Peter Jost, Leiter Marketing und Vertrieb VW R
„Mehr High-Tech als Racetrack im Fokus“

Peter Jost ist Leiter Marketing und Vertrieb bei Volkswagen R. Im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Jens Dralle verrät er, warum VW mit R in der E-Mobilität nicht die Ersten sein müssen.

Peter Jost VW
Foto: Hans-Dieter Seufert
Herr Jost, Sie sind 2018 von Porsche zu VW R gewechselt. Was war damals Ihre Mission?

In erster Linie ging es darum, R als Premium Performance Marke von Volkswagen klar zu positionieren und bekannter zu machen. So gab es damals beispielsweise keinerlei Social-Media-Aktivitäten. Inzwischen sind wir auf Social Media mit Volkswagen R sehr präsent und haben dort in Summe mehr als sieben Millionen Follower. Natürlich gehört es ebenso zu der Mission, neue R Produkte auf den Markt zu bringen und im Volumen deutlich zu wachsen. Auch das haben wir gut hinbekommen und können auf drei Rekordjahre in Folge zurückblicken. Dazu hat auch die Internationalisierungs-Strategie beigetragen. Früher hing R doch sehr am Tropf von Deutschland und Europa, mittlerweile sind wir in auch in Märkten außerhalb Europas sehr stark, wie beispielsweise in Australien, Taiwan oder Japan. Wir haben uns deutlich breiter aufgestellt und sind nicht mehr so stark von einer Region abhängig.

Unsere Highlights
USA spielt dabei keine Rolle?

Doch, das Geschäft in Nordamerika trägt ebenfalls zum Erfolg bei, obwohl wir dort nur mit dem Golf R vertreten sind, der aber sehr gut läuft. Die USA gehören seit Jahren konstant zu den drei bis vier wichtigsten Märkten für Volkswagen R. Auch in Kanada gibt es eine hohe Affinität für unsere Performance Fahrzeuge.

Die neuen Modelle waren seither ausschließlich Verbrenner. Wird sich das ändern?

Natürlich, denn die Einleitung der Transformation war auch ein Auftrag an mein Team und mich. Da R ein wichtiger Bestandteil von Volkswagen ist, ist der "Way To Zero" auch für uns vorgegeben. Die Weichen sind inzwischen gestellt. Jetzt ist eher die Frage, wie schnell R elektrisch wird. Aktuell diskutieren wir eher darüber, ob wir nicht noch den einen oder anderen Verbrenner nachschieben. Da orientieren wir uns an der Kundennachfrage. Aber die strategische Grundausrichtung ist klar.

Aktuell befinden sich drei R-Modelle im Angebot, der Touareg, der T-Roc und der Arteon Shooting Brake, dessen Ende absehbar ist. Wie viele braucht es denn, damit R als Marke funktioniert?

Nach meiner Einschätzung sind mindestens drei R Modelle erforderlich, um im Markt relevant und sichtbar zu sein. Beim Golf kommt noch der Variant dazu. Damit wären wir bei fünf R Derivaten. Die Stückzahlen sind inzwischen durchaus beachtlich. Immerhin kommen wir aus einer Zeit, in der wir als VW Individual Einzelstücke gefertigt haben. Zuletzt hat R mehr als 32.000 Fahrzeuge im Jahr ausgeliefert, damit sind wir schon sichtbar und zahlen auf die Marke VW ein. Schließlich soll R die Marke VW emotional aufladen. Übrigens ist auch die optisch sehr attraktive Ausstattungslinie R-Line von R abgeleitet. Hier verkaufen wir bei Volkswagen zusätzlich mehr als 300.000 R-Line Pakete weltweit.

Welche Eigenschaften muss ein VW R haben? Wenn man Touareg und Golf betrachtet, zeichnet die beiden schon ein höchst unterschiedlicher technischer Aufwand aus, der beim Golf deutlich ausgeprägter wirkt.

Der Golf R ist der Kern der Marke, also 100 Prozent R-DNA. Wir haben versucht, dessen Kernwerte auf andere Modelle zu übertragen. Das sind Performance, Design, Innovation und Wertigkeit. Daher passt auch der Touareg prima, denn es kommt schließlich darauf an, wie stark diese einzelnen Werte jeweils ausgeprägt sind. Mag sein, dass die Performance beim Golf ausgeprägter ist, dafür glänzt der Touareg bei Design, Innovation und Wertigkeit und zahlt stärker auf diese Säulen der Premium Performance Marke R ein.

Was stand im Lastenheft, als die Modellpflege des Golf aufgesetzt wurde?

Noch mehr Fahrspaß, mehr Leistung, ein etwas aggressiveres Design, auch wenn unsere Kunden eher den Wolf im Schafspelz bevorzugen. Dennoch wurde speziell an der Frontpartie nachgeschärft, ohne dass der Golf so extrovertiert auftritt wie ein Cupra. Da gibt es innerhalb des Konzerns eine klare Abgrenzung, die Marken haben völlig unterschiedliche Kundengruppen. Unsere Kunden sind gegenüber Volkswagen sehr loyal, schätzen eher Understatement und sind durchaus bereit, für mehr Leistung und besseres Design einige Euro mehr zu bezahlen.

Wie sieht nun der Weg vom neuen Golf R hin zum ersten vollelektrischen VW R aus? Wäre ein Elektro-R nicht bereits heute realisierbar?

Wir haben immer betont, dass wir mit R in der Elektromobilität nicht die Ersten sein müssen. Wichtiger ist, dass die Produktsubstanz stimmt. Wir warten, bis wir ein elektrisches Angebot vor Kunde anbieten können, welches überzeugt und das R-Logo wirklich verdient. Das halte ich aus Markengesichtspunkten für essenziell. Zudem glaube ich, dass künftig mehr High-Tech als Racetrack im Fokus steht. Die dazu nötigen Innovationen entwickeln wir gerade, die stehen uns heute noch nicht zur Verfügung.

Was genau soll das sein?

Das könnte in Richtung Convenience gehen. Wir wollen es den Kunden ja möglichst bequem und einfach machen. Auch Dinge wie Gaming werden zunehmend eine Rolle spielen. Nichtsdestotrotz wollen wir das "Verbrenner-Feeling" mit in die elektrische Welt übertragen. Deshalb spielen unter anderem. E-Torque-Vectoring sowie eine Licht- und Soundinszenierung ebenfalls eine wichtige Rolle.

Rennstrecke ist also kein Thema mehr?

Nun, die Rundenzeit auf der Nordschleife wird auch in Zukunft nach unserer Einschätzung eine wichtige Referenz sein. Die Performance-Themen wollen wir natürlich mitnehmen in die elektrische R-Welt. Bis wir den Kunden mal bei uns im Auto haben, vermittelt die Rundenzeit auf der Nordschleife eine objektive Referenz und damit Glaubwürdigkeit. Doch das alleine reicht in der Elektrowelt nicht mehr. Da gibt es viele Ideen, nichts davon ist in Stein gemeißelt. Da kommen praktisch wöchentlich neue Ideen dazu. Alleine über das Thema Sound kann man ewig diskutieren. Macht man was völlig Neues? Bietet man den Sound des Golf R 32 an? Wir machen uns wöchentlich Gedanken dazu und beobachten den Markt und die Kundenwünsche sehr genau. So robben wir uns an das Thema heran.

Bis dahin kommen noch weitere Verbrenner?

Ja, der eine oder andere kommt da noch. Entscheidend ist, was der Kunde will. Noch gibt es eine Nachfrage nach attraktiven Verbrennern. Nach dem Golf wird es noch mindestens einen weiteren Verbrenner geben.

Vermutlich ein Auto aus dem Crossover-Bereich?

Ja, eines, das über mehr Bodenfreiheit als der Golf verfügt.

In unserer Bildergalerie sehen Sie die VW Golf R Werks-Erlkönig-Bilder PLUS Bilder des Golf 8 Facelifts (2024).

Vita von Peter Jost

Peter Jost, Diplom-Betriebswirt und Ingénieur-Maître (Deutsch-Franz. Doppeldiplom), lebte und studierte mehrere Jahre in Frankreich.

Mit über 20 Jahren Erfahrung im Volkswagen Konzern verbrachte er 15 Jahre in verschiedenen Führungspositionen bei der Porsche AG – unter anderem als Assistent des Vorstands Vertrieb und Marketing sowie später als Leiter Vertriebssteuerung und -Strategie.

Seit Dezember 2018 ist Peter Jost Vertriebs- und Marketingchef für Volkswagen R, Volkswagen AG. Im September 2023 wurde er zum stellvertretenden Leiter Volkswagen R ernannt.

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