Rimac baut Robotaxi
Erste Teaserbilder zum neuen Serienauto?

Elektro-Hypercar-Hersteller Rimac arbeitet an einem Robotaxi – zusammen mit Kia. Die EU unterstützt das Projekt massiv mit Fördergeld. Fans hoffen, dass das neue Modell als Serienfahrzeug auf den Markt kommt.

Rimac Robotaxi
Foto: Rimac

Rimac zeigt erste Teaserbilder seines Robotaxis. Die bisher als Hersteller des Hypercars Nevera bekannten Kroaten halten anscheinend ihre Zeitpläne ein: In einem Insta-Post zeigt Rimac kurz die Umrisse seines Taxis, das am 26. Juni 2024 Premiere hat. Das Auto scheint ein geräumiger SUV mit sehr schräg stehender Frontscheibe und beinahe nahtlos weiter nach schräg unten abfallender Front zu sein. Ein Grund für die Form könnten auf dem Dach montierte Lidar-Sensoren sein (Lidar: Light detection and ranging – Methode zur optischen Abstands- und Geschwindigkeits-Messung): Die Sensoren brauchen zur Erkennung von Hindernissen ein optimales Sichtfeld. Rimac hat zwar längst beteuert, niemals einen SUV zu bauen, aber mit Blick auf Lamborghini (Urus), Ferrari (Purosangue), Lotus (Eletre) und jetzt auch McLaren sollten Auto-Enthusiasten solche Aussagen nicht allzu ernst nehmen.

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Das kurze, mit Rap unterlegte Video hat Mate Rimac auf seinem eigenen Kanal hochgeladen. Es zeigt eine fliegende Katze, einen Hund im Fahrtwind, und eben auch die Silhouette eines Fahrzeugs. Mate Rimac betont, dass seine Firma bereits seit fünf Jahren an dem Auto arbeitet. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass das Auto nicht nur als Robotaxi geplant ist – die damit verbundenen Fördergelder hat die EU erst im Mai 2023 bewilligt. Fans hoffen bereits, dass Rimac jetzt eine Art Volksauto auf den Markt bringt. Der Name Rimac ist durch den elektrischen Überflieger Nevera äußerst positiv aufgeladen, was anscheinend Begehrlichkeiten nach einem massentauglichen Modell geweckt hat.

Das Video beginnt mit einem Schwarzweiß-Foto des französischen Science-Fiction-Schriftstellers Jules Verne. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass Rimac mit seinem neuen Modell auch innovative Technologien vorstellt.

Bedarf an Neveras scheint gedeckt

Rimac liefert aktuell den Nevera aus. Dessen vier Elektromotoren leisten zusammen 1.408 kW (1.914 PS) – die Fahrleistungen des straßenzugelassenen Renners reichen für zig Rekorde. Aber der Nevera ist auf 150 Exemplare limitiert – und möglicherweise ist dann der Bedarf an mehr als zwei Millionen Euro teuren Elektrosportwagen auch gedeckt. Für ein langfristiges Überleben braucht Rimac bezahlbare Autos.

Robotaxis sollen einmal vollautonom Passagiere in Städten von A nach B transportieren. Autohersteller und Software-Anbieter erhoffen sich davon neue Möglichkeiten zum Geldverdienen. Die Alphabet-Tochter Waymo führt bereits seit Jahren vollautonome Robotaxi-Testfahrten in San Francisco durch, die GM-Tochter Cruise hat ihre Robotaxi-Erprobungen nach einem schweren Unfall und zahllosen weiteren Zwischenfällen auf Eis gelegt. Hinter vorgehaltener Hand bezeichnen führende Ingenieure aus der Autoindustrie vollautonomes Fahren inzwischen eher als eine theoretische Möglichkeit – aber Rimac scheint an eine Umsetzbarkeit zu glauben.

Kooperation mit Kia

2026 sollen Rimac' Robotaxis ihren regulären Betrieb aufnehmen. Hersteller Rimac, über das Joint Venture "Bugatti Rimac" auch mit Bugatti verbunden, hat für seine Robotaxi-Tätigkeiten die Untermarke Project 3 Mobility ins Leben gerufen, an der wiederum Kia beteiligt ist. Zum Hintergrund: Die Kia-Mutter Hyundai ist mit elf Prozent an der Rimac Group beteiligt. Über Porsche ist zwar auch VW an Rimac beteiligt, aber die Erkenntnisse von VWs Ridepooling-Testbetrieb Moia in Hamburg scheinen die Kroaten nicht zu nutzen.

Gegenüber Autocar hat Rimac-Chef Mate Rimac die Rollen seiner Projekte betont: Der Nevera gilt als prestigeträchtiges Leuchtturm-Projekt, während das Robotaxi als bezahlbares und somit allgemein zugängliches Transportmittel das Leben der Menschen verändern soll.

Über 170 Millionen EU-Fördergeld

Als Testfahrzeug nutzt Rimac kein Modell von Kia, sondern einen aktuellen Renault Espace. Ob dies ein erster Hinweis auf die Größe und Form des Taxis ist, bleibt offen – die jetzt gezeigten Teaserbilder lassen keine Schlüsse auf die tatsächliche Größe des Fahrzeugs zu. Finanziell helfen Rimac 179,5 Millionen Euro Steuergeld, das die EU bereits am 25. Mai 2023 für das Projekt bewilligt hat. Die Beihilfe geht als direkter finanzieller Zuschuss an Rimac und deckt zirka 45 Prozent der förderfähigen Kosten ab. Die Kosten bis zum Beginn der kommerziellen Phase schätzen Experten auf zirka 450 Millionen Euro. Kia übernimmt davon einen Anteil in bisher unbekannter Höhe.

Das Project-3-Mobility-Hauptquartier befindet sich in der kroatischen Hauptstadt Zagreb – dort soll auch der Robotaxi-Dienst starten. Im EU-Förderbeschluss ist Zagreb ausdrücklich als die mit Robotaxis auszurüstende Stadt genannt. Im Falle eines Erfolges soll der Dienst auch in anderen europäischen Städten buchbar sein. Ein zusätzliches Forschungs- und Entwicklungszentrum betreibt Rimac im 20 Kilometer südöstlich vom englischen Birmingham gelegenen Warwick, wo 100 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die zum Bau der Robotaxis nötige Fabrik soll in Kroatien entstehen.

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Fazit

Vom Hersteller eines massenhaft Rekorde brechenden Elektro-Hypercars zum Robotaxi-Anbieter – das ist der Weg von Rimac. Allerdings bündeln die Kroaten ihre Robotaxi-Aktivitäten in ihrer Untermarke Project 3 Mobility – sie werden wahrscheinlich auch weiterhin Supersportwagen entwickeln. Der Robotaxi-Dienst soll zuerst in der kroatischen Hauptstadt Zagreb in Betrieb gehen. Die EU unterstützt das Projekt mit mehr als 170 Millionen Euro. Am 26. Juni 2024 hat das neue Auto Premiere, dann wissen wir, was sich hinter den Teaserbildern verbirgt. Fans hoffen, dass Rimac nicht nur ein Robotaxi vorstellt, sondern dass das Modell auch als Serienauto auf den Markt kommt.

Vom Thema Robotaxi scheinen sich einige Unternehmer unvorstellbar hohe Gewinne zu erhoffen. Vorher müssen ihre Entwickler allerdings vollautonomes Fahren nach Level 5 hinbekommen. Das Erreichen dieses Ziels ist in den vergangenen Jahren allerdings wieder in weitere Ferne gerückt – als zu komplex haben sich die mit vollautonomen Fahren verbundenen Probleme entpuppt. Selbst über hunderte Fahrzeuge kombiniertes maschinelles Lernen konnte daran bisher nichts ändern. Aktuell ist Mercedes mit seinem Drive Pilot beim autonomisierten Fahren vorn – die Stuttgarter schaffen teilautonomes Fahren nach Level 3. An Robotaxis arbeiten die Schwaben zurzeit aber nicht.