Seat- und Cupra-Chef über die Marken-Zukunft
Kommt doch noch ein kleiner Elektro-Seat?

"Die Zukunft von Seat ist Cupra", sagte VW-CEO Thomas Schäfer Anfang September 2023 in einem Interview mit der britischen Autocar. Spätestens 2030 sollte Cupra die Traditionsmarke Seat ersetzen. Doch wie geht es mit Seat als Autobauer weiter?

Seat Cupra
Foto: David Ramos via Getty Images

Seat- und Cupra-Chef Wayne Griffiths bekennt sich im neuesten Interview zu beiden Marken. "Das ist kein Entweder-Oder", sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) im Oktober 2023. Berichte, er könnte die Automarke Seat zugunsten von Cupra aufgeben, wies er zurück. "Ich freue mich, dass ich beide Marken habe."

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Seat nicht nur ein Mobilitätsdienstleister?

Ursprünglich hieß es, Seat soll die Stellung als Mobilitätsdienstleister ausbauen – Schäfer meinte damals, man würde für die Traditionsmarke eine Rolle finden. So soll sich Seat um Recycling, Sharing, Abonnements und Mikromobilität kümmern und habe bereits viel Erfahrung mit der Submarke Seat Mó – die in den vergangenen zwei Jahren rund 10.000 Elektrozweiräder auf 15 Märkten verkauft hat.

Doch nun die Kehrtwende: "Wie es dann mit Seat langfristig weitergeht, hängt natürlich mit der Elektrifizierung zusammen", so Griffiths. Seat könnte auch bei den E-Autos die Rolle einer günstigen Einstiegsmarke übernehmen. "Das wäre zumindest mein Ziel", sagte er.

Die Zurückhaltung begründet der Brite, der seit 2020 an der Spitze der spanischen VW-Marke steht: "Bis heute ist es schlicht nicht möglich, mit einem kleinen Elektroauto im klassischen Seat-Segment wirklich Geld zu verdienen. Dafür brauchen wir eine andere Elektro-Plattform und auch günstigere Batterien." Das werde noch einige Zeit dauern. Aber er wolle schon gerne untersuchen, "ob nicht auch ein kleines Seat-Modell als Elektroauto Sinn macht im Konzernportfolio neben VW und Skoda." Auch Schäfer sagte im Autocar-Gespräch mit Blick auf das Potenzial der beiden Marken, es sei unwirtschaftlich, sowohl in Seat als auch in Cupra als Mainstream-Marken zu investieren. Das Gewinnpotenzial für Cupra sei letztlich weitaus größer.

Seat konzentriert sich auf Verbrenner-Modelle

Seat werde sich, so Griffiths zunächst auf die bestehenden Modelle mit Verbrennungsmotor konzentrieren, die man "noch viele Jahre brauchen" werde. "Wir haben auf jeden Fall Zeit bis 2035, bis wir dann wirklich keine Fahrzeuge mehr mit Emissionen verkaufen können. Und bis 2035 wird sich da noch einiges tun in der Entwicklung."

Nach Angaben der niederländische Pressestelle von Seat aus dem Mai 2023 arbeitet Seat an der Überarbeitung der Baureihen Ibiza und Arona, um auch bis ins Jahr 2030 noch Autos mit Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybriden anbieten zu können. Ateca und Tarraco könnten schon vorher verschwinden, hieß es damals aus den Niederlanden. Der ab 2024 überarbeitete Leon dürfte schon nur noch als Cupra Leon auf den Markt kommen.

Position im Volkswagen-Konzern

Als spanischer Arm des VW-Konzerns, der noch dazu als SEAT S.A. firmiert, gehören die spanischen Automarken Seat und Cupra zusammen. Doch unterschiedlicher könnten Anspruch und Wahrnehmung beider Marken kaum sein. Auf der einen Seite der über 70 Jahre alte und ein wenig altmodische Opa Seat, der nicht zum ersten Mal nach seiner Identität innerhalb des Konzernverbundes sucht.

Cupra hingegen soll sich zur reinen Elektromarke wandeln und von Spanien aus weltweit junge Zielgruppen ansprechen. "Nach 2030" (es kann auch 2031 oder 2032 werden), ergänzte Griffiths schon 2022, soll der hippe Zögling vollelektrisch daherkommen. Um zu illustrieren, wie schnell das gehen soll, scheut der Brite nicht den Vergleich mit den ganz Großen: "Cupra wird sich zusammen mit Porsche innerhalb des VW-Konzerns am schnellsten elektrifizieren", sagte er und schob hinterher, dass nicht Seat und Cupra zeitgleich in die E-Mobilität investieren können.

Cupra wird internationaler

Hinzu kommt: Cupra, nicht Seat traut man im spanischen Markenverbund die große globale Perspektive zu. Das hat nicht nur Image-, sondern auch sprachliche Gründe. "Seat hat es da im angelsächsischen Raum einfach schwer", so Griffiths damals. Und ergänzte, ganz im Gegensatz zur aktuellen Meinung, VW brauche keine zweite günstige Einstiegsmarke im Konzern. Dafür gebe es Skoda. Und die Tschechen funktionieren, anders als Seat, global ganz hervorragend, weshalb sie dazu auserkoren wurden, auf preissensiblen Wachstumsmärkten wie Indien die Lokomotive für den VW-Konzern zu verkörpern. Was noch fehlt, ist jugendliche Sportlichkeit, die auf der ganzen Welt vermarktet werden kann. Das soll mit Cupra klappen.

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Fazit

Seats Zukunft als Autohersteller hängt an preiswerten Batterien und einer günstigen Plattform. Dann könnte sich Seat- und Cupra-Boss Griffiths einen elektrischen Einstiegs-Seat im VW-Konzernverbund vorstellen. Klar ist, Seat bleibt als Anbieter von Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren und Plug-in-Hybriden bis mindestens 2030 in der Verantwortung. Danach sollte sich die Marke um Recycling, Sharing, Abonnements und Mikromobilität kümmern – und ggf. einen kleinen E-Seat bauen.