Probleme mit autonomen Autos
Zahl der Zwischenfälle in San Francisco steigt

Die Feuerwehr in San Francisco macht auf eine zunehmende Zahl von Zwischenfällen mit autonomen Autos aufmerksam.

2/2022 Cruise
Foto: Cruise

San Francisco gehört zu den Städten, die ein intensives Testen von vollautonomen Autos ermöglichen. Diese Autos haben im Straßenverkehr allerdings von Anfang an Probleme gemacht – zum Beispiel mit dem Überfahren von roten Ampeln. Deshalb durften die Tests erst ab 2:00 Uhr und damit tief in der Nacht stattfinden. Inzwischen sind einige Anbieter auch tagsüber unterwegs. Die Feuerwehr von San Francisco stellt dies zunehmend vor Probleme – weil die vollautonomen Fahrzeuge regelmäßig versagen. Beim örtlichen Nachrichtendienst Mission Local hat jetzt ein Feuerwehrmann seinem Ärger Luft gemacht.

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Der Feuerwehrmann berichtet von täglichen Behinderungen von Rettungsarbeiten durch autonome Autos. Außerdem vermutet er, dass die Zahl der Vorfälle deutlich höher ist als gemeldet. Er zitiert aus einem seiner Berichte unter anderem den Hinweis: "Heute Vorfall Nummer drei." Die Redakteure von Mission Local haben 15 Berichte gefunden, die gefährliche Vorfälle mit Autos der Anbieter Waymo und Cruise beschreiben. Waymo hat seinen Hauptsitz im kalifornischen Mountain View und gehört, genau wie Google, zur Alphabet-Holding. Waymos Wahlspruch lautet "The World’s Most Experienced Driver" (Der erfahrenste Fahrer der Welt). Die GM-Tochter Cruise sitzt direkt in San Francisco und wirbt mit dem Slogan "A better way to ride" (Eine bessere Art zu fahren).

Autonomie funktioniert aktuell nicht

Beim Versuch, fahrerlose Autos anzuhalten, kommt es den Berichten zufolge zu bizarren Szenen. So schreibt der Feuerwehrmann, dass die Beamten einen Chevrolet Bolt von Cruise mehrfach angeschrien und mit ihren Fäusten auf dessen Motorhaube geschlagen haben, damit das Auto anhält. Erst das Einschlagen der Seitenscheibe brachte den gewünschten Erfolg. In einem anderen Fall sei ein Cruise-Fahrzeug einfach durch ein Absperrband gerollt. Das Band sollte Fahrzeuge und Passanten von der Stelle fernhalten, an der ein massives, durch einen Sturm gerissenes Stromkabel baumelte. Erst als sich das Absperrband in den Sensoren des Autos verheddert hatte, hat das Fahrzeug angehalten. Das autonome Cruise-Auto war gegen das schwere Kabel gefahren und hatte es dem Bericht zufolge einen halben Block lang mitgeschleift. Der Feuerwehrmann betont, dass das Kabel zum Glück bereits stromlos geschaltet war.

Der Feuerwehrmann ist der Überzeugung, dass sie Zahl solcher Vorfälle zugenommen hat. Früher, als die autonomen Testfahrzeuge ausschließlich nachts bei wenig Verkehr fahren durften, sei man einfach um die Autos herumgefahren, wenn sie einen Weg blockiert haben – das sei eher lustig gewesen. Seit Dezember 2022 seien die Fahrzeuge auch tagsüber bei dichtem Verkehr unterwegs – und würden zunehmend Probleme bereiten.

Keine Personenschäden bisher

Bisher kam nach Angaben der Feuerwehr von San Francisco keine Person durch von autonomen Fahrzeugen behinderte Rettungsmaßnahmen zu Schaden. Aber die Verantwortlichen der Feuerwehr wünschen sich, dass die autonomen Fahrzeuge von den Straßen genommen werden, bis die aktuellen technischen Probleme gelöst sind.

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Fazit

Sogenannte Künstliche Intelligenz gilt in Sachen autonomes Fahren als Schlüsseltechnologie: Viele Autos sollen jede erdenkliche Fahrsituation durch maschinelles Lernen kennenlernen und in einen Wissenspool einspeisen, aus dem dann wiederum alle autonomen Fahrzeuge ihre Daten beziehen. Die Erfahrung von tausenden Autos in Kombination mit millimetergenau ausgemessenen Straßen, 3D-Karten und hochentwickelter Sensortechnik sollte vollautonomes Fahren möglich machen. Aber das Problem scheint deutlich komplexer zu sein, als die beteiligten Wissenschaftler zunächst geglaubt haben.

Jetzt berichtet ein Feuerwehrmann aus San Francisco von sich häufenden Vorfällen mit vollautonomen Testfahrzeugen. Anscheinend gibt es bei diesen Autos große Probleme beim Erkennen von Gefahrenstellen und der damit verbundenen Notwendigkeit, rechtzeitig anzuhalten. Die Feuerwehr wünscht sich deshalb ein Ende der Tests, bis die technischen Probleme der autonomen Fahrzeuge gelöst sind.