Serienversion des MG Cyberster
Roadster-Cockpit ahmt Toyota Supra nach

Mit dem MG Cyberster kommt endlich ein Elektro-Roadster auf den Markt. Das Auto ist für den europäischen Geschmack designt und vergleichsweise bezahlbar. Auf den Markt kommt der Zweisitzer im April 2024, jetzt gibt es erste Cockpit-Bilder.

Die britische Marke MG gehört schon seit Jahren zum chinesischen SAIC-Konzern, der sich wiederum clever die englische Tradition der Marke einverleibt. 1924 gegründet, feiert MG 2024 also seinen 100. Geburtstag. Und zu diesem Anlass bringen die chinesischen Briten mit dem Cyberster einen auf den europäischen Geschmack ausgerichteten Elektro-Roadster auf den Markt. Wer so ein Auto möchte, muss aktuell entweder einen inzwischen sündhaft teuren Tesla Roadster der ersten Generation oder ein ebenfalls nicht günstiges Restomod-Modell kaufen. Wann Tesla seinen neuen Roadster bringt, ist unbekannt – aktuelle Informationen zum Stand der Entwicklung gibt es nicht. Und Polestar hat seinen Elektro-Roadster Polestar 6 erst für 2026 angekündigt. MG ist somit der einzige Hersteller, der bereits ab 2024 einen rein elektrisch angetriebenen Roadster anbietet.

IAA 2023

Sein Debüt gibt der offene Stromer auf dem Goodwood Festival of Speed im Juli 2023. Kurz zuvor zeigt MG erste Bilder vom Seriencockpit mit rotem Leder, einer steil aufsteigenden Mittelkonsole und einem geschwungenen Display hinter dem abgeflachten Lenkrad. Das Layout erinnert an die Toyota Supra A80 der 90er-Jahre (rechts im folgenden Bild eingefügt).

MG Cyberster Interieur Vergleich Toyota Supra Collage 2023
SAIC MG / Toyota / Patrick Lang
Das Seriencockpit des Cyberster weist eine Ähnlichkeit zum Layout der Toyota Supra A80 auf.

Erreichbare Sportwagen

Im Mai 2020 hatte die MG-Design-Abteilung erste Teaser-Bilder eines kommenden MG Roadsters veröffentlicht – die Bilder kamen vom Designstudio in Birmingham. Der offene Zweisitzer trug seinerzeit den Arbeitstitel Cyberster Concept. Die Serienversion "MG Cyberster" tritt de facto in die Fußstapfen des Mittelmotor-Roadsters MG TF, den MG bis 2011 in Programm hatte. MG ist stolz auf seine weit zurückreichende Geschichte von auch für Normalverdiener erreichbaren Sportwagen. Insbesondere junge Menschen in England kennen MG noch als legendäre Marke, ohne dass sie die teilweise etwas umstrittene Qualität der Ur-MGs kennengelernt haben.

MG Cyberster
MG
Große klare LED-Band-Leuchten und ein großer Diffusor sitzen am Heck.

Fraglich ist noch, ob das Modell in Europa auf den patentierten Namen "MG C EV" hören wird. Klar ist dagegen, dass er in Europa zum Frühjahr 2024 kommen wird. Nachdem in China bereits Bilder und technische Daten von dem Modell bei der Zulassung durch das Ministerium für Information und Technologie (MIIT) veröffentlicht wurden, gab es jetzt die offizielle Premiere des zu 95 Prozent fertig designten Serienmodells. Die endgültige Version könnte MG auf dem diesjährigen Goodwood Festival of Speed (13. bis 16. Juli 2023) zeigen.

Serienversion speckt optisch ab

Im Studienstadium war der Cyberster noch besonders rassig gestylt: Lange Fronthaube mit tief geduckter, spitzer Nase, kurzes, knackiges Heck und eine flach angestellte Windschutzscheibe. Dazu gab es eine schlanke Taille in Kombination mit deutlich ausgestellten hinteren Radläufen. Auch im Schwellerbereich zeigten sich markante Karosserieeinzüge. Hinter den beiden Sitzen erhoben sich Überrollbügel, die in Airdomes ausliefen. Die oval ausgeführten Hauptscheinwerfer schienen ebenso auf LED-Technik zu setzen wie die Beleuchtungselemente am hoch abschließenden Heck.

MG Cyberster
MG
Der Cyberster ist ein E-Roadster im Mazda MX-5-Stil.

Wie üblich wird das Design beim Serienauto gegenüber der überzeichneten Studie deutlich zurückgenommen. Die Überhänge an Front und Heck legen zu, während die Fronthaube nicht mehr so lang ist und die Insassen mehr in der Mitte des Roadsters sitzen. Die Nase präsentiert sich weniger aggressiv und die Grafik der LED-Scheinwerfer wirkt sonnig fröhlich und trotzdem konzentriert. Eine größere Frontscheibe bietet echten Windschutz im Alltag. Der Targa-Bügel hinter den Sitzen verschwindet, dafür spannt sich ein elektrisch öffnendes und schließendes Stoffverdeck über die Passagiere. In der Seitenansicht wirkt die Form des Stoffverdecks schick-modern. Zugang zum Innenraum gewähren Türen, die sich nach vorn oben öffnen – ein Feature, wie wir es von Lamborghini-Supersportwagen kennen. Die Rückleuchten mit der Pfeilgrafik sind von der britischen "Union Jack"-Flagge inspiriert und finden ihren Weg in die Serie – auch das dynamische Blinklicht ist in diese Pfeilgrafik integriert. Das Heck wird schlanker und runder und ist zudem mit einer Spoilerlippe versehen.

Steer-by-Wire und auch mit Yoke-Lenkrad

MG Cyberster Erlkönig
Auto Home China
Der erwischte Prototyp ist mit einem Yoke-Lenkrad ausgerüstet.

Weitere Bilder der Konzeptstudie deuteten im Cockpit des Cyberster auf virtuelle Anzeigen sowie einen Fingerabdruck-Scanner für die Fahrberechtigung hin. Das Cockpit ist auf den Fahrer ausgerichtet, der wiederum auf drei nur für ihn gedachte Bildschirme schaut. Der Kunde hat die Wahl zwischen einem Yoke-Lenkrad, das nicht die Bildschirme verdeckt, und einem klassisch runden Lenkrad. So ein Yoke-Lenkrad bieten aktuell nur Tesla in Model S und X sowie Toyota im BZ4X und Lexus im RZ 450e an. Die Lenkung an sich ist ein Steer-by-Wire-System – sie kommt also ohne eine klassische Lenksäule aus.

544 PS im Top-Cyberster

Das Modell mag wie ein kleines Fahrzeug aussehen, ist aber für einen Roadster recht groß. Seine Abmessungen betragen 4.535 mm in der Länge, 1.913 mm in der Breite und 1.329 mm in der Höhe, mit einem Radstand von 2.690 mm. Damit ist er 188 mm länger als ein Porsche Cayman. Auch in Sachen Gewicht ist der Elektro-Roadster ein Schwerenöter. Je nach Version beträgt das Leergewicht zwischen 1.850 und 1.985 Kilogramm. Das Gesamtgewicht liegt zwischen 2.075 bis 2.210 Kilo.

In der Top-Ausstattung ist der Cyberster als Allradler mit einem E-Motor pro Achse unterwegs. An der Vorderachse arbeitet der 150-kW-Motor (204 PS) aus dem MG4 EV. An der Hinterachse unterstützt ein 250-kW-Aggregat (340 PS); entsprechend kommt der MG Sportler auf 400 kW (544 PS) Gesamtleistung und 725 Nm Drehmoment. Der Spurt von null auf 100 km/h soll in 3,2 Sekunden möglich sein. Die Einstiegsversion erhält auf der hinteren Achse einen E-Motor mit 250 kW (340 PS).

Der Topspeed soll bei 200 km/h liegen. Den Kontakt zur Straße halten 20-Zöller mit Reifen der Dimension 245/40 R20 an der Vorderachse und 275/35 R20 hinten. Das Einstiegsmodell wird mit 245/45-R19-Reifen an der Vorderachse und 275/40-R19-Pendants an der Hinterachse ausgestattet sein.

Der Cyberster wird mit einer NMC-Batterie von United Auto Battery System, einer Kooperation aus SAIC und CATL, ausgestattet sein. Bei einer Kapazität von 77 kWh wird die Reichweite nach dem chinesischen Zyklus mit 580 Kilometer angegeben. Der WLTP-Wert wird darunter liegen. Die Hinterradantriebsvariante setzt auf einen 64-kWh-Akku mit rund 500 Kilometer Reichweite. Aktuell hat MG bereits verschiedene rein elektrisch angetriebene Modelle im Angebot.

Wie MG betont, möchte man beim Roadster nicht billig, aber erreichbar sein. Und den Einstiegspreis für den Cyberster hat MG bereits festgelegt: 50.000 Pfund (aktuell umgerechnet zirka 57.200 Euro) soll der Elektro-Roadster kosten.

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Fazit

Auch wenn das in Europa kaum jemand auf dem Zettel hat: MG hat sich in China längst als Marke etabliert und durch die Zugehörigkeit zum SAIC-Konzern Zugriff auf reichlich Technologie-Komponenten. Daraus ist jetzt ein netter und derzeit konkurrenzloser Elektro-Roadster entstanden. Nach Europa kommt der Zweisitzer mit Stoffverdeck im Sommer 2024.