Verschärfte Euro 6-Abgasuntersuchung
Bekommen Diesel ein AU-Problem?

Seit der verschärften Messmethode bei der Abgasuntersuchung für Euro-6-Diesel ab 1. Juli 2023 steigt die Durchfaller-Quote für Selbstzünder. Die Prüforganisationen ziehen eine erste Zwischenbilanz.

Ford Kuga Diesel Antrieb Motor 2022 Collage
Foto: Ford / Patrick Lang

Seit dem 1. Juli 2023 müssen sich Euro-6-Diesel bei der Abgasuntersuchung einem neuen Messverfahren stellen. Jetzt hat der TÜV-Verband zusammen mit dem Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), dem ASA-Verband, der Dekra und der KÜS eine erste Bilanz der Ergebnisse bei der Partikelzählung (PN-Verfahren) im Rahmen der AU gezogen.

Mehr Kilometer, mehr Probleme

Ausgewertet wurden die Abgasuntersuchungsergebnisse von rund 950.000 Diesel-Pkw der Schadstoffklasse Euro 6/VI, die bei den Überwachungsorganisationen im Zeitraum 1. Juli bis 30. Oktober 2023 geprüft wurden. Im ersten Anlauf haben rund 32.000 Fahrzeuge in verschärfte AU nicht bestanden, was einer Durchfallquote von 3,43 Prozent entspricht. Und die Durchfallquote steigt mit steigender Laufleistung. Bei Autos unter 50.000 Kilometer Laufleistung bestanden 2,8 Prozent die AU nicht. Liegt der Kilometerstand zwischen 50.000 und 160.000 Kilometer, so fallen 3,3 Prozent durch. Bei Autos mit über 160.000 Kilometern auf der Uhr konnten 4,7 Prozent der Probanden die Abgasprüfung nicht bestehen. Auffällig war, dass gleichzeitig nur an 0,72 Prozent der geprüften Fahrzeuge ein Fehler im Abgassystem angezeigt wurde oder dem Steuergerät hinterlegt war.

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Tiefergehende Analysen nach Marken und Modellen werden nach Angaben des TÜV-Verbands noch erarbeitet. Aber bereits jetzt sind sich alle Prüforganisationen einig, dass die neue Partikelmessung notwendig sei, um Defekte im Abgassystem aufzuspüren, die bei der alten Messmethode nicht entdeckt worden wären. Ohne bestandene AU gibt es übrigens auch keine neue HU-Plakette. Betroffene Fahrzeughalter müssen entsprechend das Abgassystem ihres Diesels prüfen und reparieren lassen.

Bereits im August 2023 berichtete die Automobilwoche mit Bezug auf Insider, dass seit der Einführung der neuen Diesel-AU die Durchfaller-Quote bei Euro-6-Selbstzündern von Ford rasant nach oben schnellt.

Ford-Diesel auffällig

Die Partikelmessung an Euro-6/VI-Fahrzeugen mit Dieselmotor im Rahmen der Abgasuntersuchung sollte bereits zum Stichtag 1. Januar 2023 eingeführt werden. Da in der Branche aber flächendeckend entsprechende Abgastestgeräte fehlten, wurde der Start verschoben. Gestartet wurde die Partikelzählung im Rahmen der AU dann zum 1. Juli 2023.

Und mit diesem neuen Messverfahren scheint Ford auf ein Diesel-Problem zuzusteuern. Überdurchschnittlich viele Selbstzünder von Ford bestehen die Abgasuntersuchung (AU) nicht und erhalten damit auch keine neue Plakette in der Hauptuntersuchung (HU), bestätigen Brancheninsider gegenüber der Automobilwoche, ohne nähere Informationen zu möglichen Ursachen zu liefern. Allein in Deutschland könnte das eine deutlich fünfstellige Zahl an Fahrzeugen betreffen.

Zwar war die Zeit für eine detaillierte Analyse im Sommer 2023 noch zu kurz, aber ein Trend zeichnete sich schon deutlich ab. Bei Ford habe sich die Durchfallquote im Rahmen der Abgasuntersuchung um den Faktor vier erhöht, zitiert die Automobilwoche einen leitenden Mitarbeiter eines Prüfdienstleisters, der nicht genannt werden wollte. Ähnlich äußerten sich auch andere Experten aus dem Umfeld von Prüfdiensten und Werkstätten.

Nach Hochrechnungen der Automobilwoche sind in Deutschland aktuell rund 6 Millionen Euro-6-Pkw-Diesel unterwegs, etwa 400.000 davon dürften Ford zuzurechnen sein. Bestätige sich der Trend in späteren Analysen, könnten folglich eine deutlich fünfstellige Zahl an Ford-Pkw mit der Partikelmessung Probleme bekommen, so der Automobilwoche-Bericht.

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Fazit

Seit Juli 2023 gibt es für Euro-6-Diesel eine neue Messmethode bei der Abgasuntersuchung. Nach einem ersten Zwischenbericht der Prüforganisationen fallen seitdem tendenziell mehr Selbstzünder durch die Prüfung.

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Erscheinungsdatum 11.04.2024

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