Honda CR-V 2.0 i-MMD Hybrid 2WD
Ein Dauertest ohne Probleme?

Über 100.015 Kilometer hinweg überzeugte uns die hybride Version des Honda CR-V mit hundertprozentiger Zuverlässigkeit und ermunterte uns zu einem gelassenen Fahrstil. Konsequent komfortabel, geräumig und frei von jeglichen Allüren, hinterlässt der CR-V eine große Lücke im Fuhrpark.

Honda CR-V 2.0 i-MMD Hybrid 2WD
Foto: Heinrich Lingner

Wenn am Ende eines strapaziösen 100.000-Kilometer-Dauerlaufs ein 25,54 Euro teures Wischerblatt für die Heckscheibe, ein Getriebeölwechsel nach rund 76.000 Kilometern und zwei Liter nachgefülltes Motoröl in den Unterlagen auffallen, dann, ja dann hat der Proband alles richtig gemacht. Nicht einmal Bremsbeläge galt es zu wechseln. Sonstige Ausfälle, Abstürze, Dramen? Nada. Außer fünf Inspektionen forderte der bemerkenswert zuverlässige Honda keinerlei Dienstleistungen.

Unsere Highlights

Umfangreiche Serienausstattung

Mit vollem Namen heißt er übrigens CR-V 2.0 i-MMD Hybrid 2WD. Wobei einige der vielen Buchstaben auf den Antrieb hinweisen: Hybridtechnik mit Vorderradantrieb. Das andere Kürzel in der Modellbezeichnung steht für "Comfortable Run- about Vehicle", sollten Sie es ganz genau wissen wollen. Die einzig verfügbare Alternative bei diesem Honda ist der Hybrid mit Allradantrieb.

Ein Vorteil des vorderradgetriebenen CR-V: Er ist ein preiswerter Familien-SUV. In der Elegance-Ausstattung kostet unser Testwagen bei Dauertestbeginn im Oktober 2020 genau 37.40 Euro, von denen 640 Euro auf die Metallic-Lackierung entfielen. Bei Testende war ein vergleichbarer CR-V kostspieliger: 41.550 Euro inklusive Lack in Modern Steel metallic (700 Euro).

Honda CR-V 2.0 i-MMD Hybrid 2WD
Heinrich Lingner

Fünfsitziger SUV, 184 PS (135 kW), 0–100 km/h 7,8 s, Höchstgeschw. 180 km/h, Verbrauch 7,9 l/100 km, ab 51.400 Euro (CR-V e:HEV 6. Gen.)

So oder so fällt die Serienausstattung umfangreich aus. Ein gut funktionierender Adaptiv-Tempomat inklusive Stauassistent, eine Rückfahrkamera sowie ein meist zuverlässiger Spurhalter sind beispielsweise immer an Bord. Ebenso ein Navigationssystem mit sieben Zoll kleinem Touchscreen – doch es zählt zu den Komponenten des Wagens, an denen selbst ausgesprochene CR-V-Freunde wenig Gefallen finden: Zähe Routenberechnung, veraltete Kartendaten, fehlende oder falsche Verkehrshinweise gehören zu den nervigsten Auffälligkeiten des Garmin- Navis. So vermerken nicht wenige Fahrzeugnutzer, dass sie lieber auf CarPlay-Lösungen per Smartphone zurückgreifen. Die Anbindung per Bluetooth klappt meist problemlos.

Überhaupt stehen Infotainment und Bedienung nicht selten im Fokus kritischer Notizen auf den Begleitkarten. Wirre Menüführung, das wenig übersichtliche Digital-Display oder die umständliche Bedienung des Bordcomputers zählen zu den notierten Ärgernissen. Immerhin: Es gibt noch einen klassischen Knopf, um den Tageskilometer-Zähler zu nullen. Die Klimabedienung mit großen Drehreglern gefällt ebenfalls, ebenso die Wirksamkeit der Zweizonen-Klimatisierung, die auch im Winter schnell für wohlige Wärme sorgt.

Auf weniger Gegenliebe stoßen dagegen Material- und Verarbeitungsgüte im Interieur, die sich etwa in sehr plastikmäßigem Holzdekor im Cockpit, einem lieblos eingekleideten Kofferraum und der wackligen Laderaumabdeckung offenbaren. Auffallend auch die schepperig ins Schloss fallenden Türen. Das alles hinterlässt einen eher mäßigen Qualitätseindruck.

Doch selbst nach fast drei Jahren und mehr als 30 Fahrzeugnutzern wirkt das Interieur kaum anders als am ersten Tag. Offenbar sind die Werkstoffe widerstandsfähiger, als es auf den ersten Blick scheint. Sogar die anfangs misstrauisch beäugten Stoffsitze zeigen sich in einwandfreiem Zustand. Die serienmäßigen LED- Scheinwerfer fallen hingegen mit mäßiger Leuchtwirkung und traniger Fernlichtregelung auf.

Der Antrieb fordert Geduld

Das war es nun beinahe schon mit den negativen Seiten des CR-V. Denn nun kommen wir zum komplexen Antrieb. Der verfügt keinesfalls – wie oft fälschlicherweise vermutet – über ein CVT-Getriebe. Sondern über gar keines, jedenfalls kein Wechselgetriebe. Der Zwei-Liter-Benziner (145 PS) greift nur in einem bestimmten Fahrzustand direkt auf die Antriebsräder zu, nämlich bei rund 80 bis 120 km/h und nicht zu hoher Lastanforderung. Ansonsten kümmern sich die beiden E-Motoren um den Vortrieb. Der größere von ihnen ist direkt mit den Vorderrädern verbunden, der kleinere mit dem Benzinmotor. Ist spontan hohe Leistung gefordert, dreht der Benziner in den optimalen Lastbereich hoch; der kleine Elektromotor lädt als Generator den Akku im Heck, und der größere – 135 kW sowie 315 Nm stark – treibt die Räder an. So entsteht jener Stufenlos-Effekt, bei dem Drehzahl und Geräuschkulisse des Benziners scheinbar in keinem unmittelbaren Zusammenhang zu Fahrpedalstellung und Tempozuwachs stehen. Das störte einige Nutzer mehr, andere weniger.

Lahm ist der Honda übrigens nicht: Aus dem Stand eilt der 1.611 Kilogramm schwere SUV in knapp acht Sekunden auf 100 km/h. Für hohen Autobahn-Speed oder schnelle Landstraßenfahrt ist das Hybridsystem dennoch nicht so geeignet.

Honda CR-V 2.0 i-MMD Hybrid 2WD
SYSTEM

19 Zentimeter Bodenfreiheit erlauben auch mal kurze Fahrten abseits der Straße.

Entspanntes Gleiten liegt dem maximal 180 km/h schnellen CR-V mehr. Das kann er richtig gut, der Antrieb wirkt dann geschmeidig, die Wechsel zwischen E-Betrieb bei niedrigen Geschwindigkeiten und Benzin- oder parallelem Hybridbetrieb vollziehen sich kaum spürbar. Auf Dauer erzieht dieses über 100.000 Kilometer hinweg sehr pflegeleichte Hybridsystem zu einem gemäßigten und damit entspannten Fahrstil, der sich übrigens auch finanziell lohnen kann. Zahm bewegt liegt der Spritkonsum im Bereich des WLTP-Verbrauchs von 6,5 Litern pro 100 km. Dass es in unserem Dauertest im Schnitt etwas mehr wurde (7,9 l/100 km), liegt vor allem daran, dass der Honda häufig auf Dienstreisen mit hohem Autobahn-Anteil unterwegs war. Verbräuche um die zehn Liter je 100 Kilometer sind dabei leider keine Seltenheit.

Komfort hat klar Vorrang

Die letzten 14 Zeilen widmen wir dem hohen Reisekomfort. Der praktisch eingerichtete Honda interessiert sich überhaupt nicht für Sport, er federt stattdessen besonnen, ohne zu schaukeln, und punktet Tag für Tag mit seinen bequemen Sitzplätzen – vorn und hinten. Dass sich die Fondinsassen auf sehr viel Beinfreiheit freuen können und der leicht beladbare Kofferraum mit 497 Litern nicht zu klein ausfällt, macht den grauen SUV noch attraktiver. Auch hier, lieber F-H 6024, gilt also: alles richtig gemacht.

Fünf reguläre Inspektionen, keine außerplanmäßigen Werkstattaufenthalte und auch sonst über die gesamte Laufzeit kaum ein Ärgernis – damit zählt der Honda zu den drei zuverlässigsten SUV, die jeden Dauertest absolviert haben. Die hohen Kilometerkosten von 16 Cent erklären sich durch die teils stark gestiegenen Spritpreise seit Testbeginn im Oktober 2020.

Dauertest Abschluss

1.994 km

Im Oktober 2020 geht der graue CR-V als Elegance an den Start

17.747 km

Erste Inspektion mit Ölwechsel (4,1 Liter) für lediglich 245 Euro

36.361 km

Zweite Inspektion mit Ölwechsel und Pollenfilter für 295 Euro

56.537 km

Dritte Inspektion mit frischem Öl und Luftfilterwechsel. Kosten: 334 Euro

75.971 km

Bei der vierten Inspektion steht auch der Wechsel von Pollenfilter und Getriebeöl an (480 Euro)

90.843 km

Fünfte Inspektion mit Ölwechsel (267 Euro) und neuem Wischerblatt hinten

102.009 km

Ende des Dauertests mit erneutem Messen der Fahrleistungen

Positiv

Komfort: Gute Federung, bequeme Sitze und niedrige Abrollgeräusche machen das Reisen angenehm.

Nutzwert: Immer gut: viele Fächer und viel Laderaum.

Negativ

Motor: Zügig gefahren, beschwert sich der CR-V mit Geheule und hohem Verbrauch.

Navigation: Kleiner Screen und langsamer Rechner – das geht besser.

Erstaunlich viel Flugrost an Fahrwerksteilen

Kurz vor Schluss muss der Honda CR-V noch einen umfangreichen Check in den Hallen von GTÜ-Prüfer Struck in Pforzheim überstehen.

Auf Basis der Hauptuntersuchung werfen wir zum Abschluss noch einen gründlichen Blick auf Verschleiß, Schäden sowie andere kleine Mängel am Fahrzeug und lesen den Fehlerspeicher aus. Hier hat Ingenieur Christoph Struck einiges zu notieren und monieren. Der Flugrost an Längsträger, weiteren Fahrwerksteilen und Auspuffanlage fällt im Vergleich zu anderen Dauertestwagen dann doch etwas zu üppig aus. Offenbar legt Honda hier nicht allzu viel Wert auf eine solide Konservierung. Dafür verblüfft uns der CR-V mit einem Fehlerspeicher ohne einen einzigen Eintrag. Ein paar Tage später liegt das Wertgutachten im E-Mail-Postfach: Der Händlerverkaufswert des einst 37.840 Euro teuren SUV liegt bei guten 24.075 Euro.

Erfahrungen der Leser

Ich fahre seit November 2019 den CR-V Hybrid Lifestyle mit Allradantrieb und beigen Ledersitzen. Bestätigen kann ich, dass es sich hierbei um ein leises, komfortables und wirtschaftliches Auto handelt. Durch meine Fahrweise habe ich zurzeit einen Durchschnittsverbrauch von 6,3 Litern pro 100 km bei bislang 5.700 gefahrenen Kilometern. Kritik am Infotainment-System ist dagegen berechtigt, denn gegenüber dem Vorgänger ist eigentlich keine Verbesserung eingetreten. Aus meiner Sicht muss sich dafür die Innenausstattung nicht vor Premium-Modellen verstecken.

Peter Zieschang, 12627 Berlin

Seit dem 17.1.2019 fahren wir den Honda CR-V Hybrid und haben bereits 48.736 Kilometer zurückgelegt, mit einem Durchschnittsverbrauch von 6,5 l/100 km. Parallel dazu fahren wir auch einen Honda CR-V 2.0 Benziner mit 156 PS, und das seit dem 28.11.2014. Selbst bei gleichzeitiger Fahrt der beiden Fahrzeuge "hintereinander" auf derselben Strecke ist der Verbrauchsvorteil erkennbar, der tatsächliche Unterschied liegt bei 1,5 bis zwei Liter – bei deutlich besseren Fahrleistungen und erheblich höherem Komfort. An Ausfällen oder Reparaturen war bisher nichts zu beklagen. Vor Kurzem wurde bei einem Honda-Rückruf die Kraftstoffpumpe ersetzt.

Bei der Bedienung gibt es wenig zu klagen. Die Fingerabdrücke auf dem Display sind mittlerweile (durch Sommerhitze oder UV-Strahlung) eingebrannt, und selbst beim Händler gab es keine Möglichkeit, sie vernünftig zu entfernen (keine Sonnencreme verwendet). Displaygröße und Reaktionszeit erscheinen mir auch nicht mehr ganz zeitgemäß. Was ebenfalls noch verbessert werden könnte, ist die Kapazität der Batterie. Bei längeren Bergabfahrten könnte mehr Energie rekuperiert werden, wenn sie etwas größer ausfallen würde. Bei kurzzeitigem Rangieren auf unserem Grundstück schaltet das Auto bei kaltem Wetter stets sofort den Verbrenner an. Dieses Verhalten lässt sich auch durch manuelle Auswahl der Antriebsart (EV-Taste) nicht unterbinden.

Oliver Schmid, 71554 Weissach im Tal

Ich fahre den CR-V als Hybrid mit Allradantrieb seit April 2019, ein sehr angenehmes Fahrzeug. Der Verbrauch bewegt sich selbst bei Autobahntempo im Dieselbereich. (Ich hatte vorher acht Jahre den CR-V III als 2.2 DTEC.) Im Durchschnitt bei viel Kurzstreckenbetrieb im bergigen Oberfranken verbraucht er um die sieben Liter pro 100 Kilometer. In flacheren Gegenden schafft man auch, mit weniger als sechs Litern hinzukommen. Bisher gab es keine Probleme auf 38.000 Kilometern.

Einzige konstruktive Schwachstelle ist die relativ kleine Starterbatterie. In Verbindung mit der über Honda vertriebenen Standheizung (Eberspächer) kommt sie an ihre Grenzen und kann leer gesaugt werden. Hier hilft dann nur noch Starthilfe.

Michael Fickel, 95032 Hof

Vor- und Nachteile
Sehr sicher und zuverlässig
Angenehmer Reisewagen
Komfortable Federung
Hohe Alltagstauglichkeit
Bequeme Rückbank
Schnelle und kräftige Heizung
Zahlreiche und große Staufächer
Großes Gepäckraumvolumen
Niedrige und breite Ladekante
Vorwiegend einfache Bedienung
Zuverlässige Verkehrszeichen-erkennung
Teils mauer Qualitätseindruck
Langsames Infotainment und Navi
Kleine Kartendarstellung
Geringe Variabilität
Je nach Fahrstil sehr lauter Motor
Teils hoher Verbrauch
Langsamer Fernlichtassistent
Geringe Stehhöhe unter Heckklappe

Fazit

Herzlichen Glückwunsch

Ohne Ausfälle oder andere Nickligkeiten meistert der Honda CR-V diesen Test mit Bravour und erweist sich als gemütlicher und sehr komfortabler Reisewagen mit viel Platz und Nutzwert. Obwohl die Materialien im Interieur nicht besonders wertig wirken, erweisen sie sich über die Distanz als über- aus haltbar. Der Antrieb arbeitet sehr effizient, nur unter Volllast entwickelt sich der Benziner zum übermäßig lauten Heuler und fordert zudem sehr viel Sprit. Insgesamt bietet der CR-V viel Auto zum fairen Preis.

Technische Daten
Honda CR-V 2.0 i-VTEC Hybrid AWD Elegance
Grundpreis42.950 €
Außenmaße4600 x 1855 x 1689 mm
Kofferraumvolumen497 bis 1692 l
Hubraum / Motor1993 cm³ / 4-Zylinder
Leistung107 kW / 145 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit180 km/h
0-100 km/h8,6 s
Verbrauch5,5 l/100 km
Testverbrauch7,2 l/100 km
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AUTO MOTOR UND SPORT 09 / 2024
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Erscheinungsdatum 11.04.2024

148 Seiten