Kia-Modellzukunft bis 2030
Noch mehr E-Autos, weitere Hybride

Kia will bis 2027 insgesamt 15 E-Autos an den Start bringen. Eigentlich war eins weniger geplant. Die Koreaner wollen aber auch ihr Hybrid-Portfolio stärken.

Ho Sung Song Kia President and CEO Investor Day 2024
Foto: Kia Corporation

Kia hatte im September 2020 seinen "Plan S" vorgestellt. Er sah vor, bis 2025 sieben neue Elektroautos auf den Markt zu bringen. Doch diese Strategie war schnell überholt. Bereits Anfang 2021 wuchs die Anzahl der geplanten EV-Modelle auf elf. Im Frühjahr 2022 konkretisierte Kia seine Pläne erneut und kündigte an, die E-Auto-Familie nochmals wachsen zu lassen – und zwar auf 14 elektrische Neulinge. Nach einem speziellen "EV Day" im Oktober 2023, bei dem es konkret um Modelle mit reinem Elektroantrieb ging, konkretisierte Kia seine Strategie nun erneut im Rahmen eines Investorentags.

Der große E-Ratgeber

Eine wichtige Erkenntnis der jüngsten Veranstaltung: Kia wird bis 2027 sogar noch ein E-Auto mehr auf den Markt bringen als bisher geplant. 15 statt 14 sollen es sein, wobei die genaue Identität des Neuzugangs noch geheim bleibt. Im Zentrum steht dabei die Electric Global Modular Platform (E-GMP) des Mutterkonzerns Hyundai. Das erste Kia-Modell, das diesen Baukasten nutzte, war der EV6. Auf ihn folgte der große SUV EV9 (Video über diesem Absatz), der drei Sitzreihen bietet und in Deutschland seit Sommer 2023 auf dem Markt ist. Obendrein zeigte der Hersteller beim EV Day 2023 den neuen EV5 (Fotoshow ganz oben), der so etwas wie der kleinere Bruder des EV9 ist und wohl ab 2025 die wichtigsten Märkte erobern soll.

Kia EV3 kommt noch 2024

Zwischendrin bleibt genug Luft, schließlich hat sich Kia längst alle Produktbezeichnungen zwischen EV1 und EV9 schützen lassen. In dieser Hinsicht gab es beim EV Day Konkreteres zu sehen als nun beim Investorentag. Dort debütierte einerseits der Kia Concept EV3; das elektrische Gegenstück zum kleinen SUV Stonic soll noch im Jahresverlauf 2024 auf den Markt kommen. Mit dem Concept EV4 enthüllten die Koreaner zeitgleich eine elektrische Mittelklasse-Limousine mit leichter Offroad-Anmutung, die irgendwann den Stinger beerben könnte. Dessen Serienableitung dürften ebenfalls nicht mehr lange auf sich warten lassen. Zusätzlich steht ein Facelift beim bekannten EV6 samt GT-Version an.

Die künftige Modellzusammenstellung sieht über die bereits bekannten und angekündigten Modelle hinaus noch einen Elektro-Pick-up sowie "zwei regionsspezifische Modelle für aufstrebende Märkte" vor, darunter den Carens EV für Indien. Hinzu kommen wohl ein elektrisches Einstiegsmodell EV1 und der bereits konkret angekündigte EV2, der analog zum elektrischen Hyundai Casper an den Start kommen könnte. Fraglich ist, ob Kia wirklich alle seine neuen Elektromodelle mit der EV-Nomenklatur ausstattet. Fix ist dagegen, dass alle künftigen Elektroautos auch in einer leistungsstarken GT-Ausführung auf den Markt kommen werden – in Anlehnung an den 585 PS starken Kia EV6 GT.

Neue IMA-Plattform auf E-GMP-Basis

Nachdem Hyundai unlängst ebenfalls seine Elektroauto-Strategie bekannt gegeben hatte und in diesem Zuge eine neue, auf Grundlage der E-GMP aufbauende Plattform in Aussicht stellte, dürfte diese IMA-Basis auch für einen Teil der neuen Kia-Modelle infrage kommen. IMA, die "integrierte modulare Architektur", wird nicht nur batterieelektrische Pkw (BEV) für alle Segmente, sondern auch Spezialfahrzeuge ("purpose-built vehicles", PBV) tragen. Der Vorteil dieser Plattform ist es, neben dem Fahrgestell auch das Batteriesystem und den Motor zu vereinheitlichen. So soll IMA mit standardisierten Batteriepacks ausgestattet sein, die flexibel und auch kostengünstig unabhängig vom Modell eingesetzt werden können.

"Durch das Cell-to-Pack-System kann die neue Architektur eine ausreichende Energiedichte gewährleisten und die Ladezeit verkürzen", teilte die Konzernmutter einst mit. In Bezug auf die Zellchemie fährt Kia mehrgleisig. Als Ergänzung zu den aktuellen Lithium-Ionen-Akkus plant der Hersteller künftig mit Nickel-Kobalt-Mangan-Batterien (NCM). Eine weitere Alternative sollen Energiespeicher mit Lithium-Eisen-Phosphat-Chemie (LFP) sein. Beim Antrieb bietet IMA zudem fünf Standard-Motortypen. Einer davon wird das integrierte Antriebsmodul (IDM) von Zulieferer Borg-Warner sein. Es verfügt über einen Elektromotor, Getriebe sowie Leistungselektronik und wird mit 400 Volt betrieben. Der "IDM146" mit 146 mm Strator-Außendurchmesser ist skalierbar und leistet maximal 135 kW (184 PS).

E-Kleinwagen auf Zulieferer-Plattform

Es wird erwartet, dass sich die PBV-Nachfrage aufgrund des starken, nachhaltigen Wachstums der E-Commerce- und Carsharing-Dienste bis 2030 verfünffacht. Kia will zu diesem Zeitpunkt jährlich 250.000 Exemplare dieser für den Hersteller neuen Fahrzeuggattung absetzen. Die geplanten, erstmals bei der CES 2024 in Las Vegas in Aussicht gestellten Modelle im Einzelnen:

  • Autonomes Micro-Car (Kia PV1)
  • Kleiner urbaner Transporter und Midsize Shuttle (beide Rollen soll der für 2025 geplante, sehr wandelbare Kia PV5 spielen)
  • Großer Logistik-Van (PV7, geplant für 2027)

Angesichts der aktuellen Stagnation beim globalen E-Auto-Absatz will Kia als kurzfristige Gegenmaßnahme sein Hybrid-Portfolio stärken. Noch in diesem Jahr werden sechs Modelle mit seriellem Hybridantrieb (HEV) zum Angebot gehören. Bis 2026 soll diese Zahl auf acht wachsen, zwei Jahre später sollen es neun Baureihen sein. Ergänzend kommen Plug-in-Hybride hinzu, wobei Kia bei dieser Antriebsart keine konkreten Zielmarken nennt.

Kia schraubt Absatzprognose nach oben

Im Vergleich zu seinen zuvor definierten Zielen nannte Kia beim Investorentag 2024 deutlich ambitioniertere Zahlen. Zu den vier wichtigsten Geschäftszielen 2030 zählen: Die Beschleunigung der Elektrifizierung und einen Jahresabsatz von 1,6 Millionen batterieelektrischen Fahrzeugen (bisher: 1,2 Millionen). Ein weltweiter Gesamtjahresabsatz von 4,3 statt 4,0 Millionen Einheiten (aktuell 3,2 Millionen), darunter 2,48 Millionen umweltfreundliche (also elektrifizierte) Fahrzeuge. Die Ausweitung des Einsatzes von Connected-Car-Funktionen und autonomen Fahrtechnologien auf alle Neufahrzeuge sowie der Aufstieg zur Nummer eins im globalen Markt für Spezialfahrzeuge (PBV, Purpose-built Vehicles). Zudem nimmt Kia neuerdings China ins Visier und will die Autos für den dortigen Markt in vor Ort angesiedelten Fabriken bauen.

Kia geht davon aus, dass über 80 Prozent seines BEV-Absatzes im Jahr 2030 auf Korea, Nordamerika, Europa und China entfallen wird, wobei der BEV-Anteil 45 Prozent des Kia-Gesamtabsatzes in diesen großen Märkten betragen soll. Global betrachtet sollen reine E-Autos zu diesem Zeitpunkt 37 Prozent des Gesamtabsatzes ausmachen. Rechnet man alle Hybridautos hinzu, sollen 58 Prozent aller verkauften Kias weltweit über einen elektrifizierten Antrieb verfügen.

Kia passt Produktionsstrategie an

Um das wachsende Volumen zu bewältigen, wird sich die Rolle der einzelnen Produktionsstandorte ändern. Korea, das sieben Kia-Werke beherbergt, wird als globaler Knotenpunkt für Forschung, Entwicklung, Produktion und Lieferung von Elektrofahrzeugen dienen. Zwei der dortigen Werke sind allein für E-Autos reserviert. Die anderen sechs globalen Fertigungsstandorte stellen sowohl EV- als auch Verbrenner-Modelle für die jeweiligen Märkte her. In Europa zum Beispiel werden ab 2025 kleine und mittelgroße Elektrofahrzeuge produziert. In den USA, wo SUV und Pick-ups mittlerer Größe beliebt sind, werden ab 2024 Elektroversionen dieser Modelle lokal gefertigt. In China plant Kia die Einführung von Elektrofahrzeugen der Mittelklasse ab dem kommenden Jahr und in Indien sollen ab 2025 Einstiegs- und Mittelklassemodelle mit Elektroantrieb produziert werden.

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Fazit

Kia holt zum großen Elektro-Rundumschlag aus. 15 Elektromodelle sollen bis 2027 auf den Markt kommen. Darunter ist für jeden etwas dabei: SUV, Crossover, Alltagsauto, Spaßfahrmaschine und Limousine. Daneben ziehen die Koreaner das Thema zweckgebundene Spezialfahrzeuge (Purpose-Built Vehicles) groß auf. Als autonome Lastesel, Shuttle oder Nutzfahrzeuge. Allerdings ist bisher nur zu einem Teil bekannt, welche Elektromodelle genau kommen. EV2 bis EV6 sowie EV9 sind bekannt oder zumindest bestätigt, auch die ersten PBV-Modelle wurden bereits gezeigt. Die Ambitionen im Hinblick auf 2030 sind jedenfalls ambitionierter denn je.