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E-Auto-Absatz: Wann holt Volkswagen Tesla ein?

Elektroauto-Absatz
Warum Tesla noch eine Weile vor VW liegen wird

Im 4. Quartal 2020 verkaufte der VW-Konzern erstmals mehr E-Autos als Tesla. Die Trendwende? Prognosen zeigen, wann VW den E-Auto-Pionier dauerhaft übertreffen wird.

VW ID.4 Jagd Tesla Model S Collage
Foto: Hersteller / Patrick Lang

2010 hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Ziel "Ein Million Elektroautos in Deutschland 2020" ausgegeben. Zwischenzeitlich sah es so aus, als könne man das erst 2022 erreichen, dank der E-Auto-Prämie könnte es aber zumindest noch was werden, solange Merkel noch Kanzlerin ist.

"Lag jahrelang China beim Verkauf von E-Autos vorne, führt nun erstmals der europäische Kontinent mit einem Anteil von 1,4 Millionen Autos im Jahr 2020 das Ranking an und liegt damit 0,1 Millionen über den chinesischen Zahlen", bilanziert die Unternehmensberatung Alix-Partners in ihrem Automotive-Electrification-Index.

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Außerdem heißt es dort: "Erstmals konnte VW im letzten Quartal 2020 mit 192.000 Tesla bei der Anzahl der verkauften Elektrofahrzeuge überholen". Denn in den letzten drei Monaten des Jahres 2020 kam Tesla auf eine Gesamtstückzahl von 181.000 Autos.

Aber zur Einordnung gehört auch: VW hat zwar in 2020 rund 231.600 vollelektrische Fahrzeuge ausgeliefert und damit mehr als dreimal so viele wie 2019. Aber Tesla hat im Jahr 2020 gut 500.000 Autos ausgeliefert – mit nur vier Modellen, von denen die teuren Model S und Model X wenig zur Gesamtstückzahl beitrugen. Beim Volkswagen-Konzern war die Modellpalette an E-Autos schon 2020 größer, wobei zwei Modelle 2021 nicht mehr im Programm sein werden.

Die Top 5 der vollelektrischen Modelle des Volkswagen-Konzerns:

VW  ID.3

56.500 Fahrzeuge

Audi E-Tron 

47.300 Fahrzeuge

VW e-Golf

41.300 Fahrzeuge

VW e-up!

22.200 Fahrzeuge

Porsche Taycan 

20.000 Fahrzeuge

Den e-Golf der Generation 7 gibt es inzwischen nicht mehr, der e-Up ist seit längerem ausverkauft. Ob die Elektroversion bis zum Bauzeitende noch mal zu haben sein wird, ist unklar. Dafür werden neue Modelle für Stückzahlen sorgen: Der Verkauf des VW ID.4 und des Skoda Enyaq hat bereits begonnen, Audi bringt Pendants des ersten MEB-SUVs in Form von Q4 E-Tron und Q4 E-Tron Sportback sowie das Taycan-Derivat E-Tron GT, Porsche den Taycan als Cross Turismo – wobei die letzteren eher die Rendite als den Absatz erhöhen dürften.

Doch schon für die nahe Zukunft stehen auch volumenträchtigere E-Auto-Neuheiten aus dem Konzern auf dem Programm wie der Cupra El Born oder die Coupé-Versionen von ID.4 und Skoda Enyaq; später folgen weitere ID.-Modelle, ein elektrischer Porsche Macan sowie der Q5 E-Tron, ein ID.3-Derivat von Seat ist ebenfalls angekündigt. Die Marktbeobachter von IHS Markit haben unter Berücksichtigung dessen eine Prognose der Produktionszahlen (drum die Abweichung zu den Verkaufszahlen für 2020 weiter oben) gewagt.

Prognose: Wie viele E-Autos Tesla und der VW-Konzern produzieren

Jahresabsatz

Tesla

Volkswagen

2019

365.231

111.446

2020

508.180

242.827

2021

927.608

522.510

2022

999.771

763.683

2023

1.067.393

1.055.457

2024

1.162.761

1.340.399

Der zufolge wird Tesla schon 2021 einen großen Sprung machen und kommt erst 2022 in Schlagdistanz; 2023 sollte Volkswagen den US-Hersteller dann fast ein- und erst ab 2024 überholen. Der große Anstieg bei Tesla ist auf das Model Y zurückzuführen, wenn die Produktion in China und den USA richtig in Schwung gekommen ist. Beim deutschen Werk in Grünheide wird es wohl noch ein wenig dauern, bis es spürbar zur Produktionssteigerung beitragen kann. An neuen Modellen ist bei Tesla nur für den Cybertruck (ab 2022) mit nennenswerten, aber nicht unbedingt entscheidenden Stückzahlen zu rechnen.

Hier liegt perspektivisch der Vorteil des riesigen Mehrmarkenkonzerns Volkswagen, der auf unzählige Werke zurückgreifen kann, auch wenn er die erst nach und nach auf die Produktion von E-Autos umrüsten muss.

Fazit

Der Boom bei den E-Auto-Neuzulassungen in Deutschland und Europa im Jahr 2020 und der steile Anstieg der E-Auto-Stückzahl von VW scheint denen Recht zu geben, die Tesla im Hintertreffen sehen, sobald der Supertanker Volkswagen bei der Produktion von Elektromodellen erstmal Fahrt aufgenommen hat.

Die Prognose von IHS Markit relativiert diese Einschätzung aber. Denn es dauert einfach, bis die Kursänderung eines solchen Riesenkonzerns spürbar wird und Tesla baut eben seinerseits neue Produktionsstätten auf, die von Anfang an auf die Produktion rein elektrischer Fahrzeuge und vor allem auch Batterien ausgelegt sind.

Eines sollte man dabei nicht vergessen: VW hat 2019 insgesamt elf Millionen Autos verkauft, 2020 waren es coronabedingt "nur" etwa 9,7 Millionen – gut 45 Mal so viel wie Tesla.