E-Auto-Flaute – Hersteller schieben Antriebswende
Brauchen wir Strafsteuern für Verbrenner?

Die Antriebswende verzögert sich: Zahlreiche Autohersteller verschieben das zuvor angekündigte Verbrenner-Aus. Die Superreichen gehen sogar noch einen Schritt weiter und wollen Millionen lieber für rasende Benziner denn für blitzschnelle E-Autos ausgeben.

Brauchen wir Strafsteuern für  Verbrenner?
Foto: Hersteller / Schönfeld

Dass der Verbrennungsmotor längst noch nicht ausgedient hat, liegt vor allem am Preis von E-Autos, so die gängige Einschätzung bislang: Ein Erstwagen-taugliches Alltagsauto ist mit E-Antrieb in der Anschaffung für die meisten Käufer zu teuer und spart im Unterhalt nur denen ordentlich Energiekosten, die zu Hause laden können. Das sind meist Menschen mit Wallbox in der eigenen Garage und mithin die Besserverdienenden.

Autohersteller rudern vom Verbrenner-Aus zurück

Bislang waren die meisten Autohersteller dennoch zuversichtlich, die Antriebswende zu schaffen, ehe die EU 2035 keine Zulassung neuer Autos mit Verbrennungsmotor erlauben will. Aber nicht genug, dass die EU das Neuzulassungsverbot für Verbrenner 2026 noch mal überprüfen möchte. Angesichts der Nachfrage-Delle bei E-Autos (Bildergalerie: die meistverkauften Stromer im April) und dem stabilen Absatz margenstarker Benziner sowie Diesel kassieren zahlreiche Hersteller ihre Absichtserklärungen, schon Anfang der 2030er nur mehr E-Autos anbieten zu wollen. Neuerdings räumen Mercedes, Ford, General Motors und Stellantis dem Verbrenner parallel zum Stromantrieb eine Zukunft ein.

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Nur auf den ersten Blick passt dazu, dass auch Mate Rimac, mit dem Nevera (1.914 PS, 0 – 100 km/h in unter 2 Sekunden, über 350 km/h, 2 Mio. teuer) Elektro-Pionier bei Hypercars, sich nicht mehr auf den E-Antrieb festlegt: "Rimac ist nicht ausschließlich elektrisch – Rimac macht das, was gerade am aufregendsten ist", sagte der Firmenboss. Damit schließt er auch nicht aus, dass sich der Nachfolger des Rimac Nevera vielleicht beim Verbrenner-Prinzip bedient. Praktischerweise ist Mate Rimac ebenfalls CEO von Bugatti und der Nachfolger des Bugatti Chiron setzt bereits auf einen komplett neu entwickelten, 1.800 PS starken V16-Saugmotor (immerhin mit Hybrid-Unterstützung). Vom Nevera haben die Kroaten erst 50 Stück verkauft. Zwar gehören niedrigste Stückzahlen bei Super-Luxus-Artikeln quasi zu den Produkt-Attributen. Aber Rimac hatte die Serie auf 150 Stück limitiert.

Für Superreiche sind Verbrenner Luxus wie Analog-Uhren

Paradoxerweise klingen die Gründe für den Misserfolg des Nevera trotzdem, als wäre der Schwenk auf den E-Antrieb allenfalls eine Frage der Zeit. Denn als Rimac 2017 mit der Entwicklung des Nevera begann, war der mit seinen vier Elektromotoren ein fahrdynamischer Überflieger unter den Supersportwagen. Inzwischen erreichen selbst vergleichsweise erschwingliche Modelle wie das Tesla Model S Plaid oder der Lucid Air fast ebenso schwindelerregende Fahrleistungen. Der frühe Entwicklungsstart stutzt den Nevera innerhalb der noch jungen und dynamischen Entwicklung der Elektro-Technologie inzwischen auf Normalmaß – tödlich für ein Hypercar.

Mate Rimac meint dazu aber außerdem, der Nachfrage-Rückgang nach High-End-Elektrofahrzeugen sei auch darauf zurückzuführen, dass der Massenmarkt immer mehr elektrisch werde. Wohlhabende wollten sich vermehrt mit analogem Fahrgefühl und Verbrennungsmotoren davon absetzen. Und er zieht einen Vergleich zu analogen Armbanduhren, die bei vermögenden Personen hoch im Kurs stehen. "Eine Apple Watch kann alles besser", sagt Rimac. "Sie beherrscht neben der Zeit noch 1.000 weitere Dinge, ist viel präziser und kann Ihre Herzfrequenz in Echtzeit messen. Aber niemand würde 200.000 Dollar für eine Apple Watch bezahlen." Bei einem Auto mit Verbrennungsmotor käme allerdings noch die Sicherheit hinzu, dass man das im Gegensatz zu einer Analog-Uhr irgendwann wohl nicht mehr wird kaufen bzw. nutzen können – die ultimative Verknappung.

Auf dem Massenmarkt zahlt allerdings auch niemand für ein E-Auto rund 40.000 Euro, wenn er einen vergleichbaren Verbrenner für etwa 28.000 Euro bekommen kann (Preise VW ID.3 / Golf) – die Preisbeispiele lassen sich vielfältig ergänzen. Womit wir wieder am Anfang wären.

Strafsteuern für Verbrenner?

Was also tun? Gegen Verbote regt sich oft mit Recht Widerstand. Die E-Auto-Förderung hat hierzulande zwar ganz gut funktioniert, ist aber an der Finanzierbarkeit gescheitert. Frankreich macht es daher umgekehrt: Statt E-Autos nur zu verbilligen, machen unsere Nachbarn Verbrenner mit hohem CO2-Ausstoß teurer. Und der Verbrauch muss gar nicht besonders hoch sein, um Verbrenner empfindlich teuer zu machen: Für einen Durchschnittsverbrauch von etwa 8,1 Liter (7,3 Liter bei Dieselmodellen) werden 60.000 Euro fällig, darüber ist der Malus gedeckelt. Im Gegenzug fördert der französische Staat die Anschaffung eines E-Autos mit 7.000 Euro.

Und eine soziale Komponente hat die Regelung ebenfalls: Im Februar 2024 senkte man die E-Auto-Förderung für einkommensstarke Haushalte von 5.000 auf 4.000 Euro. Das kann man finden, wie man will und ein Aufschlag von 60.000 Euro ist sicher nah am Verbot. Die Lenkungsfunktion dürfte aber erheblich größer sein als die der Umweltprämie bei uns. Nur nicht für die superreichen Kunden von Mate Rimac.

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Gute Idee. So wird die E-Mobililtät weiter gefördert.Frechheit. Diese Lösung wäre schlichtweg unfair.

Fazit

Zahlreiche Autobauer hatten die baldige Abkehr vom Verbrenner angekündigt, wollen aber nun länger an Benzinern und Dieseln festhalten, weil die Nachfrage nach E-Autos schwächelt und sie schlecht daran verdienen. Trotzdem sind Stromer für Autokäufer zu teuer, eine Förderung allerdings auch. Frankreich verteuert Verbrenner per Strafsteuer und verbilligt mit den Einnahmen die E-Autos. An sich nachvollziehbar.

Selbst ein solches Vorgehen bringt allerdings eine Förderung chinesischer E-Autos, deren Dumping-Preise die EU eigentlich bekämpfen will, während unklar ist, ob die europäischen Hersteller den Markt überhaupt mit ausreichend E-Autos versorgen könnten – und ob die Erstwagen-tauglich wären.