Abt Audi RS6 und RS7 Legacy Edition
1.000 PS, Wasser/Ethanol-Einspritzung, TÜV-konform

Abt Sportsline hat eine weitere Leistungsstufe für die Legacy Edition auf Basis des Audi RS6 und RS7 entwickelt. Hightech schießt den Vierliter-Biturbo-V8 in ungeahnte Leistungs-Sphären.

Abt Audi RS7 Legacy Edition mit 1.000 PS
Foto: Abt Sportsline GmbH

760 PS und maximal 980 Newtonmeter: Sollte es Menschen geben, die einen Abt Audi RS6 Avant oder RS7 in der Legacy Edition nicht gekauft haben, weil es den Autos an Leistung fehlt, sollten diese ihre Haltung zu dem Thema noch einmal überdenken. Denn die Ingenieure aus dem Allgäu haben vorerst exklusiv für die limitierten Vertreter der Sonderserien ein paar weitere Leistungsstufen eingezogen. Der Gipfel sind fortan 1.000 PS und maximal 1.150 Newtonmeter – "alles eingetragen und für deutsche Straßen zugelassen", wie Abt Sportsline auf Nachfrage von auto-motor-und-sport.de bestätigte.

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Wir erinnern uns: Als Serienauto liefern ein Audi RS6 Avant und ein RS7 eine Leistung von 630 PS und ein Drehmoment von höchstens 850 Newtonmeter, sofern sie in der Performance-Version geordert werden (Standard: 600 PS und 800 Newtonmeter). Es bedarf der Power-R-Technologie mit neuen Turboladern, einer optimierten Ladeluftkühlung und Luftführung sowie einer neuen Motorsteuerungs-Software, um den Vierliter-Biturbo-V8 auf die ganz zu Beginn erwähnten Werte zu puschen. Wird das Steuergerät in Kempten weiterbearbeitet, erreicht das Triebwerk sogar 820 PS und 980 Newtonmeter – und dient nun als Basis für den Umbau, der die At Audi RS6 und RS7 Legacy Edition in den vierstelligen Leistungsbereich schießt.

Das Zauberwort heißt IWI-Einspritzung

Als nächste Leistungsstufe warten 940 PS und bis zu 1.050 Newtonmeter auf all jene, die ihren RS6 und RS7 Legacy mit diesem neuen Upgrade wählen und 98-Oktan-Kraftstoff tanken. Nun verfügt der Motor beispielsweise über ein Carbon-Ansaugsystem mit vergrößerten Turbo-Lufteinlässen und nochmals optimierte Turbolader. Zudem verpasst Abt Sportsline beiden Power-Audis spezielle Ladeluftkühler mit vergrößerten Lufteinlässen in der Frontschürze. Zum Paket gehören ferner Schmiedekolben mit Verdichtungsreduzierung, verstärkte Pleuel und Kolbenbolzen, ein Sport-Katalysator mit durchlässigerem Ottopartikelfilter, eine daran angepasste Abgasanlage und ein Zusatzölkühler.

Um die Leistung in vierstellige Sphären zu beamen, ist aber ein weiterer Technik-Trick namens "Indirect Water/Ethanol-Injection" (Indirekte Wasser/Ethanol-Einspritzung) – oder kurz: IWI-Einspritzung – nötig. Das System sitzt vor den beiden Drosselklappen und wird über ein eigens entwickeltes Steuergerät kommandiert. "Durch die IWI-Einspritzung gewährleisten wir eine sehr starke Innenkühlung des Motors", erklärt Thomas Biermaier, Geschäftsführer von Abt Sportsline. "Dadurch kann mehr Ladeluft beziehungsweise Sauerstoff für die Verbrennung des Kraftstoffs zugeführt werden, wodurch dauerhaft eine höhere Leistung erzielt wird."

WLTP- und RDE-Prüfung problemlos bestanden

Die reguläre Zulassung für den deutschen Straßenverkehr war kein großes Problem, sagt ein hochrangiger Techniker aus dem Bereich Motorentwicklung und Elektronik. Selbst in der 1.000-PS-Spezifikation bewege ein RS6 und RS7 Legacy bei der sogenannten Typ-I-Prüfung des Abgas- und Verbrauchsverhaltens unter den Grenzwerten – schlicht deshalb, weil es beim geforderten Fahrprofil im Leistungsbereich des Serienautos verbleibe. Ähnliches gelte für die Geräuschmessung. "Lediglich der Katalysator war eine Herausforderung", sagt der Techniker. "Nachdem ein 200- und 300-Zellen-Kat nicht funktioniert hatten, haben wir uns für ein Exemplar mit 400 Zellen und hochwertiger Beschichtung entschieden."

Um die Power auf 1.000 PS und maximal 1.150 Newtonmeter anzuheben, ist im ersten Schritt die Befüllung des Kraftstofftanks mit 102-oktanigem Sprit nötig. Danach braucht es einen einsekündigen Druck auf die RS-Taste am Lenkrad, wenn bereits einer der beiden RS-Fahrmodi aktiviert ist. Der Rest ist ein beherzter Tritt auf das Gaspedal, der eine Beschleunigung von null auf 100 km/h in 3,0 Sekunden ermöglicht – eine halbe Sekunde schneller als die Serienautos mit 600 PS. Deutlich beeindruckender ist der Beschleunigungswert von null auf 300 km/h: 21,2 statt 49,5 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit gibt Abt Sportsline mit 330 km/h an, allerdings für die 820-PS-Version.

Zusatztank mit IWI-Liquid

Obendrein muss der in die Kofferraummulde integrierte Zusatztank ausreichend gefüllt sein, der als Reservoir für das sogenannte IWI-Liquid vorgesehen ist. Der passende Einfüllstutzen befindet sich unter der Tankklappe, ähnlich wie jener für Ad-Blue bei modernen Dieselautos. Der Füllstand lässt sich über das MMI des Audi RS6/RS7 bei aktiviertem Apple Car-Play oder über die My-Abt-App abrufen, über die das Ethanol-Wasser-Gemisch auch direkt im Abt-Shop nachbestellt werden kann.

Was die Optik des Ex- und Interieurs angeht, unterscheidet sich die 1.000-PS-Version – von den größeren Lufteinlässen vorn abgesehen – nicht von der regulären RS6 und RS7 Legacy Edition. Die stärkeren Varianten werden zudem in die bestehenden Kleinserien von jeweils 200 Exemplaren integriert. Es handelt sich also um ein Leistungs-Add-On für den Motor, mit dem sich jedes Abt-Legacy-Modell ausrüsten lässt. Allerdings muss man sich den Spaß leisten können und wollen. Wer das 1.000-PS-Paket samt IWI-Einspritzung und Legacy-Edition-Umbau bucht, zahlt inklusive Montage 205.000 Euro. Hinzu kommen die Kosten für das Basisauto – so sie denn überhaupt gerade konfigurier- und bestellbar sind. Demnach kosteten beide Serienmodelle zuletzt 128.000 Euro in der Standard- und 135.000 Euro in der Performance-Version.

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Fazit

1.000 PS und höchstens 1.150 Newtonmeter: Beeindruckende Werte, die Abt Sportsline unter anderem dank der indirekten Wasser/Ethanol-Einspritzung aus dem Vierliter-Biturbo-V8 des Audi RS6 und RS7 kitzelt. Der Aufwand hat allerdings seinen Preis.

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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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