Ecell Guard Feuerschutzsystem Elektroautos
Sicherheit bei brennenden Elektroautos

Eine deutsche Firma hat ein Feuerschutzsystem entwickelt, das Katastrophen bei E-Auto-Bränden verhindern soll. Die Idee ist so einfach wie effektiv. So funktioniert es.

Elektroauto Akku Brand Feuer Brandschutz Ecell Guard
Foto: Riester GmbH

Auch wenn die Statistik keine außergewöhnliche Häufung von Elektroauto-Bränden hergibt – sie passieren. Und wenn der Lithium-Ionen-Akku eines Elektrofahrzeugs in Brand gerät, wird es kompliziert. Durch das sogenannte "thermische durchgehen" können einzelne Batteriezellen die benachbarten ebenfalls in Brand setzen, in einer Kettenreaktion brennt dann das ganze Akkupaket ausdauernd und mit enormer Hitzeentwicklung aus, denn den nötigen Sauerstoff erzeugen solche brennenden Akkus fatalerweise selbst.

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Was im Freien noch ein für die Feuerwehr bewältigbarer Einsatz ist, kann in geschlossenen Räumen wie Tiefgaragen schnell zur Katastrophe führen. Nebenstehende Fahrzeuge können mit entzündet werden, außerdem können gravierende Schäden an der Bausubstanz entstehen. Hinzu kommt die schwierige Brandbekämpfung durch die entstehenden hochgiftigen Brandgase und die große Hitze.

Das Feuer wird gebremst, nicht gelöscht

Als mögliche Lösung dieses Problems haben sich Feuerschutzdecken, im Fachjargon Brandbegrenzungsdecken genannt, herausgestellt. Deren Aufgabe ist, wie der Name verrät, die Begrenzung der Brandauswirkungen, nicht das Löschen eines Brandes. Durch Abdecken des brennenden Fahrzeugs soll ein Übergreifen der Flammen auf andere Fahrzeuge und Gebäudeteile verhindert werden, außerdem wird die Hitzeentwicklung und die Freisetzung von Brandgasen reduziert. Auf diese Weise werden wertvolle Minuten gewonnen, um eventuell Personen zu evakuieren und die Feuerwehr für einen Löschangriff heranführen zu können.

Der Maschinenbaubetrieb Riester GmbH aus Aspach in Baden-Württemberg hat nun ein System entwickelt, mit dem solche Brandbegrenzungsdecken automatisch über ein brennendes Fahrzeug geworfen werden. Gedacht ist das Ecell Guard genannte System, um es an Stellplätzen für Elektroautos zu installieren, vom Carport bis zur Tiefgarage.

Funktioniert auch bei Stromausfall

Ecell Guard erkennt über ein Brandmeldesystem automatisch entstehendes Feuer und Rauch am Stellplatz. Sobald hier eine bestimmte Schwelle überschritten wird, löst das System aus. Dabei wird die zusammengerollte Brandbegrenzungsdecke aus einer Kassette herausgezogen und automatisch über das Fahrzeug ausgebreitet, in den beiden Videos hier im Beitrag ist das in Theorie und Praxis dargestellt. Ecell Guard verfügt dabei über eine Notstromversorgung mit Akkus, das System bleibt also auch bei einem Stromausfall "scharf". Das Ausbreiten der Schutzdecke geschieht dabei mechanisch über Federkraft.

Mit der ausgeworfenen Schutzdecke wird der Brand auf das jeweilige Fahrzeug begrenzt und kann nur erschwert auf umstehende Fahrzeuge und die Gebäudestruktur übergreifen. Die so gewonnene Zeit nutzt den Einsatzkräften, die weitere Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Die Decke ist mit 6x8 Meter auch für größere SUV geeignet und widersteht Temperaturen bis zu 1.000 Grad Celsius, kurzfristig sogar bis zu 1.300 Grad. Sie besteht aus Glasfasergewebe und wiegt rund 25 Kilo. Der Hersteller dieser Decken, die Firma Schwender aus Bayreuth, weist auch auf die Wiederverwendbarkeit hin.

Die Riester GmbH, wo das automatisierte Ecel Guard Schutzsystem mit solchen Decken entwickelt wurde, nennt Preise ab rund 10.000 Euro für ein komplettes System, den Vertrieb haben Handelspartner übernommen. Dabei können außerdem einzelne Systeme kombiniert werden, um mehrere nebeneinander liegende Stellplätze abzusichern. Im Zweifelsfall können dann auch neben einem brennenden Fahrzeug stehende Autos automatisch abgedeckt werden, was eine Brandausbreitung zusätzlich erschwert.

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... gering, Benziner und Diesel können auch Feuer fangen.... höher als bei Verbrennern, schon wegen der komplizierten Akkus.

Fazit

Der Ansatz, mit feuerfesten Schutzdecken ein brennendes Elektroauto abzuschirmen, ist bereits seit längerem bekannt. Dadurch kann Zeit gewonnen werden, bis die Feuerwehr eintrifft. Das von der Riester GmbH entwickelte Ecell Guard System übernimmt den automatischen Einsatz einer solchen Brandschutzdecke. Dadurch können zum Beispiel Tiefgaragen-Stellplätze ohne Aufsichtsperson wirkungsvoll geschützt werden.

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AUTO MOTOR UND SPORT 05 / 2024
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Erscheinungsdatum 15.02.2024

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