Müdigkeit am Steuer
Uni forscht am Bluttest zur Müdigkeitsmessung

Müdigkeit am Steuer kann ebenso gefährlich sein wie Alkohol, Drogen oder Ablenkung. Doch reproduzierbare Nachweise von Übermüdung sind schwierig. Das wollen australische Forscher jetzt mit einem neuen Bluttest ändern.

Assistenzsysteme im Auto
Foto: Getty Images

Dass Alkohol am Steuer gefährlich und strafbar ist, müsste jedem Autofahrer klar sein. Das Thema Müdigkeit haben dagegen die wenigsten auf dem Zettel. Dabei können schon 17 Stunden ohne Schlaf das Reaktionsvermögen so beeinträchtigen wie 0,5 Promille Alkohol im Blut. Das hat die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin herausgefunden. Nach 22 Stunden wächst der Wert sogar auf 1,0 Promille an. Doch während sich zwei Gläser Bier einfach und schnell in Atem oder Blut nachweisen lassen, gestaltet sich das bei der Müdigkeit schwieriger.

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Ein Team der Monash University in Melbourne, Australien, arbeitet gerade an einem Bluttest, der den Schlafmangel klar identifizieren soll. Dazu untersuchten die Forscher auch das Blut von Verkehrsteilnehmern, die zuvor einen Unfall verursacht hatten. Mittlerweile können die Spezialisten fünf Merkmale (sogenannte "Biomarker") identifizieren, die eindeutig beweisen, dass jemand beispielsweise seit mehr als 24 Stunden wach ist.

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Müdigkeitstest noch nicht marktreif

Wenn ein Mensch nicht genug geschlafen hat, geht sein Körper in einen Stressmodus über und setzt ganz bestimmte Entzündungsparameter frei. Auch Cortisol- und Glukosegehalt steigen in diesem Zustand kontinuierlich an. All das kann bei einem Bluttest gemessen und quantifiziert werden. Marktreif und statistisch abgesichert wäre ein solcher Bluttest laut der Monash University in etwa zwei Jahren.

Dann könnte er beispielsweise als Standardprozedur neben Alkohol- und Drogentests in Krankenhäusern genutzt werden, wenn Unfallfahrer eingeliefert werden. Bei Polizeikontrollen dürfte es aber weiterhin schwierig werden, den Müdigkeitsgrad von Fahrern zu ermitteln. Beim Alkohol hilft hier ein kurzer Atemtest. Rechtzeitig warnen können also nur moderne Assistenzsysteme, von denen wir einige in der Fotogalerie zusammengefasst haben.

Müdigkeit ist häufige Unfallursache

Dass das Problem der Müdigkeit am Steuer kein banales ist, zeigt die Unfallstatistik. In Deutschland wurden 2021 beispielsweise mehr als 1.500 schwere Unfälle mit Verletzten oder Toten erfasst, die von übermüdeten Fahrern verursacht wurden. Dabei ist die Polizei bisher auf die Ehrlichkeit der Fahrer angewiesen. Gibt der Unfallverursacher also an, dass er sehr müde war oder eingeschlafen ist, kann er damit gegen §315c des Strafgesetzbuchs verstoßen haben. Ein Fahrverbot oder der Entzug der Fahrerlaubnis sind in solchen Fällen noch das kleinste Strafmaß.

Die Dunkelziffer übermüdeter Unfallverursacher dürfte viel höher sein. Bei einer repräsentativen Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrats aus dem Jahr 2016 gaben mehr als ein Viertel der 1.000 Befragten an, schon mindestens einmal am Steuer eingeschlafen zu sein. Menschen im Schichtdienst, Berufskraftfahrer oder auch junge Autofahrer werden dabei besonders oft vom sogenannten Sekundenschlaf übermannt.

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Fazit

Australische Forscher der Monash University in Melbourne arbeiten an einem Bluttest zum Nachweis von Übermüdung. Müdigkeit am Steuer gehört neben Ablenkung, Alkohol oder Drogen zu den häufigsten Unfallursachen auch für sehr schwere Unfälle. Nachweisen lässt sei sich allerdings noch nicht. Der australische Bluttest könnte in zwei Jahren verfügbar sein.