Ferrari 458 Italia für Tschechiens Polizei
Früher Gangstermobil, jetzt Polizeiauto

Tschechiens Polizei fährt jetzt Ferrari: Neuerdings gehört ein 458 Italia zum Fuhrpark der Behörde. Der Sportwagen wurde zuvor beschlagnahmt.

07/2022, Ferrari 458 Italia Polizeiauto in Tschechien
Foto: Police Presidium of the Czech Republic

Sportwagen im Dienst der Polizei – das gibt es gar nicht so selten. Auch wir berichten immer wieder über die schnellen Neuzugänge in den Fuhrparks der internationalen Strafverfolgungsbehörden – sei es in Dubai, Frankreich, Australien oder irgendwo sonst in der Welt. Aber ein Ferrari im Polizei-Outfit, das ist dann doch etwas Besonderes. Erst recht, wenn er von der tschechischen Polizei eingesetzt wird, die sich bisher sehr bescheiden gab und vorrangig auf die braven einheimischen Produkte von Skoda setzte. Aber auch der Weg, den der italienische Sportwagen nahm, um zum vierrädrigen Polizeibeamten zu werden, ist durchaus ungewöhnlich.

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Die Tatsache, dass es sich bei dem nun in Dienst gestellten Ferrari um einen 458 Italia handelt, verrät Kennern bereits: Tschechiens Polizei hat den 2016 eingestellten Boliden nicht als Neuwagen in Maranello bestellt. Der Sportwagen wurde zuvor als kriminelles Eigentum beschlagnahmt. Das kommt keineswegs selten vor: 2021 haben die Behörden unseres Nachbarlandes insgesamt fast 900 Autos konfisziert – viele davon deutlich exklusiver als der 458er. Die weitaus meisten dieser Fahrzeuge werden anschließend verkauft; der Erlös deckt dann einen Teil des von der Täterin oder vom Täter verursachten Schadens. Einige Autos nutzt die Staatsgewalt jedoch nach Sicherstellung in den eigenen Fuhrparks – die waren bisher nur eben nicht so wertvoll wie der Ferrari.

Einsatz in einer landesweiten Sondereinheit

Den 2011 gebauten und mit einem 4,5-Liter-Hochdrehzahl-V8 gesegneten 458 Italia will die Polizei landesweit in einer Sondereinheit einsetzen – vorwiegend im Kampf gegen illegale Autorennen. Der 570 PS und maximal 540 Newtonmeter starke sowie bis zu 325 km/h schnelle Italiener soll aber auch Jagd auf Autodiebe machen oder zur Überwachung von Tuning-Treffen eingesetzt werden. Außerdem dient er natürlich Repräsentations-, PR- und Marketing-Zwecken der Polizei. Am Steuer des Zweisitzers, der bisher gerade einmal 2.000 Kilometer auf dem Zähler stehen hat, sollen nur speziell ausgebildete Beamte sitzen.

Der ursprünglich rot lackierte 458 Italia musste natürlich erst in ein veritables Polizeiauto verwandelt werden. Er erhielt eine Folierung in Grau, Blau und Textmarker-Gelb und zudem ein Kamerasystem, Pistolenhalter und Funksender sowie eine Lichtsignalanlage und ein Display in der Windschutzscheibe. Wichtig zu wissen für die tschechischen Steuerzahlerinnen und Steuerzahler: Der Umbau des Ferrari hat sie lediglich 340.000 Kronen gekostet; das sind aktuell umgerechnet knapp 14.000 Euro. "Damit hat uns dieses Fahrzeug weniger gekostet als beispielsweise der Kauf eines neuen Skoda Scala", betont die Polizei in einer Mitteilung.

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Fazit

Es ist doch tröstlich, dass dieser bisher als Gangstermobil missbrauchte Ferrari 458 Italia fortan ein weitaus sinnvolleres und konstruktiveres Autoleben führen darf. In anderen Teilen der Welt hätte ihm möglicherweise ein deutlich schlimmeres Schicksal gedroht, womöglich bis hin zum vorzeitigen Tod: Auf den Philippinen werden beschlagnahmte Luxusautos beispielsweise auch einfach mal symbolträchtig zerstört.