Stellantis testet synthetische Kraftstoffe
28 Millionen Autos vertragen E-Fuels ohne Probleme

Zusammen mit dem saudischen Energie-Riesen Aramco hat die Stellantis-Gruppe E-Fuels in 24 Motorenfamilien ausgiebig getestet. Die jetzt erklärte Unbedenklichkeit hat nur einen Haken.

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Foto: Stellantis

Es ist ruhig geworden um synthetische Kraftstoffe. Nachdem die sogenannten E-Fuels noch im Frühjahr während der allgemeinen Bekenntnisse zum Verbrenner-Ende 2035 noch in aller Munde waren, hat sich die Diskussion abgekühlt. Dennoch werden die neuen Spritsorten, die künstlich aus CO2 und Wasserstoff (und nicht aus Erdöl) erzeugt werden, weiterhin fleißig getestet. Der Stellantis-Konzern, der mit seinen 14 Marken zu den größten Automobilherstellern der Welt gehört, veröffentlicht jetzt beispielsweise eine Unbedenklichkeitsbescheinigung für 24 seiner Motorenfamilien.

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Dabei handelt es sich nahezu um alle Modelle, die seit 2014 mit der Abgasnorm Euro 6 auf den Markt kamen – sowohl Diesel- als auch Benzin-Varianten. Sie sind durchweg mit den zu erwartenden E-Fuel-Zusammensetzungen kompatibel. Getestet wurde dabei nicht nur die Verträglichkeit im Motor selbst, sondern auch Kraftstoffleitungen, Tanks oder Filter. Die Tests von Stellantis mit kohlenstoffarmen synthetischen Kraftstoffen umfassten zudem Abgasemissionen, Startfähigkeit, Motorleistung, Zuverlässigkeit, Haltbarkeit, Ölverdünnung aber auch die Kraftstoffleistung bei extremer Kälte und hohen Temperaturen.

28 Mio. Autos könnten 400 Mio. Tonnen CO2 sparen

Zum Testergebnis liefert der Europäisch-Amerikanische Konzern – zu dem gehören die Marken Abarth, Alfa Romeo, Chrysler, Citroën, Dodge, DS Automobiles, Fiat, Jeep, Lancia, Maserati, Opel, Peugeot, Ram, Vauxhall, Free2Move und Leasys (siehe Galerie) – gleich noch ein Rechenbeispiel dazu. Würden die derzeit 28 Millionen Stellantis-Fahrzeuge auf europäischen Straßen nur noch mit kohlenstoffarmen E-Fuels fahren, läge das Einsparpotenzial zwischen 2025 und 2050 bei bis zu 400 Millionen Tonnen CO2.

Der Entwicklungs-Chef von Stellantis, Ned Curic, fasst das Test-Ergebnis so zusammen: "Unsere Priorität ist eine emissionsfreie Mobilität für alle mit Fokus auf die Elektrifizierung. Unsere Zusammenarbeit mit Aramco ist ein wichtiger und komplementärer Schritt auf diesem Weg für die bereits auf der Straße befindliche Fahrzeugflotte." Demnach hätten Drop-in-E-Fuels – also synthetische Kraftstoffe, die einfach in die bestehende Infrastruktur eingeführt werden – eine sofortige Auswirkung auf die Reduzierung von CO2-Emissionen.

"Unseren Kundinnen und Kunden bieten wir damit eine einfache und wirtschaftlich effiziente Option an, ihren CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Sie müssen lediglich eine andere Zapfsäule an der Tankstelle wählen, ohne dass ihre Fahrzeuge umgerüstet werden müssen."

Stellantis: "Keine Verbrenner mehr nach 2029"

Längst hat der Stellantis-Konzern angekündigt, schon vor dem Jahr 2035 keine Autos mehr mit Verbrennungsmotor bauen zu wollen. Stichtag für diesen Plan ist bereits der 31.12.2029 – danach würden nur noch Elektroautos die Konzern-Werke verlassen. "Trotzdem ist das Thema E-Fuels extrem wichtig", meint der Chef des Alternative Fuels Center-of-Competence, Andreas Jauss. Schließlich führen mehr als die Hälfte der Stellantis-Fahrzeuge länger als 20 Jahre.

Wenn also die letzten Verbrenner im Jahr 2029 verkauft werden, brauchen sie noch mindestens bis in Jahr 2050 genügend Sprit. Bis dahin dürfte sich auch die Preisfrage des E-Fuels geklärt haben. Jüngste Gesetzes-Entwürfe auf EU-Ebene sehen schon jetzt eine extreme steuerliche Entlastung für grüne, synthetische Kraftstoffe vor, während die Steuern auf fossile Kraftstoffe immer weiter steigen und von jedem Mitgliedsland individuell erweitert werden.

In der Masse noch eine Wunschvorstellung

So vielversprechend der Ansatz von synthetischen Kraftstoffen gerade in Bezug auf grünen Wasserstoff und aus der Atmosphäre geholtes CO2 ist, so schwierig ist die Umsetzung auf große Volumina. Bisher gibt es für die Herstellung von E-Fuels nur überschaubare Pilotprojekte. Beispiel Saudi Aramco: Der größte Erdölförderer der Welt arbeitet mit ENOWA (Neom Energy and Water Company) an einer Demonstrationsanlage zur Produktion von synthetischem Benzin für Personenkraftwagen.

Unterdessen erforschen Aramco und Repsol im spanischen Bilbao die Produktion von kohlenstoffarmem synthetischem Diesel und Kerosin für Autos, Lkw und Flugzeuge. Beide Demonstrationsanlagen sollen Anfang 2025 anlaufen. Außerdem arbeiten die Saudis mit Motorsportteams und Rennveranstaltern zusammen, um das Potenzial kohlenstoffarmer Kraftstoffe als Drop-in-Lösung zur Verringerung der Kohlenstoffemissionen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor weiter zu testen und zu demonstrieren.

Fazit

Zusammen mit dem saudischen Energie-Riesen Aramco hat die Stellantis-Gruppe E-Fuels in 24 Motorenfamilien ausgiebig getestet. Dabei wurden die synthetisch hergestellten Kraftstoffe (Diesel und Benzin) als unbedenklich eingestuft. Um die kompatible Flotte von 28 Millionen Kfz in Europa damit betreiben zu können, fehlt es aber an großen Produktionsanlagen für CO2-neutrale E-Fuels.

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