Nio-Gründer William Li im Interview
„Nio ist in China höher positioniert als Audi“

William Li (geboren am 9. August 1974 in Anhui/China) ist Gründer und CEO des Elektroauto-Herstellers Nio. Im Gespräch mit auto motor und sport-Chefredakteurin Birgit Priemer spricht er über den deutschen Automarkt und die Zukunft von Nio.

China's Nio Faces Battle Royale After Return From Brink of Ruin
Foto: Getty Images
Sie sind seit einigen Monaten auf dem deutschen Markt präsent und wollen sich dort selbst als Premiummarke positionieren. Vergleichstest mit der entsprechenden Konkurrenz wie Porsche konnten Sie noch nicht gewinnen. Fühlen Sie sich trotzdem noch wohl mit dem eigenen Anspruch?

Wir wollen mit unserem eigenen Technologie- und Serviceanspruch auf jeden Fall als Premiummarke wahrgenommen werden. Wir sehen uns in China auf Augenhöhe mit BMW und Mercedes und höher positioniert als Tesla und Audi. Tesla rangiert preislich auch deutlich niedriger als Nio. In Europa wird es länger dauern, entsprechend wahrgenommen zu werden. Auch bei anderen Marken hat es auf dem europäischen Markt einige Zeit in Anspruch genommen. Wichtig ist uns, dass das Produkt, der Service und der Zugang zu unseren Kunden bzw. der Community stimmt, die Nio mit seiner Markenwelt bildet.

Unsere Highlights
Sie bieten dem Kunden die Möglichkeit, an den so genannten Power-Swap Stationen, die Batterie innerhalb weniger Minuten gegen eine aufgeladene zu wechseln. Andere Unternehmen sind mit dieser Idee in der Vergangenheit gescheitert. Was lässt Sie glauben, damit Erfolg zu haben?

Die Batteriewechseltechnologie hat den Vorteil, dass man als User bzw. Kunde wesentlich flexibler agieren kann. Wenn ich eine lange Strecke fahre, dann werde ich mir in Zukunft eine größere Batterie einbauen lassen, wenn ich nur 20 Kilometer am Tag fahre, dann reicht eine kleinere.

Aber mit wem könnten Sie mit dieser Technologie kooperieren? Es erfordert doch eine bestimmte Standardisierung?

Es müssten die Batteriegrößen vereinheitlicht und bestimmte Modifikationen am Fahrwerk vorgenommen werden, um diese Power-Swap-Stationen nutzen zu können. Das würde vom Zeitpunkt der Übereinkunft etwa zwei Jahre dauern, bis man diese technischen Maßnahmen umgesetzt hat. Wir arbeiten bereits mit anderen Fahrzeugherstellern daran, die Abmessungen der Batterien zu standardisieren.

Der Absatz in Deutschland verläuft aktuell noch sehr schleppend. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Bei dem Aufbau der Infrastruktur wären wir teils gerne schon weiter. Wir wollten bis Ende 2022 insgesamt 20 Power-Swap-Stationen installiert haben. Wir haben aber die langen Genehmigungsprozesse in Europa unterschätzt und nur 13 geschafft.

Sehen Sie sich technologisch auf Augenhöhe?

Ich glaube nicht, dass es in Sachen Technologie so große Unterschiede gibt. Wir sind jünger und setzen auf die drei Säulen: Produkt, Service und Community. In Sachen Connectivity sind die deutschen Automobilhersteller vielleicht nicht so gut, aber sie holen sehr schnell auf. Ich habe auf jeden Fall sehr großen Respekt vor den deutschen Automobilherstellern. Wer sich ihre Geschichte anschaut, der erkennt, dass sie auf jeden Fall viel richtig gemacht haben.

Nio Plans Europe Expansion as China's EV Price War Intensifies
Bloomberg
Li wurde 1974 in Anhui auf einem Milchbauernhof geboren. Im kommenden Jahr wird der mehrfache Milliardär 50 Jahre alt.
Die deutschen Autohersteller verlieren in China Marktanteile, sie sind auch nicht sehr erfolgreich mit ihrer E-Auto-Strategie. Was würden Sie den Marken empfehlen?

Es ist schwierig, weil es ja nicht nur die deutschen Hersteller sind, die diesen Druck auf dem chinesischen Markt empfinden, es betrifft ja alle Hersteller und Start-ups. Der Automobilmarkt in China wird durch viele Innovationen getrieben, der Konkurrenzkampf ist hart. Wir müssen uns alle schnell bewegen. Ich finde aber, dass zum Beispiel VW einen guten Job macht und sich sehr schnell weiterentwickelt.

Sie planen auch ein Kompaktmodell. Wo wird das entwickelt?

Wir verstehen uns als ein Start-up, das weltweit agiert. Deshalb müssen die Anforderungen an ein Kompaktmodell auch weltweit erfüllt werden. Trotzdem sehe ich hier unser Design Center in München im Lead, weil sie die Vorstellungen und Wünsche unserer europäischen Kunden, von denen wir viele Inspirationen bekommen haben, besonders gut kennen. Wir wollen dieses Modell Richtung 2024 auch zunächst in Europa auf den Markt bringen, weil wir verstanden haben, dass in Europa andere Autos nachgefragt werden als in China.

Wird es auch über die Batteriewechsel-Technologie des Power-Swaps verfügen?

Ja.

Kommt das Kompaktmodell unter der neuen angekündigten Submarke als Nio auf den Markt?

Es wird eine neue Marke sein.

Warum? Liegt es an der Preispositionierung?

Ja. Nio ist eine Premiummarke, das günstigste Modell, der Nio ET5 kostet 47.500 Euro. Das Kompaktmodell wird günstiger sein und in ein anderes Segment zielen.

Sie hatten auf der Shanghai Auto Show auf Ihrem Stand Besuch von den Mercedes-Vorständen Ola Källenius und Markus Schäfer. Über was haben Sie diskutiert?

Wir unterhalten uns grundsätzlich mit verschiedenen Partnern. Bei Ola Källenius und Markus Schäfer ging es um den Besuch guter, alter Bekannter. Wir kennen uns schon sehr lange und tauschen uns immer wieder über unsere Erfahrungen und neue Technologien aus. Mercedes hat auch massiv in das automatisierte Fahren investiert und darüber haben wir gesprochen. Ich schätze den Austausch, weil Mercedes immer sehr offen ist – auch gegenüber Start-ups.

Sie haben angekündigt, Apple Car Play nicht integrieren zu wollen. Warum nicht?

Apple Car Play dreht sich im Moment nur um die Integration des Smartphones ins Auto. Es hat aber nichts mit der Technologie des automatisierten Fahrens zu tun und deshalb glauben wir nicht, dass das die beste Lösung ist. Wir sind nicht arrogant, wir streben eine andere, weitreichendere Lösung an, welche aber auch die von den Usern geschätzten Funktionalitäten innerhalb von Apple Car Play umfassen soll.

Aktuell herrscht ein Preiskrieg in China, viele Marken senken die Preise. Durchkreuzt das Ihre Pläne?

Als Premiumhersteller machen wir diesen Preiskrieg nicht mit. Ein gutes Produkt und ein guter Service rechtfertigen auch seinen Preis. Anders sieht es beispielsweise bei Tesla aus. Die Produkte sind heute nicht mehr so konkurrenzfähig wie in der Vergangenheit, deshalb mussten entsprechend die Preise gesenkt werden.

In der Bildergalerie sehen Sie das Mittelklassemodell Nio ET5.

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