Inflation Reduction Act - E-Auto-Förderung USA
Strengere Regeln, Liste schrumpft, ID.4 betroffen

Ob ein E-Auto in den USA steuerlich gefördert wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Die komplizierten Regeln führen zu einem Hin und Her bei der Frage, welche Modelle profitieren und welche nicht, wie die Beispiele VW ID.4 und Tesla zeigen.

2023 VW ID.4 Elektro-SUV US-Modell
Foto: Volkswagen of America, Inc.

Im August 2022 wurde in den USA der "Inflation Reduction Act" (IRA) verabschiedet. Anders, als es dessen Name suggeriert, soll das Gesetz jedoch nicht nur die Inflation und deren Auswirkungen reduzieren. Es umfasst in erster Linie eine lange Liste an Verordnungen für den Klima- und Umweltschutz. Hinzu kommen Steuerreformen und Neuerungen bei der gesetzlichen Gesundheitsvorsorge. Das finanzielle Gesamtvolumen: rund 433 Milliarden Dollar, aktuell umgerechnet knapp 396 Milliarden Euro.

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Mit dem IRA wurde eine Kaufprämie für Elektroautos verabschiedet. Formell handelt es sich um eine Steuergutschrift von bis zu 7.500 Dollar (etwa 6.850 Euro), die beim Kauf des Autos vom Preis abgezogen wird. Eine solche gab es bereits früher, aber die Regelung wurde angepasst: Die zuvor gültige Obergrenze von 200.000 Fahrzeugen je Hersteller fiel weg. Mit dem Ergebnis, dass einige Modelle der absatzstarken E-Auto-Bauer General Motors, Ford oder Tesla mit Inkrafttreten des IRA wieder förderfähig sind beziehungsweise dies zeitweise waren. Die Käuferinnen und Käufer eines Plug-in-Hybriden kommen ebenfalls in den Genuss der Kaufprämie, sofern das gewünschte Auto über eine Batterie mit einer Kapazität von mindestens sieben Kilowattstunden verfügt.

Sehr strenge Voraussetzungen

Sehr streng stellen sich die Bedingungen dar, die ein förderfähiges E-Auto in den USA mitbringen muss. Erste Voraussetzung: Um aktuell in den Genuss der Gutschrift zu kommen, muss es in Nordamerika montiert worden sein. Weiteren Vorgaben ab 2024 zufolge werden nur noch Modelle mit dem vollen Fördersatz subventioniert, wenn ihre Batteriekomponenten nicht aus einem als "bedenklich" angesehenen Land stammen; als solche Länder gelten zum Beispiel China, Russland, Nordkorea oder der Iran. Von 2025 an gilt diese Vorgabe auch in Sachen Batterie-Rohstoffe, wobei die Autolobby mit der Regierung hier eine zweijährige Übergangsfrist für einige bestimmte Mineralien aushandeln konnte. Diese sollen laut US-Finanzministerium zwar nur etwa zwei Prozent aller Akku-Rohstoffe ausmachen. Trotzdem kündigte Joe Manchin, der im US-Senat als Politiker der Demokraten den Energieausschuss leitet, bereits an, diese Ausnahme bekämpfen zu wollen.

Ergänzend treten weitere Regeln in Kraft, dank derer die USA perspektivisch zum großen E-Auto-Batterie-Produzenten aufsteigen wollen. Demnach fließt der erste Teil von 3.750 Dollar nur dann, wenn mindestens 40 Prozent der für die Akkus nötigen Mineralien aus den USA oder Ländern stammen, die ein Freihandelsabkommen mit den Vereinigten Staaten haben. Die zweite Hälfte gibt es erst, sollten zudem 50 Prozent oder mehr aller Batteriekomponenten aus solchen Nationen kommen. Beide Prozentwerte sollen über die Jahre ansteigen, bis auf 100 Prozent im Jahr 2029.

So äußert sich die US-Autoindustrie

Nachdem die US-Autoindustrie die scharfen Regeln bei deren Verabschiedung noch als unrealistisch kritisierte, sind die Stimmen aus Detroit und Umgebung sowie Texas, wo sich inzwischen der Stammsitz von Tesla befindet, inzwischen versöhnlicher. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sieht sich General Motors "gut aufgestellt, um den Kaufanreiz für viele unserer E-Fahrzeuge im Jahr 2024 und darüber hinaus aufrechtzuerhalten". Allerdings sind zum Jahreswechsel einige Elektro-Modelle des Autokonzerns von der Förderliste verschwunden (siehe unten). Das Ford-Management fragt sich ferner, ob die Kriterien weiterhin die eigene, zusammen mit dem chinesischen Batterie-Giganten CATL geplante Akkufabrik im US-Bundesstaat Michigan abdecken oder mit entsprechenden Batterien ausgerüstete Autos womöglich nicht förderfähig wären.

Japan und die USA haben gerade noch rechtzeitig ein Handelsabkommen bezüglich Akku-Mineralien geschlossen, Südkorea strebt Ähnliches an. Laut US-Finanzministerium können solche Verträge künftig einem umfassenden Freihandelsabkommen gleichgestellt sein. Das wird von einigen US-Politikern sehr kritisch gesehen, vor allem von Joe Manchin. "Amerikanische Steuergelder sollten nicht verwendet werden, um Arbeitsplätze im Ausland zu unterstützen", sagt der Demokrat, der als treibende Kraft hinter den strengen Förderrichtlinien gilt, Reuters zufolge. Die Regelung ignoriere die Absicht des IRA.

Europa sieht sich benachteiligt

In Europa, das nach dem Stopp der TTIP-Gespräche Ende 2016 noch immer kein Freihandelsabkommen mit den USA unterhält, wird der IRA ebenfalls kritisch gesehen – insbesondere die Regelungen zur E-Auto-Förderung. Die EU-Kommission sieht in den Steuererleichterungen eine Benachteiligung europäischer Unternehmen und fürchtet, dass hiesige Autohersteller aufgrund der Regeln lieber in den USA statt in Europa investieren. Als Antwort auf die IRA hat die EU-Kommission inzwischen ein eigenes Subventionsprogramm vorgestellt: den sogenannten "Green Deal Industrial Plan" (GDIP).

Ob die US-Steuerprämie für ein E-Auto oder PHEV gewährt wird, hängt von weiteren Faktoren ab. Sie kommt nur für Modelle mit einem Kaufpreis bis 55.000 Dollar (Standard-Pkw; rund 50.300 Euro) oder 80.000 Dollar (SUV, Pick-ups und Nutzfahrzeuge; gut 73.000 Euro) infrage. Sowie für Käuferinnen und Käufer, die brutto nicht mehr als 150.000 Dollar (ungefähr 137.000 Euro) als Einzelperson oder 300.000 Dollar (274.000 Euro) pro Haushalt verdienen. Beim Kauf eines "mindestens zwei Modelljahre" alten und höchstens 25.000 Dollar (22.900 Euro) teuren gebrauchten Elektroautos gibt es eine Steuergutschrift von 4.000 Dollar (etwa 3.750 Euro). Allerdings nur dann, wenn exakt für dieses Auto nicht bereits die Neuwagenförderung in Anspruch genommen wurde.

ID.4 und viele andere fliegen von der Liste

Aufgrund der strengen Voraussetzungen war die Liste der voll förderfähigen Elektroautos und Plug-in-Hybride von Beginn an sehr kurz (siehe Tabelle). Immerhin befanden sich in der ersten Version darauf nicht nur Produkte von US-Herstellern, sondern auch jene ausländischer Marken wie Nissan und Volvo, die das jeweilige Modell für die nordamerikanischen Märkte vor Ort bauen. Aus Deutschland waren anfangs Audi (Q5 Plug-in-Hybrid) und BMW (3er und X5 Plug-in-Hybrid) Nutznießer der neuen Regeln. Kurze Zeit später kam der VW ID.4 (siehe Video nach dem ersten Absatz) hinzu, der damit immerhin knapp ein Jahr lang von der US-E-Auto-Förderung profitierte.

Förderfähige E-Autos und PHEV in den USA (Stand: 08.01.2023)

Modelljahr

Modell

Antriebsart

Fördersumme

Maßgebliches Preislimit

2022/23

Chevrolet Bolt EUV

BEV

7.500 Dollar

55.000 Dollar

2022/23

Chevrolet Bolt EV

BEV

7.500 Dollar

55.000 Dollar

2022 - 2024

Chrysler Pacifica

PHEV

7.500 Dollar

80.000 Dollar

2022/23

Ford Escape Plug-in-Hybrid

PHEV

3.750 Dollar

80.000 Dollar

2022/23

Ford F-150 Lightning

BEV

7.500 Dollar

80.000 Dollar

2022 - 2024

Jeep Grand Cherokee 4xe

PHEV

3.750 Dollar

80.000 Dollar

2022 - 2024

Jeep Wrangler 4xe

PHEV

3.750 Dollar

80.000 Dollar

2022/23

Lincoln Corsair Grand Touring

PHEV

3.750 Dollar

80.000 Dollar

2022/23

Rivian R1S

BEV

3.750 Dollar

80.000 Dollar

2022/23

Rivian R1T

BEV

3.750 Dollar

80.000 Dollar

2022/23

Tesla Model 3 Performance

BEV

7.500 Dollar

55.000 Dollar

2023

Tesla Model X Long Range

BEV

7.500 Dollar

80.000 Dollar

2022/23

Tesla Model Y

BEV

7.500 Dollar

80.000 Dollar

Die Vergangenheitsform am Satzende ist kein Versehen, denn mit Inkrafttreten der neuen Förderrichtlinien zum jüngst erfolgten Jahreswechsel musste sich der in Chattanooga (Tennessee) gebaute VW-E-SUV von der Liste verabschieden. Dasselbe Schicksal trifft den BMW X5 xDrive50e, der von Spartanburg (South Carolina) aus in die ganze Welt exportiert wird, sowie den erst kurz zuvor in die Förderung integrierten Nissan Leaf. Darüber hinaus streicht das US-Finanzministerium die Prämien für einige US-EV- und -PHEV-Modelle wie unter anderem den Cadillac Lyriq, die neuen Chevrolet-Elektro-Baureihen Blazer, Equinox und Silverado EV sowie den Ford Mustang Mach-E. Die zuvor 23 Autos umfassende Liste schrumpft damit auf nur noch 13 Modelle; sie stammen ausschließlich von US-Herstellern.

Verwirrung um Tesla

Darunter befinden sich drei Tesla-Baureihen, wobei um diese zuvor reichlich Verwirrung herrschte. Das US-Finanzministerium wies bisher alle Model-3- und -Y-Versionen mit 7.500 Dollar Förderung aus. Doch wie konnte das sein, wenn die Basisversionen – wie hinlänglich bekannt – mit günstigen LFP-Akkus (Lithium-Eisen-Phosphat) aus China ausgerüstet werden? Mit welchem Trick Tesla das geschafft hat, war bisher nicht ganz klar. US-Medien spekulierten, dass die Texaner ein Schlupfloch in den Regularien entdeckt hatten. Vereinfacht ausgedrückt erhielt wohl ein Hersteller, der genügend Autos mit "unkritischen" Batterien auf die Straßen brachte, nach einem hoch komplizierten Koeffizienten eine Art Gutschrift für Exemplare mit "kritischen" Akkus und konnte Letztere trotzdem mit voller Förderung anbieten.

Doch mit der Neuerung zum Jahr 2024 schließt die US-Regierung das Schlupfloch. Mit der Folge, dass nur noch einzelne und teils teure Varianten des Model 3 (Performance) und Model X (Long Range) in der Förderliste auftauchen. Lediglich das Model Y ist darauf in all seinen Varianten vertreten.

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Fazit

Die US-Politik hat lange mit sich gerungen, bis der "Inflation Reduction Act" endlich verabschiedet war. Inzwischen gibt es ihn, und er beinhaltet eine Förderprämie für E-Autos und Plug-in-Hybride. Allerdings gelten strenge Regeln, damit elektrifizierte Modelle überhaupt für die Förderung infrage kommen. Entsprechend kurz ist bislang die Liste, die solche Modelle umfasst. Da die Regeln zum Jahreswechsel erneut verschärft wurden, sind damit nun noch weniger E-Autos und Plug-in-Hybride förderfähig als zuvor. Neben einigen US-Baureihen wurden auch der VW ID.4, der BMW X5 xDrive50e und der Nissan Leaf von der Liste gestrichen.