EU-Studie zur CO₂-Reduktion
Kein Rückgang von Emissionen – seit 12 Jahren

Trotz strenger Vorgaben aus Brüssel stoßen viele Autos ähnlich viele Emissionen aus wie noch vor zwölf Jahren. Lediglich E-Autos schneiden gut ab.

Autos in der Rushhour
Foto: Grafissimo via Getty Images

In den vergangenen Jahren hat die EU einige Maßnahmen ergriffen, um CO₂-Emissionen in vielen Bereichen zu verringern. Laut einer Untersuchung des Europäischen Rechnungshofes hat sich im Verkehrssektor dennoch nicht viel verändert. Trotz hochgesteckter Ziele und strenger Anforderungen stoßen die meisten Pkw demnach die gleiche Menge CO₂ aus wie vor zwölf Jahren.

Seit 2010 gibt es ein EU-weites Flottenziel, das die durchschnittlichen Emissionen von neu zugelassenen Fahrzeugen festlegt. Jeder Hersteller muss die Abgaswerte der Fahrzeuge in sogenannten "Konformitätsbescheinigungen" angeben. Falls dieser Wert überschritten wird, muss der Hersteller Strafe zahlen. Die Ambitionen steigen und das Null-Emissions-Ziel für 2035 ist in Sichtweite. Wieso hat sich laut der Studie also nichts im Vergleich zu vor zwölf Jahren getan?

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Labor- versus Realwerte

Ein Grund hierfür liegt laut der Untersuchung bei den Werten, die das Labor ermittelt, und denen, die Autos tatsächlich ausstoßen. Im September 2017 entstand als Konsequenz des "Dieselskandals" zwar ein neuer Labortestzyklus, der die Ergebnisse etwas besser widerspiegelt; dennoch gebe es weiterhin eine Lücke zwischen den Labor- und den Realemissionen. In den letzten zehn Jahren haben sich laut EU-Rechnungshof die Emissionen der Dieselfahrzeuge nicht verringert und die von Benzinern sind lediglich um 4,6 Prozent zurückgegangen. Der technische Fortschritt bei der Motoreffizienz werde durch die größere Masse der Fahrzeuge (im Durchschnitt +10 Prozent) und die stärkeren Motoren (im Durchschnitt +25 Prozent) aufgewogen.

Eine besonders große Diskrepanz sei zudem bei Hybridfahrzeugen zu beobachten. Diese verursachen in der Bewertung der Luxemburger Behörde deutlich mehr CO₂-Emissionen als im Labor. Grund hierfür seien vor allem die Firmenwagen, bei denen der Verbrennungsmotor häufiger genutzt wird als erwartet. Da meist das jeweilige Unternehmen die Kosten für den Sprit übernimmt, gebe es keine finanziellen Anreize, auch die Batterien aufzuladen. Der Untersuchung zufolge habe die EU mit klassischen Verbrennern oder Hybriden keine Chance, ihre Klimaziele zu erreichen.

Weiter auf E-Autos setzen

Für die EU-Prüfer steht fest, dass weiter verstärkt auf E-Autos gesetzt werden müsse. Die Neuzulassungen von Stromern sind seit dem Jahr 2018 (eine von 100 Neuzulassungen) bis 2022 (eine von sieben Neuzulassungen) deutlich angestiegen. Das habe vor allem in den letzten Jahren die CO₂-Emissionen verringert. Die Verbreitung von E-Autos müsse dennoch an Tempo gewinnen. Dabei gibt es aber auch einige Bedenken seitens der Untersuchung.

Die erste Hürde sei der Zugang zu den Rohstoffen, um genügend Batterien herstellen zu können. Außerdem hatten einige EU-Prüfer ebenfalls die Bedenken geäußert, dass 70 Prozent aller Elektro-Ladesäulen in nur drei Ländern (Niederlande, Frankreich und Deutschland) stehen und es somit eine unzureichende Ladeinfrastruktur gebe. Und schließlich spielt auch der Preis der Elektrofahrzeuge eine entscheidende Rolle. Aufgrund der höheren Anschaffungskosten ziehen es viele Verbraucher vor, weiterhin ihren Verbrenner zu behalten.

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Fazit

Laut einer Untersuchung des Europäischen Rechnungshofes haben sich die CO₂-Emissionen im Verkehrssektor in den letzten zwölf Jahren nicht nennenswert verringert. Grund hierfür sind die stärkere Motorisierung und der Unterschied der Schadstoff-Messwerte im Labor zu jenen, die Fahrzeuge real erzeugen. E-Autos tragen deutlich dazu bei, die Emissionen zu verringern. Allerdings äußert die Untersuchung auch Bedenken im Hinblick auf die Herstellung der Batterien, die Ladeinfrastruktur in Europa und die Anschaffungskosten.

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