Adrian Newey verlässt Red Bull
Die 9 dominantesten Autos des F1-Genies

Adrian Newey dürfte zeitnah seinen Abschied von Red Bull bekanntgeben. Schon vor dieser Ära war das "Superhirn" für extrem erfolgreiche F1-Autos verantwortlich. Wir zeigen sie – und seinen größten Flop.

Adrian Newey Weltmeisterautos
Foto: Collage: ams

Die Ära von Adrian Newey bei Red Bull neigt sich dem Ende zu. Eine offizielle Bestätigung steht zwar noch aus, aber der als "Superhirn der Formel 1" bekannte Konstrukteur verlässt den Rennstall spätesten Ende 2025. In knapp zwei Jahrzehnten hat Newey für die Truppe des thailändisch-österreichischen Brauseherstellers viele extrem dominante Modelle entworfen.

Doch schon vor seiner Red-Bull-Zeit erdachte der Brite für andere Rennställe Autos, die in den jeweiligen Saisons kaum zu schlagen waren – selbst wenn in den Konkurrenz-Boliden die klar besseren Fahrer saßen. Dass seine Entwürfe bisher für insgesamt 25 Fahrer- und Konstrukteurstitel verantwortlich sind, spricht eine eindeutige Sprache.

Unsere Highlights

Wir blicken zurück auf die nach der jeweiligen Siegquote neun erfolgreichsten Formel-1-Autos von Adrian Newey. In die Wertung kommen übrigens nur die Hauptrennen; Erfolge in Sprintrennen lassen wir aufgrund des erst vor wenigen Jahren eingeführten Formats außen vor.

Platz 1: Red Bull RB19 von 2023, Siegquote 95,5 Prozent

Die vergangene Saison dürfte wohl ewig in den Formel-1-Geschichtsbüchern als jene mit dem dominantesten Auto überhaupt verankert bleiben. Red Bull errang 21 von 22 möglichen Siegen. Nur mit der Strecke in Singapur kam der RB19 überhaupt nicht klar; beim Sieg von Ferrari-Pilot Carlos Sainz kamen Max Verstappen und Sergio Perez nicht mal aufs Podium. Ansonsten herrschten Red Bull und Chefpilot Verstappen über diese Saison: In der Konstrukteurs-Wertung holte die Truppe aus Milton Keynes mehr als doppelt so viele Punkte wie das zweitplatzierte Mercedes-Team; Gleiches gelang dem Niederländer im Vergleich zu Vizeweltmeister Perez im Fahrerklassement.

Platz 2: Red Bull RB20 von 2024, Siegquote 80,0 Prozent

Dies ist angesichts der wenigen bisher absolvierten Rennen 2024 freilich nur eine Momentaufnahme, aber bislang darf der aktuelle Red Bull RB20 als zweiterfolgreichstes Newey-Auto gelten. Vier GP-Siege – jeweils errungen von Verstappen – ergeben eine Siegquote von 80 Prozent. Nur in Melbourne blieb Verstappen mit brennender Bremse auf der Strecke und Perez konnte nicht mit den überlegenen Ferraris mithalten. Theoretisch kann der RB20 noch das erfolgreichste Formel-1-Auto aller Zeiten werden. Dann nämlich, wenn ein Red-Bull-Fahrer in allen noch verbleibenden Rennen ganz oben auf dem Treppchen steht. Denn dieses Jahr werden zwei Rennen mehr absolviert als 2023 – die Siegquote könnte im Idealfall 95,8 Prozent betragen.

Platz 3: Red Bull RB18 von 2022, Siegquote 77,3 Prozent

Red Bull startete sehr erfolgreich in die zweite Groundeffect-Ära. Zwar schien Ferrari anfangs einigermaßen ebenbürtig zu sein, doch das lag auch an Zuverlässigkeitsproblemen, die Neweys 2022er-Auto zu Saisonbeginn plagten. Ab dem vierten Rennen in Imola begann eine Red-Bull-Siegesserie, die von Ferrari und Mercedes nur punktuell durchbrochen wurde. Einer der Gründe: Während die Rivalen noch gegen Bouncing und Porpoising kämpften, blieb der RB18 stoisch auf der Ideallinie, ohne wild über die Strecke zu hüpfen. Ein Verdienst, das zum Großteil Newey zugeschrieben wurde, weil er die Phänomene noch aus seinen Anfangsjahren in der Formel 1 kannte. Wobei der tatsächliche Einfluss des Briten auf die aktuellen Red-Bull-Konstruktionen im F1-Fahrerlager angeregt diskutiert wird. Schließlich besetzt der Franzose Pierre Waché den Posten des Technischen Direktors, während Newey offiziell als "Global Chief Technical Officer" firmiert. Manche sehen in ihm sogar nur einen technischen Berater. Der umstrittene Teamchef Christian Horner scheint das Superhirn inzwischen ebenfalls für verzichtbar zu halten.

Platz 4: Williams FW18 von 1996, Siegquote 75,0 Prozent

Überraschung auf Position vier: Hier landet kein weiterer Red Bull, sondern der Williams von 1996, und das recht souverän. Damon Hill und Jacques Villeneuve holten 12 von 16 möglichen Siegen sowie beide WM-Titel im FW18, den Newey federführend konstruierte. Und das, obwohl die Fahrerpaarung mit dem Briten, der letztlich seinen einzigen Fahrertitel holte, und dem F1-Neuling aus Kanada sicher nicht die talentierteste im Feld war. Zur Wahrheit gehört jedoch auch: Williams war in diesem Jahr weitgehend konkurrenzlos unterwegs. Michael Schumacher kämpfte nach seinem Wechsel zu Ferrari mit den Kinderkrankheiten des roten Renners. Im Benetton – immerhin das Weltmeisterauto des Vorjahres – konnte, wenn überhaupt, nur Jean Alesi glänzen. Und McLaren befand sich auf einem absteigenden Ast. Der Williams war das einzige Auto, das auf allen Streckentypen und unter allen Bedingungen funktionierte und souverän an der Spitze fuhr.

Platz 5: Red Bull RB9 von 2013, Siegquote 68,4 Prozent

Sebastian Vettels vierter und letzter Fahrertitel war sein einfachster. 2013 gewann Red Bull 13 von 19 Rennen. Präziser: Vettel gewann 13 von 19 Rennen, Teamkollege Mark Webber konnte da nicht mithalten und blieb sieglos im hochgradig überlegenen Auto dieses Jahres. Verlief der Saisonstart noch vergleichsweise holprig, war die Kombination aus dem Heppenheimer und dem RB9 in der zweiten Saisonhälfte nicht mehr zu schlagen. Bei den letzten neun Saisonrennen stand ausnahmslos der Deutsche auf der höchsten Stufe des Podiums – das war damals einzigartig und wurde erst zehn Jahre später von Verstappen übertroffen. Die Ära der Motorenformel mit 2,4-Liter-V8-Saugmotoren endete mit einer klaren Red-Bull-Überlegenheit, welche das Technikbüro unter Adrian Newey nicht mit in die zum folgenden Jahr beginnende Hybrid-Ära hinüberretten konnte.

Platz 6: Red Bull RB7 von 2011, Siegquote 63,2 Prozent

Zwei Jahre zuvor war Red Bull ähnlich überlegen: 12 von 19 Siegen sammelte der RB7 ein, obwohl sein Renault-Motor damals längst nicht als das stärkste Aggregat im Feld galt. Umso überlegener war Neweys Chassis, das den britisch-österreichischen Boliden einmal mehr zum perfekten Allrounder machte. Diesmal war Webber gar nicht so deutlich unterlegen: Er konnte beim Saisonfinale in São Paulo immerhin einen Sieg holen, während Vettel für die restlichen elf verantwortlich war. McLaren mit Jenson Button und Lewis Hamilton sowie Ferrari mit Fernando Alonso und Felipe Massa konnten nur die Reste aufsammeln, die Red Bull übrigließ.

Platz 7: Williams FW14B von 1992, Siegquote 62,5 Prozent

Kaum war die McLaren-Dominanz der späten Achtziger- und frühen Neunzigerjahre durchbrochen, folgte jene des Williams-Teams. Newey lieferte mit dem Williams FW14B von 1992 sein erstes Meisterstück ab. Nigel Mansell, der im Jahr zuvor in der Fahrerwertung noch ähnlich knapp am Rivalen aus Woking scheiterte wie das Team in der Konstrukteurs-WM, fuhr souverän zu seinem ersten und einzigen Titel. Allein er gewann neun von 16 Rennen. Den zehnten Williams-Sieg holte Teamkollege Riccardo Patrese in Japan. Dem Hightech-Paket des FW14B mit aktivem Fahrwerk, Traktionskontrolle, optimaler Aerodynamik, halbautomatischem Getriebe und bärenstarkem Renault-V10 im Heck hatte die Konkurrenz nichts entgegenzusetzen. Ihr blieben nur einzelne Highlights vergönnt. Eins davon: Michael Schumachers erster F1-Sieg überhaupt im Benetton in Spa-Francorchamps.

Platz 7: Williams FW15C von 1993, Siegquote 62,5 Prozent

Im Jahr darauf ging es so weiter für Williams und Newey. Und das, obwohl sich Weltmeister Mansell in die amerikanische IndyCar-Serie verabschiedete und sein Cockpit mit Alain Prost besetzt wurde, der sich gut ein Jahr zuvor bereits in die vorübergehende F1-Rente verabschiedet hatte. Das hinderte den Professor aus Frankreich freilich nicht daran, mit dem FW15C, der die Stärken seines Vorgängers kultivierte, eine ähnlich dominante Saison wie sein bärtiger Vorgänger in den Asphalt zu brennen. Er holte zwar "nur" sieben Siege, diese aber fast ausschließlich in der ersten Saisonhälfte, sodass der vierte Fahrertitel früh eingetütet war. Im Anschluss glänzte eher der aufstrebende Damon Hill und holte weitere drei GP-Triumphe, um für Williams die Vorjahres-Quote von zehn Siegen in 16 Rennen zu egalisieren.

Platz 9: McLaren MP4/13 von 1998, Siegquote 56,3 Prozent

Ayrton Sennas Tod im von Newey konstruierten 1994er-Williams in Imola 1994 und das anschließende Gerichtsverfahren, in dem die Verantwortlichkeiten verhandelt wurden, nahmen Newey eigenen Aussagen zufolge stark mit. Er dachte bereits über seinen Rücktritt nach, entschied sich dann aber für einen Tapetenwechsel und heuerte 1997 bei McLaren an. Nachdem die in der Senna-Ära so erfolgsverwöhnte, danach aber heftig abgestürzte Truppe direkt erste Achtungserfolge feierte, holte sie 1998 zum großen Schlag aus: Die Newey-Konstruktion MP4/13 gewann 9 von 16 Rennen, wobei der Finne Mika Häkkinen allein acht der Triumphe verbuchte. Folgerichtig holte McLaren beide WM-Titel, wenn auch Ferrari mit Chefpilot Michael Schumacher über das gesamte Jahr ein hartnäckiger Gegner blieb.

Neweys größter Flop: McLaren MP4/18 von 2003

Dass selbst in einem Superhirn die Synapsen mal falsch verknüpft sein können, zeigte Newey mit seinem Entwurf für die Formel-1-Saison 2003. Der McLaren MP4/18 verfügte über eine extreme Aerodynamik, die ihm den Spitznamen "Delfin" einbrachte, die jedoch nie wie gewünscht funktionierte. Zudem war der Motor zu tief ins Chassis integriert, was zu vielen Motorplatzern und teils zu heftigen Folgeschäden führte, die vornehmlich Testfahrer Alexander Wurz ausbaden musste. An einem Rennen nahm der MP4/18, den Newey als "schlimmstes Auto, das ich je entworfen habe" bezeichnete, nämlich nie teil. Kimi Räikkönen musste mit dem modifizierten Vorjahresmodell gegen Michael Schumacher um den WM-Titel kämpfen. Und der konstante Finne hielt erstaunlich gut mit. Am Ende behielt Schumi mit lediglich zwei Punkten die Oberhand.

Hinweis: In der Fotoshow zeigen wir Ihnen die erfolgreichsten Formel-1-Autos von Adrian Newey, darunter selbstverständlich auch die im Text beschriebenen, besonders dominanten Exemplare.

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