Mercedes CLK GTR Coupé und Roadster Auktion
Roadster bleibt 2,7 Mio Euro unter Erwartung

Vom Mercedes CLK GTR hat AMG um die Jahrtausendwende nur 25 Straßenmodelle gebaut. Zwei davon – ein Coupé und ein Roadster – waren Teil einer Auktion bei RM Sotheby’s in Las Vegas. Nur einer wechselte den Besitzer.

Mercedes CLK GTR AMG
Foto: RM Sotheby's

Die Geschichte der GT1 aus den 1990er-Jahren ist kurz. Dennoch hat sie mindestens drei automobile Motorsport-Ikonen für die Ewigkeit hervorgebracht. Den McLaren F1 GTR, den Porsche 911 GT1 und den Mercedes-Benz CLK GTR. Vom letzten wurden Mitte November 2023 gleich zwei Straßenmodelle in Las Vegas zur Versteigerung angeboten. Einer wurde zum Schnäppchen, der andere gar nicht verkauft.

Voraussetzung für die damals (Ende der 1990er) extrem exklusive Rennserie waren jeweils 25 Homologationsmodelle mit Straßenzulassung. Mercedes ließ diese Straßenmodelle erst nach der Einstellung der GT1-Serie 1998 und 1999 in Affalterbach bei AMG und HWA bauen. Mit einem Preis von rund drei Millionen D-Mark war der CLK GTR (Coupé) der damals teuerste Serienwagen der Welt. Fünf Roadster folgten erst nach der Jahrtausendwende.

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V12-Motor und sequenzielles Getriebe

An einen Serien-CLK erinnern dabei höchsten die Scheinwerfer und Rücklichter. Der Rest der 4,86 Meter langen und nur 1,10 Meter falchen GT-Flunder ist Rennsport-Technik pur. Das Herzstück ist sicherlich der Motor hinter den beiden Sitzen. Dabei handelt es sich um einen frei saugenden und über 600 PS starken 6,9-Liter-V12 (M297), der ebenso in Pagani-Modellen zum Einsatz kommt.

Die Kraft überträgt der V12 über ein sequenziell geschaltetes Sechsgang-Getriebe an die Hinterräder. Einige Modelle trugen übrigens einen 7,3-Liter-V12 mit bis zu 720 PS im Heck. Ab Werk waren das die Fahrzeuge mit den Fahrgestellnummern #03 und #17. Bei einem Prototypen (#2) und zwei Straßenautos (#2 und #13) wurde der modernere und größere Motor nachträglich eingebaut.

1999 Mercedes-Benz CLK GTR Coupé (Nummer 07)

Das bei RM Sotheby’s angebotene GTR Coupé ist ein 1999er-Modell mit gerade 7.015 Kilometern auf dem Zähler. Das siebte von nur 20 gebauten Coupés wurde einst in die Schweiz geliefert und befindet sich seit 2021 in der Hand des aktuellen Besitzers. Es ist eines von nur drei Exemplaren mit der Tartan-Gabardine-Polsterung, die an den 300 SLR erinnern soll, mit dem Stirling Moss die 1955er Mille Miglia gewann.

Mercedes CLK GTR AMG
RM Sotheby's

Mit einem herkömmlichen CLK hat dieses Auto nichts gemeinsam. Für drei Millionen D-Mark gab es 1999 feinste und extremste Motorsporttechnik für die Straße.

Der GTR mit der Nummer 07 wurde am 12. Mai 1999 neu in die Schweiz geliefert. In St. Gallen war er mit dem Nummernschild "SG 110706" registriert. Das Auto blieb bis November 2010 in der Schweiz bei seinem ursprünglichen Besitzer und wurde gelegentlich genutzt. Von dort aus wurde es bis 2017 in einer privaten deutschen Sammlung aufbewahrt, bevor es vom Markenspezialisten Kienle Automotive an einen neuen Besitzer vermittelt wurde. Der Kilometerzähler zeigte damals 6.376 Kilometer (3.961 Meilen) an.

Der CLK GTR wurde in dieser Zeit umfassend von SPS Automotive gewartet – einem 2003 von ehemaligen Mitarbeitern der HWA AG gegründeten, auf Motorsport spezialisierten Unternehmen mit Sitz in Willsbach. In der langen Liste von Serviceleistungen sind der Austausch der Kraftstoffblase, ein neuer Feuerlöscher und ein neuer Satz speziell angefertigter OZ-Leichtmetallfelgen zu finden.

2017 in die USA überführt

Nach Abarbeitung des vorgeschriebenen Wartungsplans wurde der CLK GTR mit der Nummer 07 im Oktober 2017 in die Vereinigten Staaten importiert und anschließend von JK Technologies für den Straßenverkehr zugelassen. Nach fünf Jahren Aufenthalt in einer bekannten Privatsammlung moderner Rennsportwagen kaufte der jetzige Besitzer den Wagen im April 2021 (Kilometerstand: 6.448).

Zu diesem Zeitpunkt kümmerte sich DK Engineering für mehr als 71.000 US-Dollar um die mechanische Wartung und passte Kleinigkeiten an den Geschmack des neuen Besitzers an. Modifiziert wurden der Fahrersitz, der Dachhimmel und die Sportauspuffanlage. Zu diesem Zeitpunkt erhielt das Auto erneut eine neue Kraftstoffblase. Seither wurde der Wagen vom Sammler auf vielen US-Veranstaltungen gezeigt, darunter beim Amelia Island Concours d'Elegance und bei den Lime Rock Historics. Zudem ist er neben seinen GT1-Rivalen von Porsche und McLaren im Video "Ultimate Group Test" von 2021 zu sehen.

RM Sotheby’s hatte vor der Auktion geschätzt, dass der Mercedes CLK GTR mit der Nummer 07 bis zu neun Millionen US-Dollar (umgerechnet 8,4 Millionen Euro) einbringen könnte. Verkauft wurde er bisher nicht.

2002 Mercedes-Benz CLK GTR Roadster (Nummer 03)

Der zweite CLK GTR im Sotheby’s-Angebot ist der dritte jemals gebaute Roadster von 2002. Und der befindet sich in einem weitestgehend unbenutzten Zustand mit nur 170 Kilometern auf dem Tacho. Von den technischen Daten gleicht es dem Coupé, wobei die Lufteinlässe für den großen Motor wegen des fehlenden Dachs an die Seite gewandert sind.

Mercedes CLK GTR AMG Roadster
Neil Fraser/RM Sotheby's

Technisch entspricht der noch seltene Roadster des Mercedes CLK GTR dem Coupé.

Frontgrill und Heckdeckel sehen etwas anders aus als beim Coupé. Zudem sitzen die Spiegel beim Roadster auf den Türen. Roadster Nummer 3 wanderte übrigens 2010 in die USA aus, damals mit nur 25 gefahrenen Kilometern. Seit 2018 steht das Auto in einer statischen Ausstellung, bräuchte vor einer etwaigen Nutzung also noch einmal einen ordentlichen Service-Check. Dennoch schätzte RM Sotheby`s den Wert dieses CLK GTR nochmals deutlich höher als den des Coupés. Die Amerikaner rechneten vor der Auktion mit 13 Millionen US-Dollar (umgerechnet 12,1 Millionen Euro). Den Zuschlag erhielt der Käufer allerdings für 10,23 Millionen US-Dollar (umgerechnet 9,42 Mio Euro).

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Fazit

Das Auktionshaus RM Sothebys hat pünktlich zum Formel-1-Grand-Prix in Las Vegas gleich zwei der extrem seltenen Mercedes CLK GTR zur Versteigerung angeboten. Am 17. November 2023 startete die Auktion eines 1999er Coupés (Schätzpreis: 8,4 Millionen Euro) und eines Roadsters von 2002 (Schätzpreis: 12,1 Millionen Euro). Verkauft wurde nur der Roadster für umgerechnet 9,42 Millionen Euro.

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Erscheinungsdatum 15.02.2024

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