Interview Carsten Intra und Lars Krause, VW N
„Wollen 2024 mehr als 40.000 ID.Buzz verkaufen“

Carsten Intra, Vorstandsvorsitzender der VW Nutzfahrzeuge und Lars Krause, Vorstand für Vertrieb und Marketing über den Verkaufserfolg des ID. Buzz, der zum zweiten Mal die Best Cars-Wahl in der Kategorie der Vans gewonnen hat, und über seine Weiterentwicklung.

Carsten Intra – Vorstandsvorsitzender Volkswagen Nutzfahrzeuge und Lars Krause – Vorstand für Vertrieb und Marketing Volkswagen Nutzfahrzeuge
Foto: VW
Was bedeutet es Ihnen, jetzt zum zweiten Mal bei der auto motor und sport-Best Cars-Wahl in der Kategorie der Vans zu gewinnen und das auch mit einem sehr deutlichen Vorsprung?

Intra: Es ist für uns so sehr wichtig, durch den Best Cars-Preis von so vielen Lesern wertgeschätzt zu werden. Wir haben eine große Fanbasis, die sich schon aus dem Samba T1, T2, T3, und T4 etc. zusammensetzt, und viele davon konnten wir überführen. Wir haben aber auch neue Kunden dazugewonnen, die gerade die neue Technologie des elektrischen Fahrens toll finden, und das macht den Award für uns so wertvoll.

Unsere Highlights
Was fehlt Ihnen jetzt noch im Portfolio, um den ID. Buzz noch erfolgreicher zu machen?

Intra: Tatsächlich bewerben wir uns ja mit einem Fünfsitzer heute auf einem Markt, wo es viele Modelle dieser Art gibt. Ähnlich wie es beim Bulli ist, sind dann Sechs- und Siebensitzer nochmal deutlich interessanter für viele Kunden. Der Gewinn an zusätzlichem Platz verschafft uns nochmal einen riesigen Vorsprung. Dann gibt es noch neue Features wie das große Glasdach. Und wir kommen wir mit der sportlichen Top-Variante GTX.

Krause: Wichtig ist auch, dass wir jetzt internationale Märkte wie Australien und die Türkei erobern, wir kommen also auch global voran. Das unterstreicht nochmal die Bedeutung des Autos.

Intra: Die Cargo-Variante erhält auch noch eine kleinere Batterie. Ich denke, dass wir damit nochmal viele neue Kunden erreichen. Der ID. Buzz Cargo hat uns von Beginn an sehr viel Freude gemacht. Die Hälfte der verkauften Fahrzeuge sind Cargos, also die klassische Nutzfahrzeugvariante.

Was sind da die attraktivsten Geschäftsfelder?

Krause: Der Bulli war immer beides, ein Bus und ein Lieferwagen, da kommt der Name her, und das ist auch der ID. Buzz für uns, ganz klar. Das Tolle ist, dass wir hier eine Technik quasi auch gemeinsam nutzen und die dann wirklich für alle Kundengruppen applizieren können.

Verschafft Ihnen die reine Elektromobilität beim ID. Buzz eher Vorteile? Oder hat das, wenn ich damit reisen möchte, auch Nachteile?

Intra: Ich denke mal, da muss man sich unser gesamtes Portfolio angucken. Wir haben ja Verbrenner, Hybride und reine Elektroautos. Und damit haben wir für jeden Kunden das richtige Auto. Insofern hat das für uns nur Vorteile. Natürlich wird der ID. Buzz vielleicht nicht von jedem Kunden nachgefragt, aber dafür haben wir dann im Portfolio beim Volkswagen Nutzfahrzeuge-Händler auch entsprechende andere Produkte im Angebot. Wir bekommen ja noch die neue Caravelle und den neuen Transporter mit allen Motorvarianten dazu, inklusive eines vollelektrischen Antriebs.

Spüren Sie die generelle Schwäche beim Absatz von Elektroautos auch beim ID. Buzz?

Krause: Wir können uns nicht komplett dieser Nachfrageschwäche entziehen, aber durch die neuen Varianten haben wir die richtige Antwort schon parat. Wir gehen davon aus, dass wir damit jetzt in die Segmente kommen, welche uns die gewünschten Volumina ermöglichen.

Intra: Trotzdem ist langfristig gesehen die mobile Zukunft elektrisch. Wir als Nutzfahrzeug-Anbieter sind aber in der sehr komfortablen Situation, dass wir sowohl Verbrenner, Hybride als auch reine Elektromodelle in fast jedem Segment anbieten können. Das macht uns auch stark gegenüber den Schwankungen, die es gerade gibt.

Wir haben uns ja mit Absicht in Austin/Texas getroffen, wo der ID. Buzz im Rahmen der Konferenz SXSW versuchsweise autonom unterwegs ist. Wann gehen Sie damit auf den Markt?

Intra: Ab 2026 wollen wir in Hamburg und Austin das Angebot machen, eine Fahrt im autonom fahrenden ID. Buzz zu buchen, weil wir davon ausgehen, dass Europa und Amerika wichtige Märkte dafür sind. Ich denke, dass wir uns da jetzt eine Pole-Position erarbeitet haben: Volkswagen ist der einzige Fahrzeughersteller, der momentan in beiden Märkten entwickelt und der mit der Technologie jetzt auch schon tatsächlich sehr weit ist.

Große Konkurrenten wie Mercedes sind aus dem Geschäft des Robo-Taxis ausgestiegen, weil sie kein Geschäft dahinter gesehen haben. Was machen Sie anders?

Intra: Ich denke nicht, dass es irgendjemanden auf der Welt gibt, der darin kein Geschäft sieht. Es ist für jeden leicht zu erschließen, welches Wachstum möglich ist, wenn man nicht mehr auf Fahrer angewiesen ist, von denen es viel zu wenige gibt. Trotzdem ist es nicht einfach, man braucht schon Geduld und Durchhaltevermögen, um am Ende erfolgreich zu sein.

Wie können wir uns dann den Innenraum des ID. Buzz als autonomen Shuttle vorstellen? Als rollendes Büro?

Intra: Wir sind heute mit MOIA schon Mobilitätsdienstleister und bringen die Erfahrungen mit den Kunden sowie das Know-how aus dem Flottenbetrieb in die Entwicklung ein. Das ist die erste Antwort. Die zweite Antwort ist, dass der ID. Buzz für unsere erste Generation autonomer Shuttles eingesetzt wird. In der Zukunft, irgendwo um den Dekadenwechsel, wollen wir ein sogenanntes Special Purpose Vehicle auf die Straße setzen. Es wird mehr Innenraumgröße anbieten, ein Vorteil für die Personenbeförderung auch für den autonomen Transport von Waren.

Krause: Das autonome Fahren ist für Volkswagen-Nutzfahrzeuge ein logischer Entwicklungsschritt. Wenn man bedenkt, dass wir auf der einen Seite unsere Gewerbekunden bedienen, die Produkte oder Güter transportieren wollen. Das funktioniert auch autonom und ist deutlich günstiger. Gleiches gilt für die Personenbeförderung in großen Städten. Das sind die Business Cases.

Werden Sie dann auch Level-3-Funktionen, so wie Mercedes sie jetzt im Handel hat, für private Kunden anbieten, die sich einen ID. Buzz kaufen wollen?

Krause: Ja, das muss ein klares Ziel sein, das auch anzubieten, und zwar auch im Gleichgang mit den Pkws, die in den Markt kommen, auch von unseren Konzern-Schwestermarken. Natürlich wollen wir das auch unseren Kunden ermöglichen.

Haben Sie alle Genehmigungen und Zulassungen, damit der ID. Buzz 2026 in Hamburg dann im Rahmen des MOIA-Flottengeschäftes autonom fahren kann?

Intra: Das ist ein Prozess: Die entsprechenden Gesetze für den Großserieneinsatz müssen europaweit verabschiedet werden und wir entwickeln derzeit noch die Autos. Wir sind früh genug dran, wir fahren die notwendigen Tests, sind auch in der Lage, die Sicherheit bis dahin nachzuweisen. Wir sind heute davon überzeugt, dass es 2026 losgehen kann.

Spüren Sie da eine vermehrte Nachfrage über Vorzeigestädte wie Hamburg hinaus?

Intra: Ja. Wenn wir es morgen anbieten könnten, dann wären wir sicherlich auch übermorgen in fast allen großen Städten. Da gibt es einen großen Bedarf. Aber wir wollen uns hier wirklich stufenweise weiterentwickeln.

Sie kooperieren beim autonomen Fahren mit dem israelischen Spezialisten Mobileye. Welche Erfahrungen machen Sie?

Intra: Mobileye ist für uns als Volkswagen ein sehr wichtiger Partner, der uns schon seit 2016 in verschiedenen Projekten unterstützt. Mobileye hat deswegen auch einen unglaublich großen Schwarmdaten-Schatz, den er auch mit unseren Fahrzeugen einfährt, und damit hat er auch eine sehr detaillierte digitale Karte, die uns sogar beim autonomen Fahren weiterhilft. Für das autonome Fahren werden wir auf unglaubliche Datenmengen menschlicher Fahrer zurückgreifen können, die zuvor auf den gleichen Strecken unterwegs waren.

Und haben Sie irgendwelche Perspektiven, wie viel ID. Buzz Sie dieses Jahr, was ist denn die Mehrzahl davon, wie viel Sie verkaufen wollen insgesamt?

Krause: Wir haben gerade die Marke von 40.000 verkauften Fahrzeugen geknackt. Die eine Hälfte ungefähr als Cargo, die andere Hälfte in der People-Version. Wir haben uns dieses Jahr noch etwas mehr vorgenommen.

Der ID. Buzz basiert ja aktuell noch auf der gleichen Plattform wie der ID.4. Sie haben aber bei den Nutzfahrzeugen vor, eine komplett neue Elektroplattform namens Space aufzulegen. Geht die nächste Generation des ID. Buzz auch auf diese Plattform?

Intra: Ja. Also sowohl das autonome Special Purpose Vehicle, von dem ich eben gesprochen habe, als auch ein Nachfolger des ID. Buzz, des Bulli, werden sicherlich auf unserer neuen Plattform dann irgendwann fahren.

Vita

Carsten Intra – Vorstandsvorsitzender Volkswagen Nutzfahrzeuge
VW

Carsten Intra ist Vorsitzender des Markenvorstands.

Prof. Dr. Carsten Intra ist seit dem 1. September 2020 Vorstandsvorsitzender von Volkswagen Nutzfahrzeuge. Zudem ist er Mitglied des Aufsichtsrats von ARGO AI. Bis August 2020 war Carsten Intra Personalvorstand und Arbeitsdirektor der MAN SE und der MAN Truck & Bus SE und verantwortete zugleich die Bereiche Personal und IT im Vorstand der TRATON SE. Carsten Intra wurde 1971 in Koblenz geboren. Er studierte Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften an der RWTH Aachen und promovierte dort im Jahr 2000. Er ist Honorarprofessor an der Fakultät für Maschinenwesen der TU München.

Seine berufliche Laufbahn startete Carsten Intra 2001 bei der MAN Nutzfahrzeuge AG. Nach verschiedenen Führungspositionen übernahm er 2006 die Leitung der Geschäftseinheit für schwere Lkw. 2007 leitete er zusätzlich die Einheit Standard Bus als CEO der MAN Landesorganisation Türkei. Von 2009 bis 2012 war Carsten Intra für Produktion und Logistik bei MAN Latin America verantwortlich. 2012 wurde er Mitglied des Vorstands der MAN Truck & Bus, zunächst für Produktion und Logistik, ab 2015 zusätzlich für Forschung und Entwicklung.

Vita

Lars Krause – Vorstand für Vertrieb und Marketing Volkswagen Nutzfahrzeuge
VW

Lars Krause ist Markenvorstand für Vertrieb und Marketing, seit 1. Juli 2021.

Lars Krause startete seine berufliche Laufbahn bei McKinsey. Von 2005 bis 2009 war er bei Volkswagen in verschiedenen Führungsfunktionen tätig, zuletzt als Produktlinienleiter der Baureihe "Fullsize". Nach Stationen bei Thyssen Krupp war er CEO der WISCO Tailored Blanks-Gruppe, bevor er 2017 bei Volkswagen Nutzfahrzeuge die Leitung des Produktmanagements und der Strategie übernahm.