Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro im Dauertest
Erste Test-Bilanz nach 100 Tagen

Hurra, wir haben einen neuen Kombi im Dauertest: einen Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro. Gut ausgestattet und vernünftig motorisiert, war er in drei Monaten schon viel unterwegs. Hier die ersten Erkenntnisse nach 15.000 Kilometern.

Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro, Exterieur
Foto: Achim Hartmann

Schmerzlich wurde er vermisst, der letzte Audi-Dauertester. Das Modell? Ein S6 Avant. V8-Biturbo, vier Liter Hubraum, 450 PS, 640 Nm, Luftfederung, Allrad. Was für ein stilvoller und zugleich enorm schneller Begleiter! Wer ihn fuhr, gab den Schlüssel nur ungern zurück. Nun also stellt sich der nächste A6 dem 100.000-Kilometer-Dauertest. Unter der Haube sitzt diesmal kein V8, sondern ein wohlerzogener Vierzylinder. Schade? Nicht wirklich. So schwer der voll ausgestattete Avant auch ist (1,87 Tonnen) – Kraft hat er dennoch genug. Schließlich produziert der zwei Liter große Turbobenziner 245 PS und schickt ab 1.600 Touren 370 Nm zu einem Siebengang-DSG, das die Gänge meist sehr gut und ruckarm verwaltet. Allradantrieb gibt es ebenfalls dazu. So mangelt es nicht an Traktion, und falls nötig, eilt der Kombi in sieben Sekunden auf 100 km/h. Der Topspeed liegt wie beim S6 bei 250 km/h, allerdings mit einem kernigen Unterton. Je nach Fahrweise begnügt sich der Vierzylinder mit sieben bis zwölf Litern pro 100 Kilometern.

Unsere Highlights

Akzeptabler Verbrauch von 9,3 l/100 km

Im Testmittel über nunmehr knapp 15.000 km liegt der Verbrauch bei noch akzeptablen 9,3 l/100 km. Ansonsten beeindruckt der Audi mit seiner wendigkeitssteigernden Allradlenkung, seinem feinen Interieur und einer enormen inneren Ruhe, die er auch seiner Akustikverglasung verdankt. Trotz üppig dimensionierter und 2.200 Euro teurer 20-Zöller passt auch der Fahrkomfort. Adaptiv ansprechende Dämpfer bemühen sich gekonnt um eine meist ruhig liegende Karosse. So kuschelt man sich in die bequemen, vielfach verstellbaren und mit feinem Leder bezogenen Individual-Kontursitze und freut sich an der hohen Materialgüte.

Oder man beschäftigt sich via Touchscreen mit dem überaus umfangreichen Angebot an Infotainment- und Fahrerassistenzsystemen. Mehr bietet derzeit kein Dauertester. Ob alles zuverlässig und unauffällig funktioniert, müssen wir indes noch klären. Klasse in jedem Fall: der Effizienzassistent, der in Verbindung mit Navi und Adaptiv-Tempomat sowie angepassten Schub- und Segelphasen sparsames Fahren unterstützt. Den Passagieren im Fond fehlt es ebenso an nichts. Bank und Lehne sind langstreckentauglich ausgeformt, die Klimatisierung lässt sich rechts und links einzeln regeln, und dank Zwölf-Volt-Buchse und zweier USB-Schnittstellen ist auch die Stromversorgung gesichert. Selbst die Anbindung von Smartphones an das Mediasystem klappt einfach. Weiter hinten bietet der noch völlig kratzerfreie Kofferraum mit 565 Litern ein großzügiges Ladevolumen. Ganz glücklich sind wir mit dem navarrablauen Audi dennoch nicht. So stören sich einige Kollegen an der Touchscreen-basierten Bedienung sowie einer teils umständlichen Menüstruktur und den unvermeidlichen Fingertappern, die das luxuriöse Ambiente etwas stören. Wohl dem, der immer ein Reinigungstüchlein parat hat.

 Erste Test-Bilanz nach 100 Tage
Achim Hartmann
Der Verzicht auf Drehregler und konservative Tasten bringt kaum Vorteile, wohl aber große Touchdisplays, die geputzt sein wollen.

Aus technischer Sicht gilt es zudem, die Scheinwerfer-Reinigungsanlage zu bemängeln. Hier hakelt es gelegentlich, und die Düseneinheit fährt schlichtweg nicht mehr ein – links wie rechts.

Schönheit hat ihren Preis

Für seinen Allrad-Kombi mit Siebengang-DSG verlangt Audi derzeit mindestens 56.650 Euro, für die Ausstattungslinie Sport sind nochmals 2.300 Euro fällig. So ansehnlich und komfortabel wie der Dauertester ist ein A6 dann aber noch lange nicht. Räder, Adaptiv-Dämpfer und Allradlenkung kosten ebenso Aufpreis wie Lederbezüge oder Getränkehalter im Fond. Zu Buche schlagen auch die vorzüglichen Matrix-LED-Scheinwerfer und das gesamte Infotainment. Alles in allem kommt man so auf einen Testwagenpreis von 88.860 Euro. Umso mehr sind wir gespannt, wie sich der Kombi die nächsten 8.000 Kilometer schlagen wird.

Vor- und Nachteile
Platz und Qualität
Rundherum bietet der A6 ein gutes Platzangebot und ist top verarbeitet
Motor
Der Vierzylinder klingt dröge, sorgt aber für guten Schub
Bedienung
Der Verzicht auf Drehregler und konservative Tasten bringt kaum Vorteile. Wohl aber große Touchdisplays, die geputzt werden wollen

Fazit

In den ersten Monaten stören nur die klemmenden Scheinwerfer-Waschdüsen, ansonsten ist der Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro ein komfortabler, erstklassig verarbeiteter Kombi, der rasch sehr viele Kilometer sammeln wird.

Technische Daten
Audi A6 Avant 45 TFSI Quattro
Grundpreis55.797 €
Außenmaße4939 x 1886 x 1467 mm
Kofferraumvolumen565 bis 1680 l
Hubraum / Motor1984 cm³ / 4-Zylinder
Leistung180 kW / 245 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit250 km/h
Verbrauch6,7 l/100 km