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Gebraucht-Tipp: Subaru BRZ/Toyota GT86 (Typ ZN6, 2012-2020)

Gebraucht-Tipp: Subaru BRZ/Toyota GT86
Zehn Gründe für den Japan-Sportler

Die Modellzwillinge Subaru BRZ und Toyota GT86 entstammen einem Joint-Venture der beiden japanischen Großkonzerne – wobei die Entwicklung fast vollständig von Subaru stammt. Das kleine Boxer-Coupé hat viele Vorzüge und ist gerade erst in die zweite Generation gegangen – da lauern gute Gebrauchtangebote.

Subaru BRZ, Berlin, Deutschland, Waschstraße
Foto: Wolfgang Brettschneider

Hier ist er, dieser Aufruf, bei dem Sie sich in zehn Jahren ärgern werden, ihn nicht befolgt zu haben. Wie oft im Leben eines reifenden Auto-Enthusiasten beklagt man, einen mittlerweile sündhaft teuer gewordenen Sportwagen nicht viel früher und zum viel besseren Preis gekauft zu haben? Beispiel gefällig? Einen Toyota Supra der vierten Generation hätten Sie um 2010 für rund 30.000 Euro erstehen können. Heute liegen gepflegte Handschalter bei rund 150.000 Euro.

Das große Gebrauchtwagen-Spezial

Zugegeben, beim ehrwürdigen Mk. 4 Supra handelt es sich um ein Extrembeispiel. Doch wo sind die einst günstigen Nissan 200 SX, Mitsubishi 3000 GT, oder Toyota Celica TS geblieben? Es gibt sie, doch die Suchtreffer im Internet sind meist deutlich zweistellig, die Preise dagegen gesalzen fünfstellig. Etwa so wird es eines Tages auch mit gepflegten BRZ und GT86 sein, die nicht verheizt, verbastelt oder mit der Geißel der trägen Automatik gepeinigt sind. Hier sind zehn Gründe, warum Sie jetzt einen kaufen sollten.

1. Das klassische Sportwagenkonzept

Motor vorn, Antrieb hinten, dazwischen zwei Türen, wenig Gewicht und eine flache Linie. Nachgewürzt wird das alte Erfolgsrezept von einem knorrigen Schaltgetriebe, einer bewusst sportlichen Sitzposition und einem tiefen Schwerpunkt. So entsteht der Archetypus des leichten Sportcoupés. Und was bringt das? In erster Linie Fahrspaß, doch auch im echten Leben versüßt ein solches Auto manch grauen Tag. Das gilt erstens, weil er trotz allem noch recht praktisch ist (dazu später mehr) und zweitens, weil man etwa am Waldgasthof oder auf der Passhöhe einfach mit viel größerer Wonne aus einem sportlichen Coupé aussteigt, als aus einem drögen Familienauto.

Toyota GT86, Cockpit
Achim Hartmann
Flach und sportlich ist nicht nur das Auto selbst, sondern auch die Sitzposition. Allein das beschert schon große Freude im normalen Fahrbetrieb.

2. Die Gewichtsverteilung

Wir schließen nahtlos an Punkt 1 an. Das schlanke Heck und der zumindest größtenteils hinter der Vorderachse liegende Antrieb nebst Kardanwelle und Differenzial erzeugen eine annähernd perfekte Gewichtsverteilung von 50:50 vorn und hinten. Das gehört sich beim Sportwagen so und ist auch keine Weltsensation. Ein Alleinstellungsmerkmal in seiner Klasse ist jedoch der Vierzylinder-Boxermotor, der den Schwerpunkt nicht nur in Längsrichtung gut verteilt (weil er viel kürzer ist als ein Reihenmotor), sondern ihn noch maximal nach unten rückt. So herrschen schon im Originalzustand beste Voraussetzungen für hohe Kurvengeschwindigkeiten und ein überaus agiles Handling.

Toyta GT86
Harald Dawo
Wie oft ein GT86 oder BRZ als Benchmark für Driftgeschichten in auto motor und sport ausgewählt wurde, ist leider statistisch nicht belegt. Es war oft. Und zwar mit Recht.

3. Fahrwerk und Reifen

Der Subaru/Toyota ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie enorm sich der Charakter eines Autos durch die Wahl von Fahrwerk und Reifen unterscheidet. Mit einem hochwertigen Sportfahrwerk und bissigen Reifen erhöht sich das Dynamikpotenzial schnell über das Leistungslevel von Motor und Fahrwerk hinweg. Die Reserven sind dann enorm. Ab Werk federt das Coupé hingegen straff aber nicht ungehörig. Auch gibt es eine durchaus alltagstaugliche Bodenfreiheit, die manch einem rein optisch etwas hochbeinig vorkommen mag. Beides zusammen erzeugt (gerade dank der guten Gewichtsverteilung) einen sehr spurstabilen Fahreindruck mit reichlich Grip an der Vorderachse und einen gewissen Spielraum für Rollneigung – gerade so viel, dass man nicht von störenden Wankbewegungen sprechen kann, dafür aber über bändeweise Feedback. Kurz: Ein originaler BRZ/GT86 fährt sportlich und ausgesprochen kommunikativ.

Toyota GT86, Frontansicht
Rossen Gagolov
Und er kann auch trocken rocken. Ein bisschen Karosseriebewegung (nicht zu viel), die holzigen Originalreifen dazu und dem Kurvenballett steht nichts im Wege.

Umfasst die Originalität auch noch die Reifen, kommt noch eine Riesenportion Fahraktivität dazu. Vom Band rollten die Coupés nämlich mit extraharten Spritspar-Reifen. Die bieten im Alltag zwar ausreichend Grip für normale Fahrsituationen, lassen sich aber mit spielerischer Leidenschaft zum Haftabriss bringen, sodass vom agilen Mitlenken des Hecks bis hin zu ausgewachsenen Drifts eine Menge Schabernack getrieben werden kann. Dazu trägt auch das ...

4. Torsen-Differenzial

... bei. Torsen steht für "Torque Sensitive", wörtlich übersetzt "Drehmoment fühlend". Die ungleichen Drehzahlen bei Traktionsverlust eines einzelnen Antriebsrades sorgen im Innern des Differenzials über Reibscheiben automatisch für eine Sperrwirkung, die die Motorkraft in dem Moment gleichmäßig auf beide Räder verteilt. Das sorgt nicht nur für Traktionshilfe auf schlechten Untergründen, sondern für gleichmäßigen Vortrieb bei schneller Kurvenfahrt. Keine Sorge, wir möchten Sie nicht zum permanenten Querfahren animieren, sondern eher die Faszination hinter der Technik vermitteln.

Angenommen, Sie erklimmen eine Passstraße über steile Serpentinen. Die Vorderachse lenkt den Wagen um den nächsten Knick, das innere Hinterrad wird durch die Schräge entlastet. Sie geben kräftig Gas und stellen fest, dass eben jenes innere Rad durchdreht. Der Vortrieb geht verloren. Genau das passiert in BRZ und GT86 nicht.

5. Der Motor

leistet 200 PS und liefert 205 Newtonmeter Drehmoment. Zugegeben, das sind keine elektrisierenden Werte, zumal Golf und Co. dank Turbo und Chiptuning den Subaru-Sauger spielend überflügeln können. Dennoch stellt sich die Frage, was mehr Spaß bereitet. Ein Drehmomentklops, der sich per DSG mit stetiger Volllast auf der Welle von Ampel zu Ampel durchflippern lässt, oder ein Drehzahlmaschinchen, welches die Leistungskurve leichtfüßig und mit Freude mit jedem händisch eingelegten Gang neu erklimmt? Hinzu kommen der leicht bollerige Boxerklang und die gute Laufkultur.

Toyota GT86 Pure, Motor
Rossen Gargolov
Der Boxermotor ist eine typische Subaru-Entwicklung. Eine Turboversion hat es im Coupé nie gegeben, obwohl entsprechende Aggregate aus dem Impreza WRX zur Verfügung gestanden hätten. Man munkelt, dass eine höhere Verkaufszahl die Einführung eines Turbos begünstigt hätte.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass beim Gebrauchtkauf ein Ohr auf mögliche Rassel- und Klappergeräusche gelegt werden sollte. Sie können bei übermäßigem Verschleiß auf eine gelängte Steuerkette, schlimmstenfalls sogar auf eingelaufene Lagerschalen hindeuten. Das kommt allerdings relativ selten vor und lässt sich mit einem nachgerüsteten Ölkühler wirksam vermeiden. Insgesamt lässt sich dem Zweiliter-Boxer eine gute Haltbarkeit attestieren.

6. Technik und Haltbarkeit

Gleich hinter dem Motor sitzt im Idealfall ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Es lässt sich präzise schalten, gibt aber mit einer gewissen Knorrigkeit auch darüber Aufschluss, wenn der Fahrer allzu unpassende Drehzahlunterschiede von Motor und Getriebe verkoppeln möchte. Im Hinblick auf Haltbarkeit sind keine Ausfälle zu erwarten. Wichtiger ist, dass nicht die Sechsstufen-Wandlerautomatik an Bord ist. So gerüstet dürfte ein BRZ/GT86 zwar bis in alle Ewigkeit halten, doch büßt er vieles von seinem Reiz durch die Trägheit des Automaten ein – nein Danke. Karosserieseitig mag manch einer beim Namen Subaru an Rostprobleme denken, die frühere Modelle dahingerafft haben. Erfreulicherweise bleibt dies beim Sportcoupé bisher aus. Ob hier der Zusammenarbeit mit Toyota zu danken ist? Mit Sicherheit trägt die dicke Wachskonservierung der Hohlräume den entscheidenden Teil bei.

Toyota GT86, Schaltknauf, Schalthebel
Rossen Gargolov
Kurz und knackig: BRZ und GT86 wollen von Hand geschaltet werden. Die Automatikversion wirkt im direkten Vegleich verhärmt.

7. Der Japan-Charakter

Haben Sie sich mal länger mit der Konsolenspielreihe Gran Turismo beschäftigt? Diese japanische Fahrsimulation setzt seit Jahrzehnten auf möglichst detailgetreue Darstellungen von Fahrzeugen und ihren Eigenschaften. Soll der Endantrieb im Differenzial ein Verhältnis von 2,89 haben oder doch lieber 2,87? Wie wärs mit zwei Kilogramm Gewichtsersparnis durch leichtere Scheiben? Ein paar PS mehr durch polierte Ansaugkanäle? Her damit! Mit vergleichbarer Nerdigkeit begegnet man auch der Fahrzeugauswahl. Speziell einheimische Modelle gibt es hier in Form sämtlicher Serien- und Sondermodelle, ganz gleich wie gering die Unterschiede sind.

Toyota GT86, Rundinstrumente
Rossen Gargolov
Schon Grafik und Schrift des Kombiinstruments vermitteln japanoiden Videospiel-Charme. Dass der Drehzahlmesser als wichtigster Akteur im Zentrum steht, ist selbstverständlich.

Ein wenig dieser Folklore schwingt auch beim innigen Kontakt mit BRZ oder GT86 mit. Hier wirkt jedes Detail bierernst entwickelt und ungeheuer sinnvoll. Das Endergebnis ist indes ein hinreißend emotionales Auto, welches an allen Ecken und Enden den Enthusiasmus seiner Entwickler widerspiegelt.

Suchen Sie auf YouTube mal nach einigen Ausschnitten des japanischen Automagazins "Best Motoring", dann wissen Sie, was wir mit Enthusiasmus meinen.

8. Viele Namen

Wenn wir schon nerdig unterwegs sind, betrachten wir mal das Thema Namen. Unter dem schnöden Typenkürzel ZN6 verkehrten nämlich nicht nur Subaru BRZ und Toyota GT86, sondern anfangs auch der Scion FR-S. Scion fungierte auf dem US-Markt einige Jahre als Toyota-Ableger mit etwas größerem Fokus auf Lifestyle und eine jüngere Käuferschicht.

Toyota Corolla AE 86, Seitenansicht
Namensgeber des GT86 war der Toyota AE86. Diese Heckantriebsgeneration des Corolla gab es in verschiedenen Formen mit verschiedenen Namen. Hier handelt es sich um einen Levin, also um ein Schrägheckcoupé ohne Klappscheinwerfer.

Und wofür steht die 86 im Namen? Nun, da wäre als Namensgeber der legendäre "Hachi-Roku" – Japanisch für acht-sechs. Das steht für den Toyota Corolla AE86, der in seinem Heimatland je nach Karosserieform (zwei- oder dreitüriges Coupé) und einer Frontpartie mit oder ohne Klappscheinwerfer die Beinamen Sprinter, Trueno und Levin trug. Auch hier saß ein drehfreudiger Vierzylinder-Sauger im Bug (wohl als Reihenmotor und ohne Subaru-Einwirkung) und auch hier wurde die Kraft per Sperrdifferenzial an die Hinterräder geleitet. So wurde er seit Mitte der 80er-Jahre zu einer Art Volks-Sportwagen in Japan, dessen Ruhm in der Hauptrolle in der Anime-Serie Initial-D gipfelte. Hier war der Sohn eines Tofumachers mit der nächtlichen Auslieferung dessen Ware zu Hotels in den Bergen betraut. Im alten AE86 fuhr stets ein Becher Wasser mit, aus dem trotz zügigster Fahrt kein Tropfen Wasser schwappen durfte – eine tolle Geschichte, doch wir schweifen ab...

Und warum nun ausgerechnet 86? Neben diesem Ausschweif in die Markengeschichte benennt es beim hier gezeigten Modell auch schlicht, aber treffsicher Bohrung und Hub des Motors. Beides beträgt 86,0 mm, sodass man von einer quadratischen Auslegung spricht.

9. Das Konkurrenzangebot

Wenn Sie im Umfeld des BRZ/GT86 auf die Suche nach sportlichen Alternativen gehen, ist die Auswahl erschreckend klein. Um ein sportlich-leichtes Auto um die 200 PS zu finden, müssen Sie bei deutschen Herstellern schon einige Jahrzehnte in die Vergangenheit blicken. Moderne Kontrahenten besitzen oft Frontantrieb und keine klassische Coupéform. Erst kürzlich haben wir den Toyobaru in ein Fahrspaß-Konkurrenzumfeld eingeordnet. Sie sehen, wie verschieden die Auswahl ist, und doch ist er derzeit praktisch einzigartig.

10. Die Preislage

Zu guter Letzt blicken wir auf das Preisgefüge um den Japan-Sportler. Ja, mit 20 bis 30.000 Euro je nach Zustand ist er auch als Gebrauchtwagen kein richtig billiges Schnäppchen. Er ist allerdings auch hinreichend selten und wird fahrerisch hart rangenommen. So wird es auf die Dauer immer weniger seriöse und gepflegte Angebote geben. Und wo das Angebot schrumpft, steigt die Nachfrage und mit ihr auch die Preise. Sicher können Sie noch ein paar Jährchen warten und eventuell noch ein paar Tausender sparen. Ob dann aber auch ein brauchbares Exemplar auf dem Hof steht, ist fraglich.

Umgekehrt sollten Sie an Punkt 9 denken. Wenn Sie einen puristischen Sportwagen suchen, aber Vorderradantrieb nicht gerade ihr Geschmack ist, bleibt Ihnen nicht viel Auswahl.

Fazit

Zum Glück werden BRZ und GT86 in zweiter Generation mit wenigen aber gekonnten Veränderungen weiter gebaut. Andernfalls wäre die Gebrauchtgeschichte zur ersten Generation bereits ein trauriger Abgesang auf einen wunderbar spezialisierten Freizeitsportwagen. Mit ihm unterwegs zu sein, beschert die diebische Freude, dass Fahrer stärkerer Autos ihr Potenzial auch erst einmal auf die Straße bringen müssen. Und genau das macht einem der Toyobaru so unheimlich wonnevoll leicht.