Zehn Minuten Laden für 320 km
Polestar 5 verkraftet Turbo-Laden mit 370 kW

Der kommende Polestar 5 verspricht drastisch reduzierte Ladezeiten. Zusammen mit dem israelischen Startup StoreDot haben die Schweden die XFC-Batterietechnologie erfolgreich demonstriert.

Polestar 5 schafft Turbo-Ladung
Foto: Polestar

Während zahlreiche Batterie-Entwickler auf immer höhere Kapazitäten und eine größere Energiedichte setzen, verfolgt das israelische Start-up StoreDot mit seiner XFC-Technologie (siehe weiter unten) und drastisch reduzierten Ladezeiten einen anderen Ansatz. Das erste Ziel hat das Unternehmen jetzt im Polestar 5 erreicht: 100 Meilen (ca. 160 km) in nur fünf Minuten am Schnelllader.

In nur 10 Minuten konnte ein Prototyp des Polestar 5 sogar von zehn auf 80 Prozent aufgeladen werden. Die Ladeleistung blieb dabei über den Ladevorgang konstant hoch. Sie startet bei 310 kW und erreichte am Ende sogar einen Spitzenwert von über 370 kW. Dabei handelt es sich um den 77-kWh-Akku aus siliziumdominierten Zellen, den Polestar bei StoreDot in Auftrag gegeben hat (siehe Link unten). Später soll eine 100-kWh-Variante dazukommen.

Unsere Highlights

Kooperation von StoreDot und Polestar

Es ist die erste Investition von Polestar in ein anderes Unternehmen. Doch CEO Thomas Ingenlath verspricht sich viel von der strategischen Partnerschaft mit StoreDot. Die detaillierte Zusammenarbeit ist bereits fortgeschritten und umfasst wichtige Integrationen wie das technische Design und die Kühlung. Erste Versuchsträger für die XFC-Technologie sind die Prototypen des Polestar 5.

Flash Batterie store-dot
Store-Dot

StoreDot-CEO Dr. Doron Myersdorf (links) neben Polestar-Chef Thomas Ingenlath (rechts).

"Dies ist ein großer Schritt für StoreDot und eine starke Bestätigung dafür, dass unsere bahnbrechende Technologie für die Massenproduktion bereit ist", sagt der CEO von StoreDot, Dr. Doron Myersdorf. "Wir freuen uns sehr und sind stolz darauf, dass Polestar das erste Automobilunternehmen sein will, das seine extrem schnell ladenden Batteriezellen in einem fahrbaren Prototyp in Originalgröße präsentiert."

XFC-Technologie im Detail

Für die schnelle Energieaufnahme der Akkus setzen die Techniker von StoreDot auf einen neuen Akkutypen. Der Energiespeicher arbeitet mit Nanotechnologie sowie organischen Verbindungen und ersetzt die traditionelle Lithium-Ionen-Graphit-Anode durch eine aus Silizium. Das Geheimnis liegt dabei in der Synthetisierung mit niedermolekularen organischen Verbindungen, die aus dem Silizium ein hochwirksames Aktiv-Material machen.

Möglich machte die spezielle molekulare Zusammensetzung der Nanopartikel erst die KI-basierte Datenwissenschaft. Die patentierte Aufbereitung verhindert die sonst übliche Volumenausdehnung des Siliziums und die Probleme mit dem Energieverlust über die Zeit. Der XFC-Akku kommt auf eine beachtliche Energiedichte von 300 Wh/kg, während die Zellen im Labor selbst 1.000 Schnellladezyklen überstanden.

StoreDot hat bereits einen langfristigen Strategieplan, der drei Generationen von Technologien skizziert: Die Silizium-dominante XFC-Technologie ist dabei die Erste. Es folgen Semi-Solid-State-Akkus und danach eine Post-Lithium-Architektur. Auch einen Zeitplan für das nächste Jahrzehnt haben die Israelis bereits. "100-in-5" haben sie in 2024 erreicht, "100-in-3" für 2028 und "100-in-2" sind für 2032 angestrebt.

Daimler, Samsung und andere haben investiert

Dass die Technik funktioniert, hat StoreDot erstmals Mitte Mai 2017 auf der Technologiemesse CUBE Tech Fair in Berlin vorgeführt. Die nächste Demonstration folgte zwei Jahre später: Innerhalb von fünf Minuten wurde der Akku eines Elektrorollers des Herstellers Torrot vollständig aufgeladen. "In der heutigen hektischen Gesellschaft kann eine fünfminütige Ladung, die durch ultraschnell aufladbare Batterien und die entsprechende Infrastruktur ermöglicht wird, ein Elektroauto für die Nutzer so attraktiv machen wie einen Benzin- oder Dieselantrieb", erklärte Myersdorf damals.

Zu den frühen Investoren von StoreDot zählten damals Samsung oder der russische Milliardär Roman Abramowitsch. Weitere 60 Millionen Dollar hatte das Unternehmen im September 2017 bei neuen Investoren eingesammelt. Darunter war auch die Lkw-Sparte von Daimler, die zudem einen Platz im Board of Directors bei StorDot erhielten. Auch der Mineralölkonzern BP war inzwischen bei den Israelis eingestiegen und hatte im Mai 2018 ganze 20 Millionen Dollar investiert.

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Fazit

Mit einem Prototyp des Polestar 5 konnte das israelische Start-up StoreDot das Potenzial ihrer XFC-Batterie erstmals unter Beweis stellen. In fünf Minuten schaffte die Limousine am Schnelllader elektrische Energie für 160 Kilometer nachzuladen. In zehn Minuten war der 77-kWh-Akku von 10 auf 80 Prozent gefüllt. Die Ladeleistung stieg in dieser Zeit auf über 370 kW an.