Reichweiten-Testsieger
Diese E-Autos kommen am weitesten

Bei Elektroautos steht vor allem die Reichweite im Fokus. Wir haben aufgelistet, wie weit die 50 besten Modelle mit einer Ladung kommen sollen und was sie tatsächlich im Test geschafft haben. Der aktuelle Reichweiten-König prahlt auf dem Papier mit gut 880 Kilometern, enttäuscht in der Realität aber etwas.

Lucid Air Dream
Foto: Jens Eser

Mit batterie-elektrischen Autos braucht man sich einerseits nicht vor Fahrverboten fürchten. Andererseits haben potenzielle E-Autofahrer Angst, mit einem leeren Akku liegenzubleiben oder ihren Einsatzradius beschränken zu müssen. Denn Ladezeiten sind immer noch erheblich länger als klassische Tankpausen. Der Reichweite eines Elektroautos kommt daher eine besondere Bedeutung zu.

Unklare Datenlage

Die Angaben in den technischen Daten sind allerdings ziemlich volatil. Abgesehen davon, dass es je nach Modell verschieden große Akkus gibt, hängt die Reichweite von vielen Faktoren wie der gewählten Ausstattung oder den Rädern ab. Nehmen wir als Beispiel den Mercedes EQS. Der Hersteller wirbt mit bis zu 742 Kilometern Reichweite. Ein Wert, der tatsächlich im Zyklus eines bestimmten Modells auf dem Prüfstand gemessen wurde. Tatsächlich geben die Hersteller "von-bis"-Werte an, die ein realistisches Reichweitenfenster abbilden sollen. Im Test von auto motor und sport ist der gemessene maximale Einsatzradius allerdings deutlich geringer.

Neue Mobilität im Alltag

Geht man nur nach der WLTP-Reichweite, präsentiert sich auf dem Papier der Lucid Air mit 725 bis 883 Kilometern als aktueller Reichweiten-König. Auf den zweiten Platz folgt der Mercedes EQS 450+ mit 573 bis 742 Kilometern. Dass beide Modelle jenseits von 100.000 Euro kosten, soll in dieser Auflistung nur am Rande erwähnt werden. Übrigens schafft es auch Tesla mit dem keinesfalls günstigeren Modell S und 695 bis 723 Kilometer aufs Langstrecken-Treppchen. Alle drei Modelle wurden – wie übrigens auch die meisten anderen aktuellen Elektroautos – von auto motor und sport genau unter die Lupe genommen.

Vor allem teure Modelle in der Top 10

In der Top 10 der Reichweiten-Könige finden sich vor allem teure Premium-Modelle mit sechsstelligen Kaufpreisen – darunter auch BMW i7 und iX, das neue Mercedes EQS SUV. Doch es gibt auch einige Ausnahmen. Der Polestar 2 schafft nach WLTP bis zu 654 Kilometer, das Tesla Model 3 634 Kilometer und der Fisker Ocean 630 Kilometer.

Wer sein Preislimit eher bei 40.000 Euro sieht, sollte einen Blick auf den VW ID.3 werfen. Die technischen Geschwister Cupra Born und Skoda Enyaq sind ähnlich langstreckentauglich. Wirklich günstig wird Elektromobilität erst mit dem Dacia Spring, der zu Preisen ab 22.750 Euro bis zu 230 Kilometer Reichweite weit kommt.

Top 10: Reichweiten der besten Elektroautos

Modell

WLTP-Reichweite

Test-Reichweite

bei Temperatur

Testdatum

Lucid Air

bis 883 km

533

26 °C

Jul. 23

Mercedes-Benz EQS

bis 742 km

560

19 °C

Okt. 21

TESLA Model S

bis 723 km

437

11 °C

Okt. 20

Mercedes-Benz EQS SUV

bis 664 km

477

14 °C

Mai. 23

Polestar 2

bis 654 km

460

28 °C

Jun. 22

TESLA Model 3

bis 634 km

506

14 °C

Apr. 21

BMW iX

bis 633 km

538

19 °C

Okt. 21

Fisker Ocean

bis 630 km

noch nicht getestet

BMW i7

bis 625 km

438

4 °C

Dez. 22

TESLA Model X

bis 625 km

428

11 °C

Mär. 19

Was ist überhaupt ein realistischer Verbrauchswert?

Die große Frage, die sich nicht nur E-Auto-Interessenten, sondern seit es genormte Testzyklen und Verbrauchsangaben gibt, alle Autofahrer stellen, ist die nach dem Realverbrauch (und damit nach einer realistischen Reichweite). Gab seit 1992 der elf Kilometer lange NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) allenfalls eine grobe Richtung an, soll der seit dem 1. September 2017 schrittweise eingeführte und 23,25 Kilometer lange WLTP-Zyklus (Worldwide Harmonized Light(-Duty) Vehicles Test Procedure) realistischer sein. Aber: Die tatsächliche Reichweite kann auch hier je nach Verkehrssituation, Fahrstil und Wetterlage abweichen.

Um Elektroautos genauer unter die Lupe zu nehmen, hat unsere Testabteilung einen Reichweitentest entwickelt. Jeder elektrische Testwagen, der zum Vergleichs- oder Einzeltest antritt, wird komplett aufgeladen (SOC: 100 Prozent) und auf der immer gleichen Strecke nach den gleichen Parametern, Klimaeinstellung und identischen Geschwindigkeiten leergefahren (bis SOC: 0 Prozent). Stark anhängig ist das Ergebnis natürlich von der Außentemperatur, die wir der Vollständigkeit hier mit angeben. Die gefahrene Strecke zeigt dann eine realistische Reichweite, die oft deutlich von den WLTP-Werten abweicht. Wie stark, das zeigt unsere Tabelle der Top 10. Im Test der auto motor und sport kam hier der Mercedes EQS am weitesten.

Platz 11 bis 30: Reichweiten der besten Elektroautos

Modell

WLTP-Reichweite

Test-Reichweite

bei Temperatur

Testdatum

Hyundai IONIQ 6

614 km

383 km

7 °C

Apr. 23

Polestar 3

610 km

noch nicht getestet

Mercedes-Benz EQE

608 km

546 km

23 °C

Jun. 22

Lotus Eletre

600 km

noch nicht getestet

Ford Mustang Mach-E

600 km

449 km

4 °C

Feb. 23

Audi Q8 Sportback e-tron

595 km

463 km

8 °C

Apr. 23

VinFast VF 9

594 km

noch nicht getestet

Nio ET5

590 km

noch nicht getestet

Volvo EX90

585 km

noch nicht getestet

BMW i4

584 km

538 km

17 °C

Apr. 22

Volvo C40

582 km

374 km

1 °C

Jan. 22

Nio ET7

580 km

noch nicht getestet

Volvo XC40

575 km

369 km

8 °C

Nov. 21

BMW i5

571 km

noch nicht getestet

TESLA Model Y

565 km

483 km

9 °C

Mär. 22

Volkswagen ID.3

559 km

500 km

8 °C

Apr. 21

ŠKODA ENYAQ Coupé iV

553 km

443 km

25 °C

Jul. 23

CUPRA Born

552 km

371 km

2 °C

Mär. 23

ŠKODA ENYAQ iV

542 km

443 km

14 °C

Mai. 21

Batteriekapazität im Vergleich

Entscheidend für die Reichweite eines Elektroautos sind – wie beim Verbrenner auch – die mitgeführte Energiemenge und der Verbrauch. Allerdings gibt es bei beiden Größen erhebliche Unterschiede zu Benzin- oder Dieselmodellen. Zunächst mal können Elektroautos nur vergleichsweise wenig "Treibstoff" mitführen, weil die Energiedichte selbst moderner Lithium-Ionen-Akkus überschaubar ist. Der Energieinhalt eines 105-kWh-Akkus in einem BMW i7 beispielsweise entspricht nur einem Wassereimer voll Superbenzin. Der Akku selbst wiegt aber etwa 700 Kilogramm.

Dafür fährt das E-Auto mit erheblich besserem Wirkungsgrad. Er kann beim E-Auto 90 Prozent betragen, beim Benziner nur 25 Prozent. Das in Rechnung gestellt, fährt der BMWi7 also mit einem 36-Liter-Tank – für eine PS starke Limousine eher knapp. Daher die Reichweiten-Angst vieler Autofahrer, die mit Verbrennungsmotoren und Tanks von 40 bis 100 Liter sozialisiert wurden.

Platz 31 bis 50: Reichweiten der besten Elektroautos

Modell

WLTP-Reichweite

Test-Reichweite

bei Temperatur

Testdatum

Audi Q4 Sportback e-tron

bis 535 km

405 km

28 °C

Jun. 22

Volkswagen ID.5

bis 534 km

424 km

28 °C

Jun. 22

Volkswagen ID.4

bis 531 km

441 km

17 °C

Mai. 21

Mercedes-Benz EQA

bis 531 km

412 km

25 °C

Aug. 21

Rolls-Royce Spectre

bis 530 km

noch nicht getestet

Nio EL6

bis 529 km

noch nicht getestet

Kia EV6

bis 528 km

431 km

28 °C

Jun. 22

Audi Q4 e-tron

bis 524 km

493 km

25 °C

Jun. 21

BYD Han

bis 521 km

noch nicht getestet

Genesis Electrified G80

bis 520 km

493 km

27 °C

Jul. 22

Nio EL7

bis 509 km

noch nicht getestet

Hyundai IONIQ 5

bis 507 km

491 km

18 °C

Aug. 21

Mercedes-Benz EQB

bis 506 km

373 km

7 °C

Apr. 23

Nissan Ariya

bis 498 km

466 km

18 °C

Okt. 22

Kia EV9

bis 497 km

noch nicht getestet

Audi e-tron GT

bis 492 km

466 km

20 °C

Sep. 21

Hyundai Kona

bis 484 km

536 km

27 °C

Jun. 19

Volvo EX30

bis 480 km

noch nicht getestet

VinFast VF 8

bis 471 km

noch nicht getestet

Genesis GV60

bis 470 km

429 km

25 °C

Jul. 23

Verbräuche im Vergleich

Zweiter Unterschied ist der Verbrauch: Wie oben geschildert ist er erheblich niedriger als beim Verbrenner. Er wird aber auch anders gemessen: Alle Angaben beziehen sich darauf, was in die Batterie an Kilowattstunden geladen wurde, weil dafür bezahlt werden muss. Beim Laden entstehen aber teils erhebliche Verluste, weil die Batterie dabei gekühlt oder beheizt werden muss oder das Ladesystem auch Energie verbraucht. Das heißt, anders als beim Verbrenner kann beim E-Auto die Reichweite nicht einfach dadurch errechnet werden, dass die Batteriekapazität ("Tankvolumen") durch den Durchschnittsverbrauchswert geteilt wird. Erst auf dem Bordcomputer im E-Auto sieht man, wie viel Strom der Batterie beim Fahren entnommen wird. Auf einen Verbrenner umgemünzt würde dies bedeuten, dass der Fahrer beim Tanken mit einem porösen Schlauch den einen oder anderen Liter mehr bezahlen müsste. Denn die sind zwar aus der Zapfsäule gesaugt worden, aber nicht im Tank gelandet.

Umfrage
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Nein. Erstens geht Laden immer schneller und zweitens sollte man für lange Fahrten andere Verkehrsmittel nutzen.Ja! Ein Auto hat man, um spontan irgendwo hin fahren zu können und nicht jeder kann sich mehrere Autos für verschiedene Zwecke leisten.

Fazit

Die Reichweiten von Elektroautos nehmen stetig zu. Mit Einführung des WLTP-Zyklus bekommen Fahrzeugkunden zudem mittlerweile einen etwas realistischeren Reichweitenwert an die Hand. Der liegt allerdings gerade bei E-Autos noch weit von der Realität entfernt – gerade wenn es kalt wird. Die hier gezeigten Listen vergleichen die WLTP-Angaben mit tatsächlich gefahrenen Reichweiten. Und in dieser Disziplin ist nicht der Lucid Air der Gewinner, sondern der Mercedes EQS mit einer tatsächlich gefahrenen Strecke von 560 Kilometern.