Rückruf Ferrari
Schon 3 Unfälle wegen 17 Jahre altem Deckel

Ferrari ruft weltweit 105.988 Fahrzeuge wegen Bremsproblemen bei fast jeder Modellreihe zurück. Drei Unfälle sind bislang auf den fehlerhaften Deckel zurückzuführen. Nun stehen auch die Daten für Deutschland fest.

6/2022, Ferrari
Foto: Bernd Conrad

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) lässt den Automobilhersteller Ferrari in Deutschland 10.850 Fahrzeuge aus den Produktionsjahren 2005 bis 2022 zurückrufen. Die betroffenen Sportwagen sind mit einem fehlerhaft konstruierten Deckel für den Bremsflüssigkeitsbehälter ausgestattet, der möglicherweise einen Druckausgleich verhindert. Dies kann zu einem teilweisen oder vollständigen Verlust der Bremsfähigkeit führt. Die Tatsache, dass der Rückruf Fahrzeuge aus dem Jahr 2005 ebenso betrifft wie erst jüngst produzierte Sportwagen, lässt darauf schließen, dass es sich um dasselbe Bauteil handelt. Sprich: Auch in aktuellen Sportwagen findet sich der nun bereits mindestens 17 Jahre alte Deckel.

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Wenn die Menge der Bremsflüssigkeit im Bremsflüssigkeitsbehälter um ca. 50 % des maximalen Füllstands des Vorratsbehälters abnimmt, wird eine Warnleuchte auf dem Armaturenbrett des Fahrzeugs angezeigt. Bei neueren Modellen erscheint zusätzlich eine Meldung auf dem Armaturenbrett des Fahrzeugs mit folgendem Wortlaut: "Bremsflüssigkeitsstand niedrig, langsam zum Händler fahren". Bei bestimmten Modellen ertönt zusätzlich ein akustischer Summer, sofern vorhanden.

Bislang verzeichnet das KBA drei Unfälle, die auf den fehlerhaft konstruierten Deckel zurückzuführen sind.

In Deutschland sind unter anderem die Modelle California, Berlinetta, La Ferrari Aperta, Lusso, Monza, Pista, Portofino und Scalglietti betroffen. Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) ist in ihren Ausführungen wesentlich detaillierter, als das deutsche KBA. Hier die Liste der NHTSA:

Diese Modelle sind vom Rückruf betroffen:

  • Ferrari 430 (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 16.03.2005 bis 25.09.2010)
  • Ferrari 488 Pista (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 01.01.2019 bis 09.11.2020)
  • Ferrari F60 America (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 19.06.2015 bis 23.11.2016)
  • Ferrari 612 Scaglietti (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 30.03.2004 bis 28.02.2011)
  • Ferrari 812 (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 27.11.2017 bis 22.07.2022)
  • Ferrari California (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 13.02.2009 bis 23.10.2017)
  • Ferrari F12 (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 10.12.2012 bis 19.07.2017)
  • Ferrari F8 (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 02.08.2019 bis 22.07.2022)
  • Ferrari FF (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 01.09.2011 bis 24.03.2016)
  • Ferrari GTC4 Lusso (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 19.07.2016 bis 24.07.2020)
  • Ferrari LaFerrari (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 25.07.2013 bis 05.12.2017)
  • Ferrari Portofino (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 09.04.2018 bis 21.07.2022 (siehe Fotogalerie))
  • Ferrari Roma (in den USA: aus dem Produktionszeitraum 12.05.2020 bis 15.07.2022)

Betroffen: weltweit: 105.988; USA: 23.555; Deutschland: 10.850 Fahrzeuge

Die Reparatur besteht aus dem Austausch des Deckels des Bremsflüssigkeitsbehälters und der Aktualisierung der Software in den betroffenen Fahrzeugen. Ferrari benachrichtigt alle betroffenen Fahrzeugbesitzer, um sie vor diesem Problem zu warnen und bitte sie darum, einen autorisierten Ferrari-Händler zu kontaktieren. Sobald die Warnmeldung "Bremsflüssigkeit niedrig" auf dem Display erscheint, soll der Fahrer von der Straße abfahren, um im Anschluss die Ferrari-Pannenhilfe zu kontaktieren und sich zum nächsten Ferrari-Händler abschleppen zu lassen.

Der Rückruf ist beim KBA unter der Referenznummer 011659 und dem Hersteller-Code RC78 zu finden. Die NHTSA führt den Rückruf unter der Nummer 22V-536.

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Fazit

Ferrari muss weltweit bei 105.988 Fahrzeugen nahezu jeder Modellreihe nachbessern. Bei bestimmten Fahrzeugen könnten Bremsprobleme auftauchen.