Renault Captur und Clio TCe 100 LPG
Kompaktmodelle erhalten Autogasantrieb

Renault führt neue Flüssigas-Varianten des Captur und Clio ein. Sie sollen genauso teuer sein wie die jeweils vergleichbare Benziner-Version.

Renault Clio TCe 100 LPG Autogas Flüssiggas
Foto: https://www.renault-presse.de

Eine überraschende Erkenntnis vorweg: Flüssiggasantriebe sind bei Pkw auf Wachstumskurs. Wurden 2021 in Deutschland nur 10.118 Autos neu zugelassen, die den auch als Autogas oder LPG bekannten Kraftstoff nutzen können, waren es im vergangenen Jahr 15.006 – ein Plus von 48,3 Prozent. Ordnet man die Zahl in den Gesamtmarkt ein, ergibt sich jedoch ein ernüchterndes Bild: 2022 wurden insgesamt 2,65 Millionen Pkw neu zugelassen; der LPG-Marktanteil beträgt damit nicht einmal 0,6 Prozent.

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Dennoch scheint Renault der Aufschwung zu reichen, um neue Autogas-Varianten seiner kompakten Baureihen ins Programm zu nehmen. Captur und Clio (im Video und in der Fotoshow mit Hybridantrieb) sind künftig in den Modellversionen TCe 100 LPG und damit mit bivalentem Antrieb erhältlich. Sie vertragen also sowohl Superbenzin als auch Autogas als Treibstoff, wobei die Gesamtreichweiten auf 1.000 (Clio) beziehungsweise 1.100 Kilometer (Captur) steigen sollen.

Größere Tanks beim Captur

Die unterschiedlichen Reichweiten resultieren aus differierenden Tankgrößen. Beim Clio ergänzt ein 32 Liter großes LPG-Reservoir den 39-Liter-Benzintank, während die Speicher für Autogas und Super-Kraftstoff beim Captur 40 respektive 48 Liter fassen. Der Flüssiggas-Behälter befindet sich jeweils in der Reserveradmulde, weshalb das Kofferraumvolumen unangetastet bleibt. Die Einfüllstutzen für beide Treibstoffarten sitzen hinter derselben Klappe. Mit einer am Armaturenbrett positionierten Taste lässt sich jederzeit zwischen Benzin- und Autogasbetrieb wechseln.

Renault Clio und Captur nutzen in ihrer TCe-100-LPG-Variante den bekannten 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbomotor, der im LPG-Modus (100 PS) sogar etwas leistungsstärker ist als im Benzinbetrieb (91 PS). Das maximale Drehmoment liegt bei 170 beziehungsweise 160 Newtonmetern. Bedeutet: Die Fahrleistungen sind etwas rasanter, sobald die kleinen Renaults von Autogas statt Superbenzin befeuert werden.

Preislich aus Basisbenziner-Niveau

Vorteile zeigt der alternative Antrieb ebenso auf der Kosten- und Klimaseite. Renault verspricht im LPG-Betrieb um 38 Prozent geringere Kraftstoffkosten. Die CO2-Emissionen sollen um zehn bis elf Prozent niedriger ausfallen. Dank der saubereren Verbrennung entstehen zudem weniger Stickoxid-Emissionen (NOx) und keine Rußpartikel. Wie bei anderen Renault-Baureihen auch gilt eine Herstellergarantie von zwei Jahren ohne Kilometerbegrenzung. Die Wartungsintervalle gleichen sich ebenfalls.

Preislich bewegen sich die LPG-Modelle auf dem Niveau der 91 PS starken Benziner-Pendants. Der Renault Clio TCe 100 LPG kostet mindestens 20.800 Euro und damit genauso viel wie der TCe 90. Die Basisausstattung ist hier jeweils die zweithöchste Linie Evolution. Der Captur TCe 100 LPG ist zwar etwas teurer als der TCE 90 (24.550 statt 23.700 Euro). Aber auch er hat die Evolution-Ausstattung an Bord, während das Basismodell mit reinem Benzinmotor mit dem Grundlevel Equilibre kombiniert werden kann.

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Fazit

Autogas-Comeback bei Renault: Nachdem der französische Hersteller die LPG-Varianten des Captur und Clio vor etwa einem Jahr vom Markt genommen hatte, kehren sie jetzt ins Modellprogramm zurück. Ob das hilft, diesem Treibstoff nachhaltig zum Aufschwung zu verhelfen, darf stark bezweifelt werden. Die Entwicklung der Marktanteile in jüngerer Vergangenheit legt jedenfalls nahe, dass Autogas-Pkw weiterhin eine automobile Randerscheinung in Deutschland bleiben.