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Lightship L1: Caravan mit Elektroantrieb aus den USA

Lightship L1 Elektro-Caravan
Hier wird geschoben, nicht gezogen

Frühere Tesla-Entwickler bringen einen Wohnanhänger mit Elektroantrieb auf den Markt. Der Lightship L1 soll die Reichweite des Zugfahrzeugs nicht belasten. Eine Solaranlage soll den Caravan noch unabhängiger machen.

Lightship L1 Caravan mit Elektroantrieb
Foto: Lightship

Es ist wahrlich keine neue Idee, einem Caravan einen eigenen E-Antrieb zu verpassen, damit den Energieverbrauch des Zugfahrzeugs zu senken und so die Reichweite des Gespanns zu optimieren. Dethleffs hatte bereits 2018 die inzwischen mit Zulieferer ZF weiterentwickelte Studie E-Home Coco mit elektrischer Antriebseinheit präsentiert. Alko und Knaus zeigten 2019 mit ihren jeweiligen Entwicklungspartnern Huber Automotive AG und Bosch Engineering zwei 48-Volt-Antriebssysteme, die jedoch eher als Stromgeneratoren und Traktionshilfe im niedrigeren Geschwindigkeitsbereich gedacht waren.

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So konsequent wie die Köpfe hinter dem erst 2020 gegründeten Start-up Lightship ist aber noch kein Caravan-Hersteller dieses Thema angegangen. Deren Wohnanhänger-Erstlingswerk L1 verfügt tief in seinem Chassis über eine Batterie, deren Kapazität serienmäßig 40 und optional 80 Kilowattstunden beträgt. Der Hersteller nennt eine rein elektrische Reichweite von 300 Meilen (knapp 483 Kilometer), falls der mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,4 Tonnen spezifizierte L1 mit seinem E-Antrieb alleine fahren würde. Bidirektionales Laden ist auch möglich; der Caravan kann also ebenso Energie an ein Elektroauto oder Haus abgeben.

Frühere Tesla-Entwickler als Gründer

Der höhere Wert entspricht in etwa jener Akkugrößen der reichweitenstarken Versionen des Tesla Model 3. Zufall oder nicht? Ben Parker, einer der Lightship-Gründer und Geschäftsführer des jungen Unternehmens, wirkte als Batterie-Ingenieur an der Entwicklung des Model 3 mit. Auch der zweite Co-Gründer Toby Kraus war früher bei Tesla. Weitere Lightship-Mitarbeiter arbeiteten zuvor bei Autofirmen wie Rivian, Lucid und Zoox. Der Firmensitz befindet sich in der kalifornischen Metropole San Francisco.

Doch zurück zum 8,23 Meter langen, 2,59 Meter breiten und im Fahrbetrieb 2,06 Meter hohen L1. Dessen direkt an den Rädern platzierter Elektroantrieb ist natürlich vorrangig für das eingangs benannte Szenario da. "Im Zugbetrieb bleibt ein Elektrofahrzeug mit 300 Meilen Reichweite ein Elektrofahrzeug mit 300 Meilen Reichweite und ein Benziner-Pick-up mit 11,3 Litern Verbrauch ein Benziner-Pick-up mit 11,3 Litern Verbrauch", verspricht Lightship. Anders ausgedrückt: Der L1 soll die Reichweite gar nicht oder nur unwesentlich belasten; als Gespann soll das Zugfahrzeug genauso weit kommen wie ohne Caravan.

Aerodynamisch optimiertes Design

Dabei hilft das aerodynamisch optimierte Design, das verkleidete Räder und um den gesamten Wohnanhänger verlaufende, bündig eingelassene Scheiben sowie Heckleuchten präsentiert. Die Außenhaut und die nach außen klappbaren Fenster bestehen aus Verbundwerkstoffen. Das Dach ist großflächig mit einer Solaranlage bestückt – selbst auf den Markisen, wodurch im Stand zusätzliche Energie generiert werden kann. Damit lässt sich die Batterie mit bis zu drei kW mit frischer Energie speisen. Am Urlaubsort reicht der Strom angeblich für bis zu eine Woche.

Und das, obwohl an Bord alles elektrisch funktioniert und zum Kochen oder Heizen kein Gas oder andere fossile Brennstoffe nötig sind. Und zwar aus Prinzip: "Ineffiziente, unzuverlässige Produkt-Designs und eine Stromversorgung, die auf stinkende und laute Benzin- oder Propangasgeneratoren angewiesen ist, behindern das fantastische Erlebnis des Reisens in der freien Natur grundlegend", sagt Ben Parker. Der L1 sei darauf ausgelegt, ein möglichst ungetrübtes Outdoor-Erlebnis zu ermöglichen.

Bisher nur ein Grundriss

Folgerichtig bietet der Lightship an Bord allerlei vernetzte Systeme und Konnektivitätslösungen. So dient ein mit der entsprechenden App bestücktes Tablet als Kommandozentrale. Im Wohnmodus lässt er sich nach oben ausfahren. Er ist dann 3,05 Meter hoch und bietet je nach Konfiguration vier oder sechs Schlafplätze. Der Schlafbereich befindet sich im Bug. Es schließen sich der Wohn- und Kochbereich an; das Bad ist im Heck untergebracht. Weitere Grundrisse scheint Lightship bislang nicht zu planen.

Das Interieur-Design wirkt auf ersten Bildern offen, hell und sehr geradlinig. Verstaumöglichkeiten bieten sich in erster Linie unterhalb der Sitzflächen. Zudem bietet der L1 Gimmicks wie eine ausziehbare Außenküche und eine Spülmaschine in der Onboard-Küche sowie nachhaltige Materialien, die zum überwiegenden Teilen aus recycelten Stoffen bestehen.

Grundpreis? 125.000 Dollar!

Ein Preisschild trägt der (solar-)elektrische Wohnwagen auch schon. Der Starttarif beträgt 125.000 Dollar, was aktuell umgerechnet etwa 118.500 Euro entspricht. Obwohl die Serienproduktion erst für Ende 2024 angekündigt ist, lässt sich der Lightship L1 jetzt schon für eine Gebühr von 500 Dollar (474 Euro) reservieren. Der Caravan soll übrigens "nur der Anfang" sein, sagt Toby Kraus. "Wir wollen eine Marke schaffen, die jedem ein angenehmes Outdoor-Reiseerlebnis bietet und noch mehr Menschen für die Freizeitgestaltung mit dem Wohnmobil begeistern kann."

Ob der Lightship L1 offiziell nach Deutschland kommt, ist noch nicht bekannt. Dagegen sprechen noch immer ungelöste Zulassungshürden, die bislang auch die Serieneinführung der eingangs erwähnten Caravan-Modelle verhindern. So müsste das durch die Batterie höhere Gewicht zulassungstechnisch neutralisiert werden, um nicht die zulässige Gesamtmasse des Gespanns einzuschränken. Hinzu kommt eine technische Herausforderung: Da Wohnanhänger nicht schieben dürfen, muss der Motor flexibel seine Leistung so anpassen, dass er maximal genau jene Leistung zur Verfügung stellt, die das Zugfahrzeug im Anhängerbetrieb "verliert". Ob der Lightship L1 über entsprechende Sensoren verfügt, um das auszutarieren, ist nicht bekannt.

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Fazit

Wir kennen das inzwischen zur Genüge aus der Autoindustrie: Ein Start-up tritt mit großen Versprechungen und angeblich revolutionären technischen Lösungen, aber ohne verkaufsfertiges Produkt an. Nun erreicht dieses Vorgehen die konservative Caravaning-Branche: Der Lightship L1 soll alles besser können als aktuell verfügbare Wohnanhänger und dabei so gut sein, dass er die Investition eines Vermögens rechtfertigt.

Ob er wirklich bis Jahresende 2024 so weit entwickelt ist, dass er in Serie gehen kann, muss sich allerdings erst noch zeigen. Falls die ehemaligen Tesla-Mitarbeiter in dieser Hinsicht so zuverlässig sind wie ihr Ex-Chef Elon Musk, dann sollten Interessenten über einen langen Geduldsfaden verfügen – und sich die Zahlung der Reservierungsgebühr gründlich überlegen.