Fahrzeugalter in Deutschland
Autos sind im Schnitt zehn Jahre alt

Autos auf deutschen Straßen werden immer älter. Erstmals durchbricht die Flotte im Schnitt die Dekaden-Grenze. Gründe dafür gibt es viele.

VW Golf VI 1.4 TSI (2008)
Foto: H.-D. Seufert

Das durchschnittliche Alter von Pkw in Deutschland ist seit den 1960er-Jahren stetig gestiegen. Waren Autos Anfang der Achtziger im Schnitt gut fünf Jahre alt, haben sie heute rund doppelt so viel auf dem Buckel. Mit zehn Jahren erreicht die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) in diesem Jahr eine neue Höchstmarke.

Das hat zunächst einmal viele statistische Gründe. Schließlich kann ein gesättigter Fahrzeugmarkt wie in Deutschland nicht mehr allzu stark wachsen. Derzeit umfasst der Fahrzeugbestand rund 50 Millionen Pkw. 1990 fuhren dagegen gerade 30 Millionen Autos auf deutschen Straßen – 1960 waren es keine fünf Millionen.

Das große Gebrauchtwagen-Spezial
Autos werden immer älter
KBA

Das Durchschnittsalter deutscher Pkw ist vor allem vor der Jahrtausendwende steil angestiegen. Seitdem flacht die Kurve ab.

Nachfrage flacht ab

Um einen derart großen Fahrzeugbestand zu erneuern – und damit das Durchschnittsalter zu senken – müsste schon die Mehrheit der Deutschen einen Neuwagen fahren. Trotzdem sind nicht alle Teile der Entwicklung auf den gesättigten Markt zurückzuführen. Schließlich flachte die Kurve schon seit der Jahrtausendwende ab. Dennoch hat das Durchschnittsalter allein in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent zugelegt.

Dass dies überhaupt möglich ist, spricht in erster Linie für die gestiegene Qualität und Haltbarkeit der Fahrzeuge. Autobesitzer scheinen auch mit Autos aus den Baujahren 2010 bis 2015 prima klarzukommen. Als Erinnerung: Wir sprechen hier nicht von Youngtimern, sondern von modernen Alltagsautos wie dem Golf in sechster und siebter Generation. Den Top 20 Gipfel der Haltbarkeit haben wir übrigens in der Galerie für sie zusammengefasst.

Hohe Preise und beliebte Gebrauchte

Ein weiterer Grund für den neuen statistischen Höchstwert liegt in der angespannten Marktsituation der vergangenen Jahre. Corona, Teilemangel, Chipkrise – selbst wer einen Neuwagen kaufen wollte, wurde unter Umständen von höheren Mächten ausgebremst. Die starke Nachfrage führte auf der anderen Seite zu hohen Preisen.

Verschiedene Statistiken weisen allein seit 2020 einen um 16 Prozent höheren Durchschnittspreis von Neuwagen aus. Die Preise für Gebrauchtwagen sind im Schnitt sogar um ein Drittel gestiegen. Beide Trends könnten noch eine Weile andauern – schließlich werden sie auch durch die aufziehende Euro-7-Abgasnorm befeuert. Neue Fahrzeuge würden strengere Emissionsvorschriften teurer, Gebrauchtwagen damit umso gefragter.

Zeitenwende bremst die Entscheidung

Hinzu kommt noch eine andauernde Verunsicherung potenzieller Käufer, die von Inflation und Mobilitätswende bestimmt ist. Jetzt noch einen Verbrenner kaufen oder lieber ein paar Jahre aufs topmoderne E-Auto warten? Diese Frage stellen sich derzeit viele. Und statt einen Neuen zu kaufen, fahren sie ihren Gebrauchten umso länger. Schließlich sind aktuelle Elektrofahrzeuge für viele Interessenten noch kein vollwertiger Ersatz für ihren Diesel oder Benziner.

Ob es in naher Zukunft überhaupt erschwingliche Elektro-Mobilität geben wird, bleibt abzuwarten. Schließlich ziehen sich viele Hersteller schon jetzt aus einigen Volumen-Segmenten zurück, um teurere Fahrzeuge mit mehr Gewinnmarge verkaufen zu können. Man denke nur an das klassische Klein- oder Kleinstwagen. Auch diese Entwicklung dürfte die Nutzungsdauer der aktuell auf den Straßen rollenden Autos verlängern und Gebrauchtwagenschnäppchen in Zukunft seltener werden lassen.

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Fazit

In Deutschland ist das Durchschnittsalter der Fahrzeugflotte weiter gestiegen. Die knapp 50 Millionen Pkw sind im Schnitt erstmals gut zehn Jahre alt. Das liegt zum einen am gesättigten Markt, zum anderen an den Krisen der vergangenen Jahre. So bleiben Gebrauchte mittlerweile viel länger im Besitz als beispielsweise vor der Jahrtausendwende.