit genauso faszinierend wie die noch im Tucker-Werk gebauten Limousinen. Außerdem ziehen Sammler, wenn vorhanden, Cabrio- und Coupé-Varianten den klassischen Limousinen-Modellen vor. Dennoch muss die offene Version noch beweisen, dass sie ihre Limousinen-Geschwister preislich überflügeln kann.