Elektroautos: EnBW und ADAC trennen sich im Sommer
Beliebtester Ladetarif Deutschlands vor dem Aus

Die Partnerschaft zwischen dem Ladeanbieter EnBW und dem ADAC endet. Damit einher gehen teils drastische Ladepreis-Erhöhungen im EnBW-Netzwerk. Zuvor wurden schon im Januar die Preise stark angehoben.

04/2024 ADAC Recharge Ladekarte Elektroauto aufladen EnBW
Foto: Torsten Seibt

Sowohl der Energieversorger Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) als auch der Automobilclub ADAC schreiben derzeit die Kunden ihrer Ladekarten für Elektroautos an. Grund ist die neuerliche Preiserhöhung von EnBW für Ladestationen sowie die (wohl aus diesem Grund) endende Partnerschaft von EnBW mit dem ADAC.

Bislang konnten ADAC-Mitglieder mit dem Angebot ADAC e-Charge zu einem Vorteilstarif ohne Grundgebühr im Ladenetzwerk von EnBW (nach Eigenangaben über 600.000 Ladepunkte in Europa) ihr Elektroauto aufladen. Nach dem Ende der Zusammenarbeit am 31.07.2024 werden diese Kunden (sofern sie der Änderung zustimmen) im EnBW-Netzwerk in den EnBW mobility+ Ladetarif S übernommen, der eine Preiserhöhung von bisher 0,51 auf dann 0,59 Euro/kWh bedeutet.

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Bis zu 0,89 Euro pro kWh

Zudem enden ab diesem Zeitpunkt bei EnBW die Pauschalpreise für Fremdanbieter im Ladenetzwerk wie zum Beispiel lokale städtische Energieversorger. Für deren Ladepunkte gelten künftig variable Ladetarife zwischen 59 ct/kWh und 89 ct/kWh. Die jeweils gültigen Preise sollen dann in der EnBW-App angezeigt werden. Die künftigen Kosten im EnBW Ladetarif S im Einzelnen:

  • EnBW-Ladestationen: einheitlicher Preis von 59 ct/kWh
  • Andere Betreiber: variable Preise ab 59 ct/kWh, max. 89 ct/kWh
  • Blockiergebühr: 10 ct/min ab 4 h Anschlusszeit, max. 12,00 €/Ladevorgang
  • Grundgebühr: 0,00 €
  • Tarifwechsel & Kündigung: monatlich

EnBW reagiert mit den Preiserhöhungen bei Fremdanbietern nach eigenen Angaben auf die unterschiedlichen sogenannten Roaming-Gebühren – also die Tarife, die von den anderen Ladesäulen-Betreibern in Rechnung gestellt werden. Diese "Fremdlader"-Kosten bleiben unabhängig vom gebuchten EnBW-Tarif ohne oder mit Monatsgebühren in allen Tarifen gleich hoch.

04/2024 EnBW Ladetarife Elektroauto aufladen
Screenshot/EnBW

Die künftigen Tarife von EnBW im Überblick. Kunden des ADAC e-Charge-Tarifs werden künftig in den EnBW-Ladetarif S umgebucht.

Bereits zum 16. Januar 2023 waren die Preise in der ADAC/EnBW-Partnerschaft zum Teil drastisch erhöht worden. Seitdem müssen sowohl an Wechselstrom-Ladesäulen als auch an Gleichstrom-Schnellladern dieselben Preise von 51 ct/kWh bezahlt werden, zuvor waren es 38 Cent für Wechselstrom und 48 Cent für Gleichstrom-Schnelllader an EnbW Ladepunkten. Bei Fremdanbietern stiegen die kWh-Kosten von 42 Cent (AC) und 52 Cent (DC) auf pauschal 60 Cent. Unverändert blieben lediglich die Kosten im Ionity-Netzwerk (79 ct/kWh).

Der ADAC schreibt in seiner jüngst versendeten Mail an die e-Charge-Kunden, dass statt EnBW ein neuer Partner für das Ladeangebot des Clubs eintreten soll: "Wir arbeiten bereits daran, Ihnen spätestens ab dem 01.08.2024 auch weiterhin ein attraktives, faires und transparentes ADAC e-Charge Angebot mit einem neuen Kooperationspartner anzubieten", so der Wortlaut.

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Fazit

Das nach den Kundenzahlen und dank der Kooperation mit dem ADAC beliebteste Ladetarif-Angebot in Deutschland büßt nach einer bereits im Januar durchgeführten Preiserhöhung speziell für Weniglader ab dem Sommer weiter an Attraktivität ein. Schon zuvor war die Gleichstellung der Tarife an Schnellladern und den vor allem innerstädtisch verbreiteten Ladesäulen mit ihrer deutlich geringeren Ladeleistung nicht leicht vermittelbar. Vor allem Besitzer von Plug-in-Hybriden und von überwiegend im Stadtverkehr an den öffentlichen Ladesäulen genutzten Elektroautos werden damit künftig erheblich mehr bezahlen müssen. Für ADAC e-Charge-Kunden, die ab Sommer nach dem Ende der Kooperation in den EnBW-Tarif S wechseln, bedeutet das eine Preiserhöhung von 55 Prozent an EnBW-AC-Ladepunkten und sogar bis zu 111 Prozent an Wechselstrom-Ladesäulen von Fremdanbietern.

Mit der variablen Bepreisung von Fremdanbieter-Ladepunkten kehrt für EnBW-Kunden damit außerdem wieder der nervige Preisvergleich vor jedem Ladevorgang und im schlimmsten Fall das Jonglieren mit unterschiedlichen Ladekarten zurück, was eigentlich längst der Vergangenheit angehören sollte. Dieses Verwirrspiel und die zum Teil dreisten Preise sind wenig hilfreich, um die Elektromobilität in Deutschland zu fördern. Bleibt zu hoffen, dass der ADAC mit einem neuen Partner wie angekündigt ein übersichtliches und faires neues e-Charge-Angebot auf die Beine stellt.