Electrogenic rüstet Oldtimer um
E-Antrieb für Classic Mini und Selberbauer

Das britische Unternehmen Electrogenic macht Oldtimer mit E-Antrieben zukunftssicher. Zum E-Modell konvertiert sind bereits ein Morgan 4/4, Triumph Stag, Jaguar E-Type und Porsche 911. Das jüngste Projekt ist ein Nachrüst-Kit für den klassischen Mini.

Electrogenic Conversion Umbaukit Classic Mini
Foto: Electrogenic Ltd

Automobile Klassiker auf Elektroantriebe umzurüsten entwickelt sich zu einem Trend. Immer mehr Firmen bieten entsprechende Umbau-Kits an. Seit 2021 im Konvertierungs-Geschäft ist das britische Unternehmen Electrogenic mit Sitz in Kidlington bei Oxford. Der Ansatz ist immer der gleiche. Man nehme einen erhaltenswerten Oldtimer, entferne den konventionellen Antrieb und ersetze diesen durch Komponenten aus einem Elektroantriebs-Baukasten. Ist der Kunde bereit, mehr zu investieren, wird im Zuge des Umbaus auch gleich noch eine Total- oder Teilrestauration durchgeführt.

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E-Herz für Porsche 911 G-Modell und 964

Während Porsche selbst die Elektrifizierung der Ikone noch scheut wie der Teufel das Weihwasser, hat Electrogenic ein komplettes Umrüstkit einbaufertig. Das E62-Paket für die G-Modelle des Elfers umfasst einen 160 kW (218 PS) und 312 Nm starken flüssigkeitsgekühlten Elektromotor, der über ein Eingang-Getriebe die Hinterräder antreibt. Der klassische Null-100-Sprint soll damit in knapp fünf Sekunden möglich sein. Freunde potenterer Antriebe können zum E62s-Paket greifen. Dann liefert der E-Motor 240 kW (326 PS) und 420 Nm. Die Sprintzeit sinkt auf knapp vier Sekunden. Electrogenic empfiehlt hier, zusätzlich das Fahrwerk aufzurüsten.

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Beide Kits binden als Energiespeicher eine 62 kWh große Batterie ein, deren Module sich über den vorderen Kofferraum und den Motorraum hinten verbreiten. Die Gewichtsverteilung soll dabei der des Verbrenners entsprechen, wobei das Gesamtgewicht beim Elektroumbau um 100 Kilogramm zulegt. Die Real-Reichweiten sollen zwischen 290 und 320 Kilometern liegen. Der Pilot kann dabei zwischen drei Fahrmodi wählen. Wechselstrom lädt der Electrogenic 911 mit maximal 6,6 kW. Soll es schneller gehen, kommt der ebenfalls an Bord befindliche CCS-Gleichstrom-Anschluss ins Spiel. Electrogenic verspricht hier die Vollladung in rund 50 Minuten. Im Cockpit kennzeichnen der Schalthebelentfall, neue Instrumente sowie ein nun elektrischer Zuheizer den Elektro-Umbau.

Verfügbar sind die E-Antrieb-Umrüstkits für den Porsche 911 als G-Modell sowie die 964er-Varianten. Preise nennt Electrogenic noch nicht.

E-Type mit E-Antrieb

Ein früheres Umbauprojekt basiert auf einem Jaguar E-Type Coupé von 1967. Als Ersatz für den Verbrennerantrieb sieht Electrogenic zwei Varianten vor. Sportlich orientierte Fahrer bekommen einen 470 Nm starken Elektromotor, der an das Originalgetriebe angeflanscht wird. Diese Kombination liegt auf dem Gewichtsniveau des Verbrenners. Stärker, aber auch gewichtiger, ist Version zwei. Hier setzt Electrogenic auf einen 300 kW (408 PS) und 600 Nm starken Elektromotor, der dann direkt auf die Antriebswellen der Hinterräder wirkt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt so oder so bei rund 160 km/h. Die Reichweite wird mit 240 Kilometern angegeben. Im E-Type lassen sich noch zwei Batteriezusatzmodule unterbringen, die jeweils für weitere 80 Kilometer Reichweite gut sind. Die Preise für den reinen Umbau starten ab umgerechnet rund 63.000 Euro.

Morgan 4/4 und Triumph Stag als E-Autos

Bereits zuvor haben die Briten einen 1957er Morgan 4/4 und einen 1976er Triumph Stag elektrisiert. Im Stag verdrängt ein 80 kW (109 PS) und 235 Nm starker Wechselstrom-Elektromotor den alten Dreiliter-V8, übernimmt aber dessen Viergang-Getriebe zur Kraftübertragung auf die Hinterräder. Die 37 kWh große Batterie sitzt da, wo einst der Tank und das Reserverad residierten. Als Reichweite werden rund 240 Kilometer angegeben. Auf Wunsch können auch zwei E-Motoren verbaut werden – die Leistung steigt so auf bis zu 160 kW (218 PS). Da der Morgan die gleichen Elektromodule verwendet, decken sich die Leistungs- und Reichweitenangaben mit denen des Triumph.

Originalitäts-Fanatiker können teilweise aufatmen. Auch wenn sich die Antriebstechnik komplett ändert, bleiben die Oldtimer bis auf den Entfall der Abgasanlage äußerlich unverändert. Freuen können sich die Oldie-Eigner dagegen über eine gesteigerte Bremsleistung auch ohne Bremsen-Upgrade, denn der E-Antrieb rekuperiert im Schiebebetrieb und dient damit quasi als Zusatzbremse. Die Ladezeit macht Electrogenic vom verbauten Batteriesystem abhängig. Bei ungekühlten Systemen sind 22 bis 43 kW Ladeleistung möglich. Die Kunden und deren Geldbeutel entscheiden über die Auslegung.

"Plug-and-Play-Kit" für den Classic Mini

Umgebaut werden können bei Electrogenic grundsätzlich alle Oldtimer. Die bisherigen Projekte reichen von einem VW Käfer über einen Land Rover Defender bis hin zum Rolly-Royce Silver Shadow. Die Briten haben ihre Nachrüst-Kits übrigens so konzipiert, dass sie sich auch außerhalb der eigenen Werkshallen installieren lassen und der Umbau später rückgängig gemacht werden kann. Besonders einfach soll die Umrüstung beim klassischen Mini funktionieren, für den Electrogenic ein "Plug-and-Play-Kit" zum Selbsteinbau auflegt. "Jeder qualifizierte Mechaniker" soll das hinbekommen, behauptet der Hersteller.

Der Clou: Der 45 kW (61 PS) und maximal 135 Newtonmeter starke Elektromotor und das 20 kWh große Batteriepaket samt Verkabelung werden auf einem Hilfsrahmen vormontiert und verschickt. Diese Konstruktion lässt sich dann anstelle des ursprünglichen Hilfsrahmens und Benzinmotors installieren, woraufhin nur noch die Drosselklappe und die Instrumente angeschlossen werden müssen. Das Getriebe entfällt; die E-Maschine überträgt ihre Kraft mit einem festen Übersetzungsverhältnis auf die Vorderräder.

Auch der Typ-2-Ladeanschluss befindet sich auf dem Austausch-Hilfsrahmen und ist über ein neues Kühlergrillgitter erreichbar, das ebenfalls mitgeliefert wird. Wer mehr als die in Aussicht gestellten 129 Kilometer Stadtverkehr-Reichweite benötigt, kann ein zweites Akkupaket für den Kofferraum ordern. Den Mini-Bausatz will Electrogenic ab Herbst 2023 anbieten. Als Basispreis nennen die Briten 15.000 Pfund plus Mehrwertsteuer. Kunden aus Deutschland zahlen demnach gut 20.500 Euro brutto.

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Oldtimer auf Elektroantrieb umbauen ....
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... durchaus legitim und zeitgemäß.

Fazit

Electrogenic baut Oldtimer auf Elektroantriebs-Technik um. Die Komponenten dazu stammen aus einem Standard-Baukasten. Letztendlich bestimmen der Kunde und sein Geldbeutel Art und Umfang der Umrüstung.