Neue Ladesäulen-Verordnung
Wird das Laden von E-Autos einfacher?

Neue Regeln für das Tanken an Elektroauto-Ladesäulen sollten im Juli 2023 kommen. Doch nun will das Wirtschaftsministerium die Einführung einfacher Bezahlmöglichkeiten verschieben.

Ladesäulen EC-Karte Terminal
Foto: Enercharge

Noch unter der Verantwortung des damaligen Bundeswirtschaftsministers Peter Altmaier hatte das Bundeskabinett im Mai 2021 die Novellierung der Ladesäulen-Verordnung auf den Weg gebracht. Anschließend hatte auch der Bundesrat der neuen Ladesäulenverordnung zugestimmt. Die wichtigste Neuerung damals: Ein einheitliches Bezahlsystem für das sogenannte Ad-hoc-Laden an allen Ladesäulen, die ab dem 1. Juli 2023 in Betrieb genommen werden. Heißt: Alle Ladesäulen müssen dann laut Verordnung "mindestens einen kontaktlosen Zahlungsvorgang mittels gängiger Kredit- und Debitkarte" anbieten.

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Kontaktlose Bezahlung beim Laden

Die am 1. Januar 2022 in Kraft getretene zweite Novelle der Ladesäulenverordnung sorgte allerdings für eine gewisse Verwirrung in der Elektroauto-Szene. Denn ausdrücklich ist dort aufgeführt: "Die Regelung zum einheitlichen Bezahlsystem soll für alle Ladesäulen gelten, die ab dem Juli 2023 erstmalig in Betrieb genommen werden. Bestehende Ladesäulen müssen nicht nachgerüstet werden". In einigen Meldungen und Social Media-Beiträgen zum Thema wird allerdings angegeben, diese neue Zahlungsmöglichkeit gelte künftig für alle Ladepunkte, was falsch ist.

Das bedeutet: Bei allen bis zum Stichtag installierten Ladepunkten besteht keine Pflicht zur Aufrüstung für kontaktloses Zahlen per Kredit- oder Debitkarte, es bleibt bei der vor allem auf Reisen unkomfortablen Variante, eine spezielle Lade-App oder -Karte des jeweiligen Anbieters zu nutzen. Das komfortable Bezahlen über die in modernen Kredit- oder Debitkarten installierte NFC (Near Field Communication)-Technik oder über die entsprechende Zahl-Funktion in modernen Mobiltelefonen wird damit auch in Zukunft längst nicht bei allen Ladepunkten möglich sein.

Rund 80.000 Ladepunkte in Deutschland

Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur enthält in Deutschland 67.288 Normalladepunkte und 13.253 Schnellladepunkte, die am 1. Januar 2023 in Betrieb waren. Längst nicht alle davon sind bereits für die NFC-Technik vorbereitet. Entsprechend wird das Durcheinander mit den zahllosen Anbietern von Ladelösungen und den zum Teil undurchsichtigen Ladetarifen je nach verwendeter Ladekarte noch für eine längere Zeit andauern.

Einführung um ein Jahr verschoben

Wie nun aus einem von der EU veröffentlichten Entwurf vom 10. März 2023 hervorgeht, will das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz diese für den Sommer geplante Einführung um ein Jahr verschieben. Hierzu soll die, das zitieren wir jetzt einmal wörtlich, "Dritte Verordnung zur Änderung der Verordnung über technische Mindestanforderungen an den sicheren und interoperablen Aufbau und Betrieb von öffentlich zugänglichen Ladepunkten für elektrisch betriebene Fahrzeuge (Ladesäulenverordnung – LSV)" umgesetzt werden. Um ein Jahr auf den 1. Juli 2024 will das Habeck-Ministerium laut diesem Entwurf die kontaktlose Bezahlung an neuen Ladesäulen verschieben.

Begründet wird dies damit, den Herstellern solcher Ladesäulen mehr Zeit zur Anpassung ihrer Technik zu geben. Ansonsten würde sich, so die Befürchtung in Berlin, der weitere Ausbau des deutschen Ladenetzes verzögern, weil nicht ausreichend Ladepunkte für kontaktloses Bezahlen mit Debit- und Kreditkarten produziert werden könnten. Anbieter, die ihre Technik bereits fit für die 2021 verkündeten neuen Regeln gemacht haben, sehen das vermutlich anders, deren Konkurrenz freut sich dagegen.

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Fazit

Wer nicht nur an der heimischen Wallbox, sondern auch unterwegs bei jeweils örtlichen Energieversorgern Strom für sein Elektroauto tankt, kennt das Durcheinander an Ladesäulen zur Genüge. Zahllose Anbieter sowohl von Ladepunkten als auch für Bezahlsysteme, Karte X funktioniert bei Anbieter Y nicht und nirgends ist zu sehen, wie viel Geld die Kilowattstunde letztlich kostet. Das kontaktlose Zahlen per Bankkarte oder Handy, so einfach wie im Supermarkt, sollte dieses unsinnige Wirrwarr zumindest an neu installierten Ladesäulen beenden. Doch nun soll die für Juli 2023 geplante Einführung dieser Technik auf Wunsch des deutschen Wirtschaftsministeriums um ein Jahr verschoben werden.