Consumer Reports testet Fahrassistenz-Systeme
Teslas Autopilot stürzt ab

Experten von Consumer Reports haben wieder Systeme zum teilautonomen Fahren getestet. Teslas Autopilot landet nur im Mittelfeld. Die Fahrerüberwachung erweist sich als Schlüsseltechnologie.

Tesla Autopilot
Foto: Tesla

Consumer Reports ist eine unabhängige US-Verbraucherschutz-Organisation, die regelmäßig auch die Fähigkeiten von Autos untersucht. Bereits 2020 hatten die Test-Experten die Fahrassistenz-Systeme verschiedener Autohersteller verglichen. Damals konnte Super Cruise von GM Teslas Autopiloten knapp schlagen. Einer der wichtigsten Punkte für GMs Sieg über Tesla war die bessere Überwachung der Aufmerksamkeit des Fahrers. Ende 2022 hat Consumer Reports die Modelle von zwölf Herstellern verglichen – im Vergleich zu 2020 haben sich die Platzierungen teilweise deutlich verschoben. Neuer Sieger ist Fords BlueCruise, dann folgt GM mit Super Cruise – Tesla landet mit seinem Autopiloten auf Rang sieben von zwölf.

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Die Systeme zum teilautonomen Fahren basieren im Wesentlichen auf einer Kombination aus einem adaptiven Abstandstempomaten und einem Spurhalte-Assistenten. Die Tester von Consumer Reports haben nur Fahrzeuge getestet, die ein gleichzeitiges Nutzen dieser beiden Systeme ermöglichen. Außerdem mussten bestimmte Parameter erfüllt sein – wie beispielsweise das Erreichen von einer Mindestgeschwindigkeit. Modelle von Mazda haben die geforderten Voraussetzungen nicht erfüllt. Entsprechend ausgestattete Fahrzeuge von Jaguar/Land Rover, Lucid, Porsche, Stellantis (Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Fiat, Jeep, Ram) und Subaru waren zum Zeitpunkt des Vergleichs nicht für die Tester verfügbar.

Vollautonomes Fahren in weiter Ferne

Modelle folgender Hersteller sind im Test gegeneinander angetreten: BMW, Ford/Lincoln, GM (Chevrolet/GMC/Cadillac), Honda/Acura, Hyundai/Kia/Genesis, Mercedes, Nissan/Infiniti, Rivian, Tesla, Toyota/Lexus, Volvo/Polestar und VW/Audi. Zwischen September und Dezember 2022 hat Consumer Reports die Assistenzsysteme auf seinem 327 Hektar großen Auto-Testgelände im US-Bundesstaat Connecticut und auf einer 50-Meilen-Schleife (80 Kilometer) im öffentlichen Straßenverkehr getestet. Zu den 40 separaten Tests pro Fahrzeug haben das Lenken, das Regeln der Geschwindigkeit, die Sicherheit des Fahrers und die Fahrerüberwachung gehört.

Fords BlueCruise (Lincoln: ActiveGlide) hat die Tester am meisten überzeugt – mit einer 84-Punkte-Bewertung lässt BlueCruise seine Wettbewerber weit hinter sich. Jake Fisher, Autotest-Chef bei Consumer Reports, betont, dass Assistenz-Systeme das Fahren sicherer machen können. Allerdings ermöglichen die Systeme kein vollautonomes Fahren – diese Fähigkeiten seien noch in sehr weiter Ferne. Und wenn der Fahrer bestimmte Sachen falsch mache, sei das Fahren mit solchen Systemen gefährlich.

Teslas Autopilot nicht auf dem Stand der Technik

Dass Tesla mit einem siebten Platz enttäuscht, liegt laut den Consumer-Report-Experten daran, dass die Tesla-Ingenieure den Autopiloten in seiner grundlegenden Funktionalität seit Jahren nicht geändert, sondern immer nur neue Funktionen hinzugefügt haben. Fisher bemängelt, dass der Autopilot kein ausreichend kooperatives Fahren ermögliche und dass die Fahrer-Überwachung nach wie vor unzureichend sei. Die Konkurrenz sei Tesla in dieser Hinsicht längst davongeeilt.

Das Problem bei für das teilautonome Fahren gedachten Assistenzsystemen ist, dass sie den Fahrer in Sicherheit wiegen. Pnina Gershon, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Bostoner MIT AgeLab und am MIT Center for Transportation & Logistics (MIT: Massachusetts Institute of Technology) hat Untersuchungsdaten ausgewertet, die zeigen, dass Fahrer schon nach einer kurzen Nutzungsdauer ein übermäßig hohes Vertrauen in die Assistenzsysteme haben. Menschen, die mit eingeschalteten Assistenzsystemen fahren, sind deutlich unaufmerksamer unterwegs als Fahrer, die sich nicht auf solche Technik verlassen können, warnt Gershon. "Automatisierung zielt darauf ab, Ressourcen freizusetzen, und es überrascht nicht, dass Fahrer diese 'freigesetzten' Ressourcen für andere Dinge als das Fahren nutzen", zieht Gershon Bilanz. Deshalb sei eine lückenlose Fahrer-Überwachung so wichtig.

Immer höhere Gewichtung von Fahrerüberwachung

Ford und GM holen bei dieser Fahrer-Überwachung die meisten Punkte. Beide überwachen mit Infrarotkameras, ob die Fahrer ihre Augen auf das Verkehrsgeschehen richten. Stellt die Technik einen Aufmerksamkeitsverlust fest, alarmiert sie den Fahrer. Wenn er dann nicht reagiert, verlangsamt das System das Fahrzeug. Die Sicherheits-Experten von Consumer Reports gehen davon aus, dass ein derartiges Direct Driver Monitoring System (DDMS) der Schlüssel zu einem funktionsfähigen Fahr-Assistenzsystempaket ist. Ab Herbst 2023 werden sie dem DDMS bei solchen Test noch ein viel höheres Gewicht einräumen als bisher.

Die Tester mussten feststellen, dass viele Systeme den Fahrer nicht angemessen überwachen – bei einigen reicht nach wie vor das kurzzeitige Berühren des Lenkrads. Kelly Funkhouser, bei Consumer Reports Manager für Fahrzeugtechnologie, gibt zu bedenken, dass es sehr einfach ist, das Lenkrad zu berühren, ohne auf die Straße zu schauen. Ebenfalls besorgniserregend findet Funkhouser, dass einige Hersteller die Intervalle zum freihändigen Fahren zu lange auslegen. Explizit nennt er den Drittplatzierten Mercedes mit seinem Driver-Assistance-System und Tesla, die beide 30 Sekunden teilautonomer Fahrt ermöglichen, bevor der Fahrer wieder die Hand ans Lenkrad legen muss. Auf der Autobahn könnte der Fahrer so eine halbe Meile (805 Meter) zurücklehnen, ohne auf den Verkehr zu achten, ist Funkhouser besorgt.

Mercedes Drive Pilot
Mercedes-Benz AG
Bei den Assistenzsystemen von Mercedes (Bild) und Tesla bemängeln die Tester, dass die Intervalle zum freihändigen Fahren mit 30 Sekunden viel zu lang bemessen sind.

Deutsche Hersteller mit sehr guten Ergebnissen

Im Assistenzsystem-Test von Consumer Reports schneiden die deutschen Hersteller insgesamt aber sehr gut ab: Während Mercedes hinter Ford und GM auf dem dritten Platz landet, ist BMW Vierter und VW hinter Toyota Sechster. Tesla auf Platz sieben heimst mit 61 Punkten nur zwei Punkte mehr ein als das Elektro-Start-up Rivian. Nissan und Honda folgen auf den Plätzen neun und zehn, während Volvo auf dem elften Rang landet und Hyundai mit 47 Punkten das Schlusslicht bildet.

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Fazit

Inzwischen belegen es wissenschaftliche Untersuchungen: Fahr-Assistenzsysteme sorgen bereits nach kurzer Zeit dafür, dass die Fahrer ihnen übermäßig vertrauen und in der Folge dem Straßenverkehr weniger Aufmerksamkeit widmen als ohne solche Systeme. Damit können Assistenzsysteme nur ein Sicherheitsgewinn sein, wenn sie gleichzeitig die Aufmerksamkeit des Fahrers permanent und effektiv überwachen. Die Fahrerüberwachung inklusive Alarmierung und Verlangsamung des Fahrzeugs bei erkannter Unaufmerksamkeit sorgt auch dafür, dass der Fahrer die Assistenztechnik nicht als Komfortgewinn, sondern als zusätzliche Sicherheitsebene versteht.

Ford und GM gewinnen den Vergleich, weil ihre Systeme gut arbeiten und die Technik den Fahrer angemessen überwacht. Die deutschen Hersteller schneiden mit den Plätzen drei für Mercedes, vier für BMW und sechs für VW ebenfalls gut ab. Tesla scheint die Entwicklungen zu verschlafen und stürzt mit seinem Autopilot-System auf den siebten Platz ab.