Alfa-Zukunft mit E-SUV, Sportwagen und Co.
Elektro-Giulia und -Stelvio in der Pipeline

Marken-CEO Jean-Philippe Imparato will die Alfa-Romeo-Modellpalette modernisieren und ausbauen – mit teils legendären Modellen und dem Fokus auf Elektroautos.

Alfa Giula
Foto: Schulte

"Meine Mission ist, diese Marke zu retten und nachhaltig zu entwickeln", sagte Alfa-Romeo-Chef Jean-Philippe Imparato beim traditionellen Jahresendgespräch mit Journalistinnen und Journalisten Mitte Dezember 2023. In den knapp drei Jahren seit Gründung des Alfa-Mutterkonzerns Stellantis hätten sein Team und er es zwar geschafft, die Ergebnisse von Verlusten in dreistelliger Millionenhöhe in Gewinne in ähnlicher Größenordnung zu verwandeln. Doch der Hersteller sei zu mehr fähig. Alfa Romeo habe, so sagte Imparato einige Monate zuvor bereits bei einer Fahrzeug-Präsentation, "das Potenzial, die globale Premiummarke von Stellantis zu werden."

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Damit das gelingt, will der Franzose das Produkt-Portfolio grundlegend überarbeiten, bevor das letzte Drittel des aktuellen Jahrzehnts beginnt. Dazu setzt er auf die neuen elektrifizierbaren Plattformen aus dem Stellantis-Konzern (Fusion zwischen Fiat-Chrysler und PSA), ein neues (Retro-)Design und auf ein Comeback legendärer Modelle. Ab 2024 elektrifiziert die Traditionsmarke seine Baureihen verstärkt unter dem Motto: "From 2024, Alfa Becomes Alfa e-Romeo”. Ab 2027 wird Alfa Romeo dann in Europa, USA und China ausschließlich rein elektrische Modelle anbieten.

Ein Team aus 49 Expertinnen und Experten arbeitet an einer neuen Strategie für Alfa Romeo. Dazu gehört auch ein neuer Design-Chef, den Imparato von der Konkurrenz loseisen musste. Alejandro Mesonero-Romanos kam im Sommer 2021 von Renault, wo er nur wenigen Monate für die Marken Dacia und Lada verantwortlich war. Zuvor zeichnete er für Seat den Leon, den Arona, den Ateca und den Tarraco. Allerdings hatte die neue Mannschaft kaum Einfluss auf das erste neue Modell der Italiener.

Alfa Romeo Milano

Dieses entsteht unter dem Codenamen "Kid" in Form eines Kleinwagen-SUV. Für dieses Modell wurde bislang der Name Brennero gehandelt, doch inzwischen gab die Marke bekannt, dass es Milano heißen wird. Der dritte SUV nach Stelvio und Tonale wird im April 2024 präsentiert, kommt im September auf den Markt und rollt in Polen (Werk Tychy) vom Band, wo ebenfalls der Fiat 600e und der Jeep Avenger gebaut werden. Der Milano basiert vorübergehend auf der CMP- und e-CMP-Architektur, die erst 2026 von der STLA-Small-Plattform abgelöst wird. Auf ihr bauen bereits zahlreiche Modelle wie der Peugeot 2008 oder der Opel Mokka auf.

Der Milano verfügt über einen 126 PS starken Mildhybrid-Antrieb, ist aber auch das erste rein elektrische Serienmodell der Marke. Nur mit Vorderradantrieb setzt er auf einen 156 PS starken Elektromotor sowie einen 54-kWh-Akku, der eine Reichweite von etwa 400 Kilometern gewährleisten soll. Performance-Versionen mit Allradantrieb – und damit höchstwahrscheinlich zwei E-Motoren – wird es ebenfalls geben. Ob eine besonders heiße "Quadrifoglio Verde"-Version folgt, ist Imparato zufolge noch nicht entschieden.

Alfa Romeo Giulia

Seit 2016 bietet Alfa Romeo die Giulia und seit 2017 den SUV Stelvio an. Beide Modelle basieren noch auf der alten Giorgio-Plattform und befinden sich derzeit in der Endphase ihres Produktzyklus. Die Nachfolge-Generationen werden Imparato zufolge gerade entwickelt, wie bisher im Werk in der italienischen Stadt Cassino gebaut und auf die STLA-Large-Basis wechseln. Diese wurde ursprünglich von Peugeot konstruiert, ist für Modelle des D-Segments – (Obere) Mittelklasse – prädestiniert und erlaubt neben Verbrennungsmotoren samt Hybridisierung auch reine Elektroantriebe.

Die rein elektrische Giulia wird voraussichtlich 2026 an den Start rollen – und das wohl ziemlich gewaltig. Wie Imparato bestätigte, setzt die E-Giulia auf drei Leistungsvarianten. Beginnend mit einer 350 PS starken Basisversion schließt sich eine 800-PS-Veloce-Ausführung an. Topmodell ist die Hardcore-Giulia mit QV-Kennung und rund 1.000 PS. Der Allrad-Sportler leiht sich das Set-up vom Maserati Granturismo Folgore, kommt also mit einem E-Motor an der vorderen Achse und zwei E-Antrieben an der Hinterhand. Die Akku-Kapazität dürfte bei ungefähr 100 kWh liegen, wie es die Studie Inception von Peugeot vormachte.

Die elektrische Giulia baut natürlich ebenfalls auf der STLA Large-Plattform auf und ist für Reichweiten von bis zu 800 Kilometern gut. Früheren Imparato-Aussagen zufolge soll die Giulia QV eine Reichweite von rund 400 Kilometern bieten. Während die Akkus vom Stellantis/Saft-Joint Venture ACC (Automotive Cell Co.) kommen, stammen die Elektromotoren vom japanischen Zulieferer Nidec. Fahrwerk und Lenkung möchte Alfa von der Giorgio-Plattform retten. Darüber hinaus plant Imparato, die beiden italienischen Premiummarken Alfa und Maserati bei Entwicklung und Engineering sowie beim Vertrieb und Service enger zu verzahnen.

Sowohl der Giulia als auch der Stelvio werden als Elektromodelle und als Hybrid-Versionen angeboten. Bis diese neuen Fahrzeuge am Start sind, werden beide mit Verbrennungsmotoren weiter produziert.

Alfa Romeo Stelvio

Der Alfa Romeo Stelvio wird ebenfalls als rein elektrisches Modell auf der STLA-Large-Plattform in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 an den Start gehen, das sich bei den Antriebssträngen am Giulia-Elektromodell orientiert. Der Stelvio ist auch das erste Modell mit der neuen Elektronik- und Software-Architektur "STLA Brain" sowie der der "STLA Smart Cockpit", ein skalierbares und over-the-air updatebares Betriebssystem. Wie bereits bei ihrer Einführung dürfte die SUV-Baureihe auch diesmal mit etwa einem Jahr Abstand ihrer Limousinen-Schwester folgen. Und sie soll vom Look-and-Feel her ein typischer Alfa sein, wobei Imparato selbst hohe Anforderungen an seine Marke stellt: "Wir müssen scharf in unserer Positionierung, sportlich und italienisch sein." Zudem will die Marke ihre Qualitätsoffensive fortsetzen und gleichzeitig die Rendite aufpolstern, was dem CEO zufolge wichtiger sei, als nur das Absatzvolumen zu steigern.

Alfa Romeo mit Luxus-E-Limousine

Ebenfalls auf der STLA-Large-Plattform soll es dem Vernehmen nach eine luxuriöse und elektrische Limousine geben, die dem Porsche Taycan oder dem Mercedes EQS ab 2027 Paroli bieten könnte. Der Alfa-Boss sieht diese Karosserieform mit Blick auf die Reichweite weit vorn: "Dieser Karosserie-Typ wird zurückkommen", sagt Imparato, der damit ausschließt, dass sich Alfa Romeo zu einer reinen SUV-Marke wandelt. Entsprechend könnte das Modell schlank und aerodynamisch geformt eine maximale Reichweite von mehr als 500 Kilometern an den Tag legen. Auch hier dürfte der 100-kWh-Akku aus dem Inception Einzug halten.

Alfa Romeo 33 Stradale

Im Sommer 2023 präsentierte Alfa Romeo einen Sportwagen, der nicht nur optisch, sondern auch namentlich an den legendären T33 Stradale von 1967 erinnern soll. Das ab Juni 2024 gebaute Modell (siehe Fotoshow), vermutlich als Abgesang auf den Verbrenner-Motor konzipiert, soll bereits vor dem Debüt ausverkauft gewesen sein. Der 33 Stradale sei "alltagstauglich, ikonisch, supersexy und auf den ersten Blick als Alfa Romeo erkennbar", so Imparato. Doch der Super-Alfa baut auf einer nicht näher genannten Plattform und nicht auf einem STLA-Baukasten auf.

Alfa Romeo 33 Elektro-Sportwagen

Mit einer auf nur 33 Autos – zum Stückpreis von mindestens drei Millionen Euro übrigens – limitierten Kleinserie erfüllt der Sportler allerdings eher einen Image-Auftrag; sein Job ist es nicht, nachhaltig Gewinne einzufahren. Mit dieser Aufgabe werden eher künftige, etwas realistischer erreichbare Sportwagen betraut. Imparato lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass diese im künftigen Modell-Portfolio eingeplant sind: "Wir werden den GTV- und Duetto-Fans Antworten geben, das steht fest", stellt der Markenchef klar. Wir können uns perspektivisch also auf elektrische Coupé- und Roadster-Baureihen von Alfa Romeo freuen, auch wenn die Italiener bei diesem Thema darüber hinaus bislang nichts Handfestes verraten.

Alfa Romeo Castello

Ab 2027 plant die Marke noch einen weiteren SUV: den Alfa Romeo Castello. Der vierte SUV der Marke kommt als X5- und GLE-Konkurrent auf Basis der STLA-Large-Plattform an den Start und dürfte als reines E-Auto sein Debüt feiern. Ob der große Alfa-SUV dann tatsächlich den Namen Castello trägt, ist jedoch ungewiss, wenngleich die Modellbezeichnung gut ins Programm passen würde. Die beiden bisherigen SUV (Stelvio und Tonale) wurden nach berühmten Gebirgspässen in den Alpen benannt. Der Name des Neulings würde das Castello Sforzesco zitieren, eine Schlossanlage in der Mailänder Altstadt. Und die Geburtsstadt der Marke repräsentiert ja bereits der neue kleine SUV Milano, weshalb sich mit dem Castello ("Schloss" in italienischer Sprache) ein Kreis schließen würde.

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Fazit

Alfa-Romeo-Boss Imparato stellt die Marke neu auf und bringt einige Hardcore-Elektro-Modelle auf den Markt. Während zunächst die Alfas noch mit klassischen Verbrennern Quote machen müssen, befinden sich schon eine Giulia mit bis zu 1.000 PS, ein Kleinwagen-SUV, ein elektrischer Stelvio und ein Taycan-Konkurrent in der Pipeline. Außerdem soll noch ein großer SUV als X5- und GLE-Konkurrent kommen. Dazu gibt es noch viele weitere Gerüchte über einen neuen Mito sowie einen GTV und einen Spider. Zumindest die beiden Letzteren scheinen, wenn wir die jüngsten Imparato-Aussagen richtig interpretieren, fest eingeplant zu sein.

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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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