Tesla-Produktion Grünheide hinter Plan
Schummelt Tesla bei den Produktionszahlen?

5.000 Autos pro Woche will Tesla in Grünheide produzieren. Geleakte interne Protokolle zeigen jetzt, dass diese Zahl weit verfehlt wird. Das sind die Gründe.

Tesla Gigafactory Berlin Delivery Day 2022
Foto: Tesla

Im März 2023 verkündete Elon Musk, dass er Tesla zum nach Stückzahlen größten Autobauer der Welt ausbauen wolle. Angesichts der etablierten Wettbewerber ein ambitionierter Plan. Zumindest die Gigafactory in Grünheide bei Berlin trägt aktuell wohl nicht zu dieser Vision bei, denn die Produktion dort ist aktuell gehörig ins Stocken geraten.

Das belegen interne Dokumente, die dem Business Insider von Tesla-Mitarbeitern zugespielt wurden. Laut offiziellen Tesla-Angaben produziert man in Grünheide in der Gigafactory 4 aktuell 260.000 Autos im Jahr, das entspricht einem wöchentlichen Output von 5.000 Tesla-Neufahrzeugen. Wie die dem Business Insider vorliegenden Produktionsdiagramme zeigen, wird diese Zahl aber weit verfehlt.

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Wochenproduktion weit unter Soll

So sei bereits intern das Produktionsziel von 5.000 auf 4.350 Fahrzeuge pro Woche gesenkt worden; das entspricht einer werktäglichen Produktion von 870 Neufahrzeugen. Doch selbst diese Marke wird ausweislich der Protokolle nicht erreicht. Zum Teil wurden weniger als 700 Teslas am Tag hergestellt. Inzwischen sei das Produktionsziel nochmals herabgesetzt worden, auf 750 Fahrzeuge am Tag. Das würde eine Wochenproduktion von 3.750 Neufahrzeugen bedeuten.

Grund für die schlechte Auslastung der Gigafactory in Grünheide, in der nach Tesla-Planungen eigentlich bei voller Auslastung bis zu eine Million Fahrzeuge pro Jahr produziert werden sollen, sind augenscheinlich Personalprobleme. Bereits im Frühjahr zeichnete sich ab, dass Tesla nicht ausreichend Mitarbeiter findet (siehe verlinkter Beitrag oben) und die Belegschaft mit den Arbeitsbedingungen unzufrieden ist. Nun kommen zusätzlich noch hohe Fehlzeiten wegen Krankmeldungen hinzu. Außerdem bringt die Sommerferienzeit weitere Personal-Engpässe.

Auf die Absatzzahlen hat die gebremste Produktion in Grünheide aber derzeit keine großen Auswirkungen, nachdem Tesla auch weiterhin Fahrzeuge aus anderen Gigafactories nach Europa importiert. Das Model Y von Tesla ist mit rund 30.000 Neuzulassungen von Januar bis Juli das meistverkaufte Elektroauto in Deutschland.

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Fazit

Es läuft weiterhin nicht nach Plan für Tesla in der deutschen Gigafactory. Nach Klagen aus Teilen der Belegschaft über die Arbeitsbedingungen sowie Schwierigkeiten, neue Mitarbeiter zu rekrutieren, wird das offizielle Produktionsziel wohl deutlich verfehlt. Die von Tesla verkündete Wochenproduktion von 5.000 Einheiten im Werk Grünheide wurde offenbar nur ein einziges Mal und mit Sonderschichten erreicht. Von der in Aussicht gestellten Jahresproduktion von einer Million Tesla-Neuwagen ist die Gigafactory 4 demnach weit entfernt.

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